Aus den überlieferten Handschriften G. W. Leibniz'.

Vorrede über dieses Tractat.

Im anfange da der allerhöchste Gott, Schöpfer Himmelß etc. den Ersten Menschen Adam, in daß Paradyss gesetzet, und ihm Zum Herrscher aller Erschaffenen Creaturen gemacht: So war Ihm der Segen des allmächtigen gegeben, sich solcher wunder im Heyl ordnung zugebrauchen und seinem werck Meister darüber Nach zu spanisen: Nachdem aber der Fall unserer Ersten Eltern, die Paradysische gestalt wegkgenommen, u. der Fluch die augen des verstandes sothanig verfinstert daß wir gleich blindt herumb laufen u. bemühen unß umb dinge die doch vergänglich u. keines werths sindt, so sieß mir Menschliche Furcht zu handen. Ich sahe der Welt Boßheit mit ihren betrugk u. erkante das wie Menschen unter die Mörder fleischlicher Lüste gefallen: ach! Wie gar tödtlich haben sie verwundet: daß Lichtlein des glaubens ist fast verloschen, und der Leib lieget mit Lazaro voller Schweeren: Ich stundt alhier verlaßen und beweinnte mit bitteren Tränen, daß Elendt Meines Jammers; So kam in Mich eine Stimme die Rief: Suchet so werdet Ihr finden, klopfet an so wirdt euch aufgethan denn also spricht dein Herr u. Erretter, kommt her zu Mir Ihr sollet waßer schöpfen auß dem brunnen des Heyls mit freuden, u. darumb hat Gott seinen Eingebohrenen Sohn in die Welt gesant, auf daß die welt durch Ihn Seelig werde; Ich gedachte darowegen hin u. her, waß doch diese stimme wehre, u. erinnerte dabey daß Unser Herr Jesus Christus die wahre Nießung seines heylwertigen Leibes u. Bluts unter die empfängnüß Brodt u. wein gestelt worauß daß außgesprochene natürliche Wort: Fiat. Daß innere Ewige bezeichen und darreichen sollen; in Erwegung deßen nun, nehm ich mir vor, gründlicher maßen in den spiegel der großen Natur mein fast verloschen Tahtlein wieder zu suchen, anzustecken u. den Leib darauß zu heylen. Also ich aber fast müde u. matt bey solcher arbeit worden da verschwandt endlich die Fünsternüße von meinen augen, und wurde aldar erst recht gewahr waß die Stimme zu Mir gesaget: Ich sahe daß Paradyß u. überkahme die ste gewalt der Elementen, ein köstliche Medicyn vor Menschen und metallen: So fragt Ich nach dem Baum des Lebens, u. Ich fandt Ihn in der Mitten, da tranck ich auß dem becher voller gnaden u. wahrheit daß Heilwertige Bludt Meines Erlößers Jesu Christi und Ich wurdt gesundt zur selben stundt. Dancke dafür dem der Mich erschaffen, Erlöset und wieder gebohren hat, dem dreyeinigen Gott Hochgelobet in Ewigkeit Hallelujah.

Tractatus

Ich will meinen Mundt aufthun zu sprechen in Gleichnüßen und Erzehlen die Heimligkeiten von anfang der Welt.

Cum Bono Deo.

Wenn wir Menschen nach angebohrener pflicht daß allgemeine Elendt dieser Zeit-Irdisch-vergänglichen Lebenß Christlich zu betrachten vor unß nehmen, So müßen wir gestehen, daß in unß daß Bildt Gottes allerheyligsten Erkäntnüße unter den schlamm und Fluch der Sünden, Eigener Lustbegierdt dero gestalt verblichen daß sich auch nichts mehr übrig befunden, denn Eitel Erworbene ungnade, blindtheit des verstandes, Sambt vieler gebrechligkeit des Leibes, Zeitliches sterben u. Ewige verdamnüß.

Aldieweile denn der allerhöchste Gott diesen Fall des Menschlichen geschlechts zuvor also geschen, Ihm den Menschen aber darumb außer allen Creaturen Erwehlet auf daß Er seines wohlgefallen an Ihm hette, u. Er sich unser auch wieder Erbarmete wie win Vater über seine kinder, also hat er es Gott auß gantz überschwängklicher Weßheit, darnach geordenet, u. durch sein kräftiges wort auß der finstern tiefe heyßen hervorgehen, daß Licht, unß zu erleuchten in Erkentnüße der dinge welche dagestellet zum Zeugnüß des unschtigen, Erschröcklichen wuderbahren almächtigen Gottes.

[Wenn] nun mit hinzuziehunge Gottes geoffenbahrten Wort, auß einer Lieben Heyligen, hierinnen grundire; so sagt uns die Schrift: Gott ist ein Licht, wohnet im Licht und Licht ist sein Kleidt: Sind derowegen uns nach diesem Text mit den im anfangk zu Erst erschaffenen Lichte zu dem allerheyligsten Erkentenüß Gottes Vornehmlich 3 Lichter, Christlich zu nehertzigen aufgegeben u. davon saget der Heyl. Dyonisius weiter also: Lux superintelligibilis daß überverständliche Licht wo durch alle über himmlische geister erfüllet; auch alle Seelen gereiniget werden, Sey der Uhrsprung alles Lichts, mache Unsterblich u. Wohne in Gott:

Lux intelligibilis daß verständliche Licht in Engelen und Menschen, u. Lux visibilis daß geschaffene Licht in der Sonnen. Stehen also wie Menschen gleich alß in Mittelpeunt gesetzt, zwischen dem ober der stündlichen u. natürlich geschaffenen Lichte. Participiren an und von beiden, u. daroselben auch ein jedere des Seinen effectum gnade u. Güttigkeit Gottes in unß vollbring nehmlich daß überverständliche Licht, welches die Einige Weißheit, Wahrheit, Unschuldt u. gerechtigkeit Gottes unser 2 Christi (damit zwar unsere Erste Eltern im Paradyss angethan gewesen, aber! Leiden! Durch den auf unß geerbeten Sündenfall in unß allen verblichen) eingeistet sich durch das Heylige Waßerbadt im Worte vom einem der Christlichen Seele, dieselbe denn übernatürlich davon beöhliget wirdt u. ist solch ein Geist od. öhlung anderß nicht, alß den unbegreiflichen über Himmlisch Ewig Sahmen des aller heyligsten Erlüntnüß Gottes auf das neue in unsere Verderbete natur gedauet, welche denn geist u. überhimlisch vereiniget, u. in dieser Zeit Leiden aufwächset, biß in das vollenkommene Licht u. altar Christi.

Unter solchen aufwachsen denn die Seele vermöge des inbrünstigen anzeigß, wahren glaubens auch Mündlicher empfahrung leiblicher Sacramenten die geistlich u. leibliche Speißung od. nahrung, behalt von dem gantzen Christ und wirdt also mit durch u. von Christo ein kindt, u. Erbe Ewigen Lebens, denn wo Christus ist da ist auch wahre Erkentnüße wahre erkentenüß Gottes ist da ist auch wahrer Glaube, Ewiges Leben und Seeligkeit die selbe in uns vollenkommen macht daß unschuldige Leiden, Verdienst u. Todt, od. anders gelehrt die Heylwertige Hernie der kunst aufferstehung u. Himmelfahrt unsers Gottes Christi.

Stehet derwegen einen jeden frommen Menschen heylsahmlich wahr zu nehmen, wie unermäßlich die unendliche Liebe u. gütigkeit Gottes, gegen unß arme verlohrene Kinder geweesen daß er auch umb unser ut willen seines einigen Sohnes nicht verschonet, besondern so tief hernieder gesandt, ins Fleisch, daßelbige wieder gerechtfertiget im geist, u. aufgenommen in die Herrligkeit.

Wie nun in solcher wahren Liebe Christi Jünger und nachfolger sein will zu dehm sagt Christus der Herr selbst, halte die Geboth, wer kanstu alles waß du Eigen hast, gibs den armen, nimb des Creutz auf dich, u. folge mir nach. Denn wer Mich also liebet daß mein Vater im Himmel dadurch geehret u. sein nechster gebe werde u. glaubt hiezu den worten die ich zu Ihm gesaget habe der Soll den Todt nicht Schmecken Ewiglich. Denn ich bin daß wahre Licht, der Hegt die wahrheit u. daß Leben, wer Mir bachfolget wirdt nimmermehr sterben, u. wer mein Fleisch isset und trincket mein Bludt der bleibt in Mir ich in Ihm u. da ist dem lauter Heyligkeit Licht Ewiges Leben und Seeligkeit.

Auß diesen Fundament nun statuiren die Hocherleuchteten Physici u. stzen, das gleich wie Gott dem Menschen Erster Creation im Paradyß eine Seele od. Füncke ein des überhünnlisches Lichts eingeblasen, welches dann wie vorhinn gesagt auch in uns allen wieder Erneuert u. vermögen, des brünstigen anzugs, wahren glaubens auch Mündlicher empfahungen Leiblicher Sacramenten angefüllet, auferzogen und zum Ewigen Leben gesättiget wirdt, also sey hiervon daß Zeitliche Leben und bewegung des geschaffenen lichts eine gleichnüß und augenschein der über Himmlischen Sonnen Christi geworden.

Im maßen derowegen zu wißen, daß im anfangk der Schöpfunge Himmelß u. der Erden derdreyeinige Gott Jehova auß seiner heyligen Munde geschaffener weyß, einen geist und Tampf und Rauch außgehen laßen, welcher alß ein Simulacrum et Typus Divinus Ruach [Rauch] Elohim daß hauchen des almächtigen und ein hell leuchtender schein göttlicher Flammen genennet wirdt.

Von diesen Spiritu lehret daß buch der Schöpfunge daß Er im anfange alß ein universalis Genitor auf dem Primordial 🜂 Ignis, Feuer geschwebet dannenhero dieselbe nach den intent Gottes von Ihm bereits geschwängert, u. folgents der Foetus in Ihn durch Ihn digeriret u. gleich den Eyern von der kommen außgebrütet worden, das nach scheidunge der Elementen ein jederedes deroselben seine besondere generata Primaria hervorgebracht, u. darinne sich auch ein jederdes, vermöge des gesprochenen Seegens Crescite et multiplicabimini biß daher vermehret u. unterhalten, worden hernacher im anfange dieses Tractatus weiter.

Wie nun bißher bekäntlich war auch wir Menschen mit dem Leibe im Eussern Reich von anfang darnacher geschaffen das ein Püncktlein von diesem Spiritu mundi od. natürlichen lebenß bewegenden Strahl in unß damit der Leib Zeitlich auf erwächset biß in das vollkommene alter u. abgezwähltes Ziehl seines Lebens, so empfanget u. nimmet derselbe unter solchen aufwachsen, sein incrementum auch von diesem spiritu illo mundi fovente theilß durch den anzugs des freyen Luffts u. theilß durch die Thawglieder des Menschlichen Leibes auß den alimenten u. medicamenten werden dannuhero In, Mit u. Von diesen allgemeinen Welt-geisten nicht allein in Leiblichen Leben unterhalten, besonders dahero auch gleich den wahren gläubigen, in den Wunderwercken Christi, zu allerley Natürlichen Recht, Kunst u. Geschickligkeit geboren, gebohren, erzogen erleuchtet u. unterrichtet.

Enn nun zu solcher Natürlichen unterrichtunge die Erleuchtunge des überverständlichen Lichts darzu kombt, also das wir derselben bloßer dinge zu Gottes Ehren u. des dürftigen nechsten besten Heylsahmlichen gebrauchen; So bekommen die Natürliche Gaben auch ein viel beßeren verstandt, werden damit in einem viel höheren gradu gebohren u. gewinnen darvor schmack der Ewigen Herrligkeit, davon der Heyl. Apostel Paulus Schreibet, biß in den dritten Himmel aufgezuckt gewesen.

Dieses alles aber wirdt alhier also in der Zeit gewürcket, geschichts hernach das der Leib durch den Zeitl. Eintritt, in der Erde darzu solviret, u. kombt zukünftig in der Erscheinunge des Tages des Herren mit der Seelen wohl gereiniget und gewaschenvon allen Sünden, wieder beysammen; So wirdt alda denn erst recht der gantze Mensch nach dem Exempel Pauli von der erzeugung einer neuen Kunst Zum Ewigen Leben wieder gebohren, u. bleibet ewiglich, Mann saget aber der Heyl. Apostel von solcher Wiedergeburth alß ein Geheimnüß weiter: Wir werden doch nicht alle sterben besondern verwandelt werden: Wormit Er so viel bezeugen wollen, das Zweyerley verwandelungen auß diesen in daß Ewige Leben Christl. Zubehertzigen nehmlich die erste beschreibet er in gleichnüßen, Wann daß Korn in die Erde fället stirbet od. faulet u. aber durch u. von der astralischen influentz von neuen wieder Erwacket u. in der Zeitigung des Herbsts wann die Sonne am herrligsten blincket. Zu einer viel Edelern Frucht hervor kombt, also wurden die Menschen welche durch den Zeitlichen Todt Ihren hintritt genommen in die Erden dissolviret von den Posaunen knall des über himmlischen gestirns der Heyligen Engel wieder erwecket und im blick der überhimmlischen Sonnen Christi zum Ewigen Leben wieder auferstehen und eingeerntet werden, in Gottes ewig Reich, worden die wahrhafte Zeugnüße jener Todten auß Ihren gräbern eine kräftige vorschrift.

Die Menschen aber welche process zu solcher Zeit noch würden leben selbige werden zwar nicht sterben, zuwißen das sie durch keine solche langsahme veranderunge, besondern durch Gottes überhimmlisch 🜂 Ignis, Feuer wie von Blitz in Huj dahin gerücket, alteriret, probiret und glorificiret sollen werden, wovon das Exempel Henoch und Eliae ein vorbildt.

Wohl denn derowegen welchem da der Geist Christi im Donnerschlage seiner Worte (darum der Prophetische Mann gerufen: habet acht denn der tag des Herren kommet über Euch schnell wie Ein dieb in der nacht) zum Ewigen Leben trefen, u. Er sich das Licht der Natur [zu demselbigen alhier] zu vor wohl scheinen läßet. Denn hirinen lieget daß große geheimnüß u. der Sieben Donnerstimme in Apocalipsis auch der Bundt deß Orion der Natur gantz offenbahr, wahr und klahr am tage, Ja hier sindt alle überhimmlische Schätze, mit dem schönsten gaben Goldt, Weyrauch u. Myrren an daß Licht gestellet: wer derowegen wohl suchet der wirdt wohl finden und 🜄 Aqua, Wasser schöpfen auß dem brunnen des Heyls mit freuden, worüber David spricht: Deine Tröstunge O Herr! Erquicket Mir meine Seele. Solchem nun waß von dieser letzten verwandlung gesagt, dehme haben die Erleutesten Phil. in der Tiefe nach gesonnen u. davon also argumentiret: hatt sich Gott den Process zu Unserer Seeligkeit also gefallen laßen, daß Er auß demselbigen Ersten theilß mit der Erzeugmige einer neuen vegetabilischen Frucht, gleich Zeichnen u. belehren wollen, und aber die gantze geschaffene Natur ein dienlicher augenschein der überhimmlischen Weißheit Gottes geworden. So müste außer Zweifel dieser andere und letztere theil mit einem gewaltigen Universalismo mineralibus bezeichnet, verborgen sein, darum sie denn auch muß solcher minera angefangen hervor zu suchen, ob sie nicht könten finden ein Ding womit alle microcosmische gebrechligkeiten des Menschlichen Leibes auch im Hujus versetzet und die geringeren metalla zur ptusquam perfection gebracht möchten werden.

Wie hoch sich aber viele darnach bemühet, sonst dennoch also viel man weiß von der Arca Nohae fer Hermes Trismegistus der ersten Erfinder solcher wahren Scientus u. Weißheit gewesen deme denn die anderen in der Kunst also nachgefolget, das auch sie und Wir, die Ietz noch Gottes willen in der Welt noch leben auß einem mineralischen Subject gewußt u. wißen hervor zubringen Ddn wahren Cörperlichen Blitz, dem wahrhaften ein verleibeten geist der Welt, die angebohrene und incorporirte waxende wärmb die aller dinge auf den höchsten gradt gezeitigt, soda ist alles in allen des quintum esse u. sta gewalt der Elementen. Von den Phil. aber Filius ignis Stein der Weisen u. Ihren Irdischen Salvatorem intitulirt. Sintemahl gleich wie wir Menschen durch den Lapidem Super coelestis Christi in kraft seines geistes u. unseres wahren Glaubens vorhinn, u. hier zeitlich an Leib und Seele zum Ewigen Leben Seeliglich Fermentiret werden; also wißen wir auch durch diesen unseren Philosophischen Stein unser Leiblich leben, vernunft u. weesen in seinem vigore kräftig zu stärcken, und vor allen untergange biß zum abgezweckten Ziel des Todes zu unterhalten.

Die weilen denn auch der metallen eigen Leib und innere Seele von dieses unseres Spiritualischen 🜂 Ignis, Feuer steins natur uhrsprünglich herrühret u. daß dieselbigen in Ihren gebührlichen Fluß im 🜂 Ignis, Feuer stehen, sey wohl metall es wolle so warten wir darauf ein gewißen Dosin deßelbigen, welches sich denn damit wie der Blitz in einem Huy wenn Er das Centrum eines Folson u. alß sich des überhimmlische lumen mit den gläubigen kindern Gottes am Jüngsten Tage ergreift, augenblicklichen umbfähret u. das gantze Weesen Corpus und Seele in die vollenkommene natur des Aurum, Gold od. Argentum, Silber versetzet, welches nicht allein daß höchste Mysterium besondern auch daß große miraculum in tota Philosphia Hermetica mit Menschlichen gedancken kaum zu begreifen: und davon berühmt sich Salomon der Weys solcher hohe arcanum in besitz genoßen zu haben wenn Er spricht: Er wiße und vorsehe die Kraft der Elementen so bezeuget auch der Prophet Ezacjiel mit dem gesuchten eines außfließenden Bächleins unter der Schwelle des Tempelß neben dem Heyligen Altare davon die H des Meers gesundt worden, also mit fingern hierauf. Ja es scheinet nicht wenniger daß diß eben der Mahlstein u. Buch des Bundes des gesetzes von dem großen Naturkündiger u. Propheten mit dem höchsten Gott gemacht und darauß ihnen solche Weißheit gefloßen ist, Sintemahl es ein Brunnquel aller himlischen Schätze und Güther, in deßen Preparation man siehet wie die Welt vom anfang erschaffen, warumb die Erste Zeit sich mit der Simdtfluth verwexelt: Diese letztere aber in 🜂 Ignis, Feuer aufgehoben werden solle, u. also daher welches der Zeiten anfangk Mittel und Ende: Ja es ist ein Schatzkammer voller Weißheit davon die Heyligen Gottes weißagung überkommen, daher Salomon die verborgene und himmlische Dinge erkannt u. der Hochgelehrte Baco Angelicus geschrieben das es der größesten Natur Beweiß Christi himmlisch Fleisch, dieweil es voller göttlichen Tugenden u. ein fast überhimmlische Gewalt in Ihm selbst bezeuget, und darumb hat denn die Schrift gar recht wollen setzen Licht ist Dein Kleidt, Immaßen unß auch auf solche weyse, daß Natur-licht, Gottes Wunderbahre kraft und sonderbahre Gütte zu erkennen gibt: der königliche Prophet David aber gesungen: O Herr du bist mein kraftiges Licht und Erleuchtest Mir meine Lüste: Sonne Mondt und die Sterne geben das gezeichnüß von dir. Dieweile aber dieser unser Philosophischer Stein, nuhen seine himmlische Partes od. Principia auß den Radiis Coelestibus Solis et Lunae nimbt welche Radii alß geistl. Sie auch sindt, Jedoch von den Philos. Alß ein gehäuß des großen Geistes der Welt gehalten worden. So sehen und bemercken Wir dannenhero wie Gott der almächtigeauch das allerhelleste u. klarste Licht in der lüstersten Fünsternüß verborgen u. den höchsten Himmel in den Tiefsten abgrundt geleget, worvon David also weiter: die Erde ist voll der Barmhertzigkeit des Herren etc. Hermes aber der Vater aller Wahren Philosophen hat gesagt; daß unterste ist gleich dem Oben: daher wir denn mit des Palmisten seufzen: Ach herr wie süß ist dein Geist in allen Dingen: damit Ich nun dieser Comparation ein ende machen u. gründlichermaßen zu beschreiben fortfahre, auß wa0 für einem Subject denn dieses universalissimum medicamentum eigentlich zu überkommen wie u. wo sich dasselbe gebühret, und wir zu deßen intent ferner damit umbzugehen. So ist derowegen inmehrern zu wißen gleich wie es dem allerhöchsten Gott gefallen daß sein unbegreifliches göttliches Licht, Geist u. Leben unserer verdarbeten Menschlichen Natur im Inug frawlichen Bilde ein greiflicher Leib hat sollen werden das es mit der geburth der Phil. Subjecti, eben daßelbeunß unter beeden kein anderer unterscheidt, nur wie Innes auß kraft der Licht wahrten Heyl. Geistes empfangen und mit wahren Gleuben bekomt, dieses von der Lebens bewegenden Kraft des Lichts der Sonne gewürcket u. gehalten wirdt.

Alß zum Exempel: unß Menschen nach dem Falle unter unter dem Fluch war keines weges möchlich wieder zu den allerheyligsten bekäntnüß Gottes zu gelangen, Gott neigete sich denn zu unß herab; geißete sich unßeres verderbeten Fleischlichen Natur wiederumb ein u. nehme dieselbe in den vergölteten Fleisch deß Gesetzes erfüllunge Christi, alß in des unschuldigen Lammes, wieder an sich, u. führete dieselbe durch seinen Todt auferstehung und Himmelfahrth, dem Paradysischen Ewigen Leben wieder Ein, wovon Christus also selber sagt: diß ist aber das Ewige Leben daß sie dich Vatter und daß du alleinwhrer Gott bist und den du gesandt hast Jesum Christum erkennen.

Hernacher vors 2te ist auch unß Finitis et Corporalibus nicht möcklich den vor ofterweheten geist der Welt, weder zu unsers microcosmischen leiblichen Lebensstercke u. zufelaßene Kunst erhaltung, nach einiger metallen verbeßerunge alß purum ac merum Spiritum, absolute vor sich u. allein zu fangen od. zu faßen derselbige influire sich denn zuvor dem unter Dingen u. werde eine solche mittel Natur, welche da sey ein Corpus Spirituale, auß Vereinigung des großen geistes der Welt mit einem Reinen und zarten Corpore Jungfrawlicher (daß ist einer Wäßerigen Orden zugethan) davon den leiblichen Kräfte gleich der glaubigen Seelen, von dem vergotteten Christo leiblich gespeiset geistlich gebawet u. die geringen metallischen Subjecta wie vorhin gesagt, in höchste Natur des Goldes od. Silbers gesetzet moge werden.

Solchem nach nun verhält sichs mit dem Theologischen Immanuel mit der Menschwerdung unsers Heylandes und Erlösers Jesu Christi also: der Engel Gabriel wurde von Gott gesandt brachte der Jungfrawen Maria dem gebenedeiten Gruß und sprach: Siehe du solt schwanger werden und einen Sohn gebehren. Dieses Wort alß wahrhaftiges göttliches Licht, geist u. Leben empfing die Jungfraw mit inbrünstigen Glauben, u. führete dasselbe vermöge solcher seiner Glaubigen begierde (welche nur immerdar getrachtet des Herren Willen zu erfüllen) der Menschlichen Natur alß dem Lebend ein, worvon das Worth: wahrer Geist, in 🜄 Aqua, Wasser göttlicher Gnaden Resolviret, auß Vereinigung mit dem Jungfrawlichen geblüth fleisch geworden und daher ist unß Gott wahrer Mensch gebohren.

Die Geburt des Phil. Subjects dann, bezeuget sich eben also: daß nehmlich wie dorten Christus unser Heylandt u. Seeligmacher unst von alten jedem auß Fleischlicher Lust im beyschlafen, besondern auß Gott von oben herab gebohren, also auch nicht in gebehrung unsers Subjects daß Jungfrawliche Element 🜄 Aqua, Wasser mit der Erden wie sonsten in anderen geburthen geschiehet, eine Kugelrunde macht, wann es unß solches gleichsahm auß seiner Mutter hervor schüttet, zu wißen daß daßenbe nicht auß der Erden Irdischen u. verbrennlichen Kris besondern auß den Radiis Coelestibus von oben herab gewürcket u. gebohren wirdt, welches geschiht wenn sich die helleäuchtende Strahlen der Sonnen, so auch anders nichts denn lautere himmlische 🜂 Ignis, Feuer, geist u. Leben, u. Ihme eben derselbe Geist, so anfangs auf den Primordial 🜄 Aqua, Wasser geschwebet der mittelst des Lichts im fryen 🜄 Aqua, Wasser-bauch des großen Meers der Welt entschließet, daßelbige feurigen, daher ist von solcher Licht und Lebendt reicher kraft, mehr in sich zu ziehenbegirder, Von Mitternacht aber u. wenn es sein bescheiden gewicht empfangenm gar ein int zusammen läuft, von dem Athem des Herrn gleich einem Christall-kugel über Eyset u. also mit Ihm gebohren wirdt, Unser Phil. Erde, die heylige Stadt.

Daß philosophische Aurum, Gold und aller köstlichste 🜔 Sal commune, Kochsalz diser unters globul der Welt, welchen Christus seinen Jüngern verglichs in deßen Corpore das wahre 🜄 Aqua, Wasser des Lebens Spiritus universi und 5te gewalt der Elementen seinen Sitz genommen, wie Gott in der vernünftigen Seele des Menschen, sodann auch darauß so beweißlich zu Tage scheinet wie die Milch auß dann geschwängerten 🜄 Aqua, Wasser der wolcken. Es ist der wahre 🜔 Sal commune, Kochsalz bundt mit David gemachet und hiervon sagt der Phil. also: Weser Subjectum behöre nach dem Process Christi von neuem erwecket zu werden, damit es durch den Todt des gesetzes von übermäßiger hitze u. Kälte könte herdurch geführet werden, und denn so ist die Erde wieder in Ihrer vollen Paradysischen grüne woranß so dieselbige hernach gezeitiget wirdt, biß zu der sächsten Diaphanitaet der Sonnen. Theologisch von Christo bezeichnets die heylige Taufe und verklärunge seines himmlischen Vaters.

Philosophisch, von unsern Subjecto aber, von unsere Himmeltaw und mercurial Öhl in diesen seinen 🜍 Sulphur, Schwefel qualificiret welches den schein und klang giebet dem Matall u. stehet dieser Process in seiner Figura ferner wie folget. &

Processus.

Wie unser Heylandt Christus gebohren war, so lag er in windeln gewickelt in einer Krippen, in einer solchen armuth, vor der schlechten ansehen, die Juden sahen aber wohl daß keiner solche wunder vermochte zu thun, die er that, so ergerten sie sich dennoch an Ihn u. wolten auß Hoffarth Ihn nicht erkennen von Johanne aber wurde Er getauft u. da Fuhr der Heilige Geist mit einer Stimme auß dem Himmel auf Ihn u. bleib auf Ihn sitzen, wohrbey der Taufer erkennete daß Er Christus wehen der daß Menschliche Geschlechte Erlösen solte. Philosophisch stehet diese Figura gleichfalß also: dann obwohl alle sophistische Magi mit dem verstocketen Juden wohl sahen daß auf der gantzen Welt kein Wundersahme gewürtz alß daß allegemine Spanische 🜔 Sal commune, Kochsalz Ja in allen u. durch alles daß 🜔 Sal commune, Kochsalz ist so wollen sie solches doch seines schlechten u. geringen ansehens halber zu dehen Ende warumb es der höchste Gott (gleich dem außerwehlten grundtstein geleget) auß Hochmuth nicht erkennen, welches zwar kein Wunder in dahin sie goldt außer Gottgesucht und sich daher der wahren anfänglichen Principien nicht erinnert: der Wahre Künstler nimbt und taufet mit der Herrligkeit des Herren, Seinen Jordan himmlischen nebel 🜄 Aqua, Wasser, spricht mit dem gelinden Trieb das 🜂 Ignis, Feuer des Benedicat darüber u. dann so siehet er 🜄 Aqua, Wasser und Corpus zusammen Coagulirt und die Herrligkeit slß den Geist damit vereiniget, welches der Tabernacul aller aufrichtigen Philosophen, worvor geber saget: alß Er das 🜄 Aqua, Wasser Coagulirt befunden der habe Er gesehen daß Ihm die kunst zu guten Ende würde kommen: Sendivogius aber schreibt wer 🜄 Aqua, Wasser mit wärmbde kann Coaguliren u. den Geist damit vereinigen der hat ein Ding Tausent mahl würdiger alß daß Goldt und ist dieses das Erste kennzeichen der wahren materiae Lapidis nostri Bendicti.

Alß nun Jesus getauft war, so wurdt Er vom Geist in die Wüste geführet und versucht: hierinnen Stund die Proba worinnen Adam gefallen war, zu wißen, daß Er uas der gelaßenheit Gottes gewichen und in fleischliche Lüste Imaginirt. Der Philosophus folget diesen mit seiner Solution, und eben also versuchet Er ob die materia in Ihrer Coagulirten Irdischkeit zu verbleiben od. aber sich wiederumb in 🜄 Aqua, Wasser zu resolviren gemeinet; und derinnen lieget dann des Künstlers rechte Proba was Er im anfange mit seiner Taufe gesuchet u. ob Er den ersten Zincken auf zurecht getrofen habe nehmlich daß sich die materia von selbst in ein rein Süß und trincklich 🜄 Aqua, Wasser aufzuschließen vermage.

Gleich wie nun Christus nach überstandener Versuchung mit wundere umbgingk u. machete Todten Lebendig also bezeugets dann auch unser Philosophisch 🜄 Aqua, Wasser od. Mercurium, Quecksilber sintemahle es vortreflich stercket alle vernunft, und macht lebendig den 🜍 Sulphur, Schwefel so im Saltz gebunden lieget. Dieses verdroß die Juden darumb nahmen Sie Christus gefangen, binden. Kreutzigten u. Tödten Ihn, legten Ihn ins grab daher kamen und geschahen die wunder zeichen, die Sonne wurde finster u. Schwartz der Vorhange im Tempel zerriß die Steinfelsen zersprungen u. die Todten kamen auß den gräbern hervor am dritten Tage aber ist der Herr auferstanden, gen Himmel gefahren von dannen Er den Tröster den heyligen Geist gesandt wormit der heylige Apostel Pauluß auf einmahl beynahe 3.000 Seelen zum Christlichen Glauben Tingiret hat. Dieser Philosophisch war nun beschleust sich in der nacharbeit ebener maßen also, nach dehm der künstler daß gantze Weesen zusammen wieder coagulirt, damit gleichsahm an daß Creutz heftet u. gleich einer Todten Leiche in dem gefäß hernieder wirft, da Ihm alß dann auch geschehen die verbundt wunderzeichen im Bogen von allerhandt Farben, der Künstler dicke mappa zerreist sich für seinen augen der Stein alß der Coagulirte materia zerspringet, wird finster und schwartz das lebendige 🜄 Aqua, Wasser quillet wieder hervor gleich den Todten auß Ihren gräbern u. da ist denn der Todt erstl. Recht verschlungen in dem Sieg, welches auß gibt es Öhl der gnaden wormit nach gebührenden Processe das gemein 🜔 Sal commune, Kochsalz im aufwersten. Dermaßen hoch Fermentiret wirdt daß es auch macht bekommet alle geringere metallische Subjecta in die höchste Natur der Sonnen zu Transmutiren: und damit ich auf einmahl, zu wißen, mit einem theil 100.000 theil gemeines metall in den vollkommenen schein, klanze und Farbe u. Feuer beständigkeit der Aurum, Gold tingiret dafür dem höchsten Gott sey Preiß immer und in Ewigkeit amen Hallelujah.

Anhang der Vohrhin gedachten güldenen Practic dieses Tractatus alhier intitulirt daß güldene Testament.

Vorrede und Zuschrift dieses Testaments.
Meinen Lieben Vettern und Sohn der wahren Hermetischen Philosophy.

Obzwar nie beschloßen gehabt das das geheimnüße der Uhr alten weysen, mit einigen Schriften an jemants von Mir zu geben, so habe dennoch auß sonderlicher Liebe und affection gegen dich (zu welcher Mich deine Mir verwantnüß reitzet, in dehme daß zeitl. Leben kurtz, die kunst gar verborgen, und du derowegen damit nicht so baldt zum gewünschten Ende kommen möchtest) dasselbe hiemit übernommen. Aldiweilen aber eine so hohe Perle nicht vor die Schweine gehöret, zu dehme auch mit dieser großen gabe Gottes, gar behutsahm u. Christl. Umbgegangen werden muß, in der gleichen Zuversicht ich dann auch Mich gegen dich, mich so weit erkläret, so beschweere ich dich mit Handt und Mundt heyliglich, das du es erstl. Vor allen Bösen geitzigen, Lasterhaftigen Leuten getreulich bewahrest, dich in deiner Jugent selbst nicht damit erhebest, u. das vors dritten keine anderse Ehre alß des Schöpfers aller Creaturen u. des dürftigen Nachstens bester damit suchest. Bewahre Er heyliglich damit derselbe meine Seele am Jüngsten Tage über dich nicht klagen, Ich schreibe dir hiemit in diesen Tractat auf mein theil des Himmelreihß wie Ich selbst diesen teuren Schatz gefunden, mit meinen Händen gearbeitet, und mit meinen Fingern auf getragen habe zu dehm Ende dieses alles auch an dich mit meinem blute untergezeichnet alß Ich auf meinen Todtbette lage in Leyden den 23. Martius anno 1672. Johan Gottman.

Philosophia Naturalis
Cum Bono Deo.

Ob zwar der Theologische Emmanuel mit dem negotio Salutis temporalis vorhinn zum vorgesetzen Scopo derogestalt verglichen cur muß geführet, daß wohl möchlich einen Satsahmen grundt zu der Philosophischen Practica u. arbeit des uhralten Steins der Weysen mit vernünftigen nachdencken darauß zu schöpfen so hab Ich doch, lieber Vetter und Sohn auß pürer Liebe und begierde. Ehe u. bevor Ich zu dem wercke selbst komme, und dich diesen großen Schatz leere zu bereiten. Den absonderlich Ihren hierüber verhandenen natürlichen beweiß u. augenschein, dehme die handtarbeit gleiches fußes folgen muß, umb dich damit zu deßen unterlaßen wollen, u. ist dannenhero Erstl. Zu wißen. Obwohl zwar, so baldt in Creatione mundi alß vorhinn gesagt, Erde und Waßer vom Spiritu Elohim mit einem Spiritu generativo beseehliget u. fruchtbahr gemachet worden, das einjedwederes deroslben seine besondere generata Primaria hervor gebracht, Ehe dem Sonne Mondt u. die Sternen am Himmel erschaffen worden, sich demnach in der Heyligen Schrift und vernunft gemäß in Physica befindet, das jetz Secundaria und von wegen des Falles Adae die Fortgelautzauge derer dinge, auß bewegung der Seelen od. wachsenden Kraft durch den Täglichen einfluß der obern Astrorum mit Conspiration aller 4 Elementen beschicht, Auß welcher behörlichen vermischung u. Contemperation dann alle die dinge einen neuen Uhrsprung schöpfen u. auf solche Weyse so lange es Gotte beliebet zu dienst u. Nutz des Menschen Lebens in definenter et Continue unterhalten werden, wovon der Phil. also schreibet die 4 Elementen gebehren unter sich ein Sperma welches geworfen in daß Centrum der Erden u. daselbst vom Archeo od. Naturkunste des Orden auß gearbeitet wirdt, das sowohl intra alß etra terram viel unterschiedliche Gewächse darauß entspringen, in welchen allen, nahrung, gesundtheit, Reichthum und Güther der gantzen Welt, dpendenter gefunden werden. Ein teutsche Philosophus aber Commentiret hierüber: Es ist auch weiter zu wißen daß diesen eintzigen Spermate zweyerley genera oder gewächse hervor kommen, nehmlich wann der Archaeus Terrae gemeldetes sperma durch den inneren motum hervor und in die höhe treibet, theilß aber in der Erden an verschloßen Örter kommt zum mineral od. metall. Waß aber a Centro usque ad Superficiem terrae aufgetrieben wirt, darauß werden die plantae et vegetabilia: Wohl zu mercken, ist waß naher verwandtschaft diese beyde Symboliren daß nehmlich was noch Flüchtig im Regno minerali mit Fundament doch doch Comparatio vegetabilis und wachsent mag genennet, und dargegen das Fixeste in vegetabilibus mineralischer arth mag erkant werden. Deowegen dann auch die vegetabilische menstrua Solventia alß regen H u. Thaw nicht von frembde und heterogenische, besondern von denen Philosophis denen mineralsichen dingen befreundet u. damit auch in eine natur gebracht undt ververmehret zu werden, gehalten u. gefunden werden, alß wie David saget: dein Athem O Herr schaffet alles u. Erneuert die gestalt der Erden. Dahero scheinet dann auch Catena aurea Homeri et annuli platonici wie eines auß dem andern kommet und alles in ein ander hanget u. gebunden ist, nehmlich der Spiritus universalis mundi alß daß Erst geschaffene Weesen nachst Gott, gibt den Elementen leben und kraft: hernacher auß vermischung der Elementen entspringet der saame aller waxende dinge: alß denn waxeß auß des Saamen die mineralia welche dem Centro Terrae am nechsten verwandt sein auß dehrer Exaltation u. flüchtigen gedämpfte in Superficie terrae aber entspringen die vegetabilia. Die vegetabilia speißen die animalia u. die animalia sambt den besten kreutern und zubereiteten mineralien, speisen kleiden und artzeneyen des Menschen.

Kombt also die gantze geschafene Natur in Menschen alß in einen Centro zusammen u. darumb ist derselbe vor allen Creaturen mit einer vernünftigen Seelen von Gott begabet, daß Er diese wunder göttlicher gnaden solte Erkennen und seines Wercks Meister hoch darüber preisen. Auf waß weyse dieser sperma universale aber auß den Elementen entsprungen und wie dei metallen darauß gebohren werden, die vegetabilia aber regeneriret werden, dehme wir mit dem Philosophischen practico, Unsere Erden ebenen Fußes nachwandere müßen, so ist ferner zu wißen u. also vorhinn gesagt, Es einfließet das sperma unviversale mundi denen Elementen, leben und kraft, daher die wahren anfänge der Dinge welche von den höchsten Gott in derselben Zahl, Maaß und gewichte gestellet, gewürcket werden: Er läßet sich darumb anfangs in eines jedweden Elementen natur verwandeln und vereinigt sich mit demselben also: in dem Element 🜂 Ignis, Feuer, hat er 🜂 Ignis, Feuerrige gestalt, dehunt sich in der Luft herauß und bringt hervor den 🜍 Sulphur, Schwefel welches der blitzstrahl und waxernde wärmbde aller dinge ist: Er nimbt an sich des lufts gestalt u. resolvirt sich zu 🜄 Aqua, Wasser, er wirt 🜄 Aqua, Wasser u. gebieret daher das 🜔 Sal commune, Kochsalz, daßelbe sein greiflich Corpus und behaltnüß ist, machet darauß mit der Erden eine kugel, vereiniget mit derselben innere wärmbde u. generiret daher den Mercurium, Quecksilber, wovon Sendivogius das er oftmahlß in und zu zeiten des Frülings wie wir solches sehen an Orten wo die Erde geöfnet ist, von dem obergestirn in dampfgestalt hervor thut: Vor hech in der Luft gezogen, von dem himmlischen Kräften, noch mehr gespeiset wirt, in Thauw od. 🜄 Aqua, Wassertropfen herrunter fält u. solches ist vorbesagtes sperma nehmlich ein feuchter vapor od. dunst darumb dann auch die Weißheit sprüht: die gantze Welt ist vor deren Herren, wie am Züngelein an der wage u. ein tröpflein Thawes daß des morgends auf die Erde fält Sintemahle in denselben alle Dinge alß in einem Abysho verborgen liegen. Wenn nun solcher vapor od. dunst in das Centrum der Erden geworfen durch den inneren motum aber an Orth und Ende gebracht wirt, woselbst die Innere bergkarten entweder Heyß, kalt, druck, wäßricht => vermischt od. temperirt / verschloßen (gleiches auch in Supeficiae terrae mancherley solcher arthen hat, daselbst dergleichen Plantae erzeuget werden) und davon Ergrifen wirt, so vereiniget sich gemeldetes sperma particulariter mit demselben und wirt alß dann noch den kräften des ober Fixgesteines in solcher bergarth durch langweilige decoction der natur ein mineral od. metall darauß gebohren. Gleiches nun also in der Erden also dampfet nebelt und Thauet auch regnet es außer der Erden, davon uns die menge der Früchte gebohren werden, wie solches hinn und wieder angezogen: und ist unter diesen beyden gebuhrten kein anderer unterscheit. Nur wie diese die wurtzelin der Erden u. in der freyen Luft gebohren, die metalla und mineralia aber die Wurtzel im Meer u. dehren Früchten in der Erden, also im verschloßenen gefäß gebohren werden, u. dahero seindt dieselben auch einer Fixen condition befunden worden. Ein jedwedes Ding saget der Phil. wenn es zur neuen Frucht befordert werden soll, so gehörets in seine dazu bequeme Mutter darauß es hergekommen und darinnen es Putrificire: alß da sindt in animalibus das sal ammoniacum in vegetabilibus das 🜕 Nitrum, Salpeter der fläche der Erden und in mineralibus des Saturnischen 🜔 Sal commune, Kochsalz, wormit er aber meinen wollen das 🜔 Sal commune, Kochsalz so im Meer lieget, Sintemahle das Meer eine Mutter aller metallen u. sein 🜔 Sal commune, Kochsalz die wurtzel u. Fundament des gantzen großen mineralischen baumes ist.

Wollen wir daherowegen in der wiedergeburth od. wiedergebehrung der metallen, auche zu unseren intento, Immaßen auß daher der Philosophische große stein werden muß, weiter fortgehen u. die handtarbeit slso anfangen, daß wir nicht irren, so stehet fürnehmlich zu erwegen, waß müchlich od. unmüchlich sey: daß nehmlich wir Menschen nicht vermögen dieß noch daß, noch keines weges ein metall zu schafen denn das kombt der natur absolute u. für sich allein zu, dieses aber vermögen wir wohl, der natur mit der kunst zu hülfen damit wir auß einem korn gran viel körner erzeugen also auch die metallen in kraften und tugent vermehret möge werden.

Solches nun ist unser eintziger Zweck und vernehmen der Phil. sagt hie von weiter also: gleich wie ein thier seines gleichen und die Frucht gleichartiges weesen vermag hervor zu bringen, also erhöret sich zu unseren Wercke dasjenige metall zu nehmen zu deßen Vorsatz wir drinnen wollen handelen u. in welches die metallische natur auf den höchsten grat Ihrer Vollenkommenheit gebracht, welches in mineralibus ist des Aurum, Gold zum rothen und Argentum, Silber zumWeißen Elixir, nun ist aber einjedwedes derselben in gradu perfectionis so starck verknüpfet, das der natur allein in keinen Element möchlich, daßelbe radicaliter aufzuschließen imb ihn die Frigiditatem metalli sui de novo zu inprimiren es ey denn daßelbe in sein behörig und zubereitet Erdreich getragen, durch Zuthuung unserer geheimen Fewer-kunst beweget, zerleget, und also die lebendigmachende Geister und Kräfte von oben herab Jemehr darein gedrucket, damit das Corpus geistl. Durchdringender arh und hingegen der ungreiflich-essentialisch-geistliche Kraft Corporalisch mit Ihm gemacht wirdt durch das I u. solches ist denn unser heyliger stein von vielen gesucht aber von wenigen gefunden, damit wir hernach Projection vermögen zu thun. Es sey auch auf wes metall es wolle, so wirts daßelbige nachdehm es zum rothen od. weißen Ferment angeleget in das aller feinste Aurum, Gold od. Argentum, Silber versetzen, beßer denn daßelbige so auß den bergen gegraben wirt: denn gleich wie eu solcher unser medicyn nicht allein ein metallischer Leib, sondern auch Seel und geist befindlich, welche durch das 🜂 Ignis, Feuer zugleich beysaammen essentialisch, durch dringent und Tingirent gemacht worden: Also muß daher in gesagter projection den geringeren metallen nothwendig eine vollkommene metallische natur und Form darauß erfolgen, welcher gestalt aber daßelbe dem Menschlichen Leibe zu appliciren soll in folgenden Proces unter anderen auch angedeutet werden und stehet derselbe in seiner unbeweglichen wahrheit also.

Processus.

Nimb von dem allerreinsten und klaresten Meersaltz gleiches von der Aurum, Gold selbst gekocht wirt, und mit Schifen auß Hispanien hergebracht wirdt. Von St. Hubes habe ich gehabt, daßelbe laße in einer warmen Stuben wohl truckenen, und zerreibe es in einen steinern mortier zu solchen zarten Pulver alß immermehr müchlich ist, damit es desto füglicher zerlaßen und von unsern Thaw in 🜄 Aqua, Wasser aufgelöset warden mag. Welches also beshiehet in den Monath Mayo od. Junio wenn der Mondt voll ist, so nimb in acht, von dem thaw welcher mit einem Ast od. Südt asten wiede herunter fället da mustu haben 4 Pfahle ohne gefehr 1 ½ Fuß hoch auß der Erden stehen auf 2 od. 3 derselbigen, lege oben darauf von den 4 eckigten runden glaßscheiben in dehm der Thaw fält, so schlägt er sich gemächlich und dunstigen weiß an das glaß dabey habe im gläßern gefäß. Dieses thun mit so vielen glaßscheiben und so ofte dies beliebt, biß du genug hast denn des vollen Mondes Viertheil ist alle Zeit guth hernach aber wirt Er zu schwach.

Wenn du nun des Thaues also genug hast, so vermache das Glaß mit wax biß zu dem begrauch fein feste zu, damit von den geistern nichts herrauß dämpfe, welche sich sonsten leicht erheben: Setze es denn an einen kalten Orth, darmir es gar keine wärme berühre, Denn sonsten die Subtilesten spiritus gar leicht und gleich einem nichts davon gehen, welches doch nicht so balde geschicht wenn das Glaß mit dem thaw 🜄 Aqua, Wasser gantz angefüllet und mit wax wohl zugemacht worden, Hier gehe also in des nahmen Gottes zu werck.

Nimb von diesem thaw 🜄 Aqua, Wasser so viel du wilt u. thue es in ein solvirglaß, wirf dann algemählig eintzelicht von vorgedachten gepulvertes 🜔 Sal commune, Kochsalz darin aufzulösen, daß thue so lange biß der thaw nichts mehr aufzuschließen vermag, sondern biß an den 4ten Tag ohn aufgelöset liegen bleibet, so hat es genug und ist dem Ihme sein natürlich gewichte gemeße wie in der matrix der Saamen. Von diesem vermischten 🜄 Aqua, Wasser nun, nimb so viel du wilt (ohngefehr 1 ½ Libra, Pfund hab ich genommen, thue solches eine runde Phiol mit einem kurtzen halse. Dieser Figur gleich Kolben fülle die Phiol mit dem 🜄 Aqua, Wasser gantz und gar biß oben auß und verlutir es mit einer guten Luto alß Ich dich hernach auch werde lehren machen, einen gleich darauf gepaßten deckel feste u. seer behende darauf, damit die Subtile und lebendige Spiritus von thaw nicht abzurichen vermögen. Denn wenn die wegk und davon, so könte die Seele des 🜔 Sal commune, Kochsalz immer mehr beweget und daß werck zum rechten Ende gebracht werden, laß daß Lutum von sich selbst wohl trockenen und setze es in den Ofen des Feuchtes dunstes alß ich hernach zeuge zuzurichten umb zu putrificiren gib hernach gemach 🜂 Ignis, Feuer und laß also 40 od. 42 Tage digeriren des 🜄 Aqua, Wasser schwaden des Balnei darinn herumb schwaden, so wirstu sehen das sich die materia in eine Schwärtze begibt welches die anzeugunge seiner Putrification ist, so baldt du nun solch ein zeichen hast so habe einen trockenen Ofen gleichfalß fertig wie ich hernach auch anzeugen werde, umb zuzurichten. Setze das Glaß mit der materia in die Ivoren und höltzern Kugel umb darinnen zu coaguliren gib Ihm einengelinden grad 🜂 Ignis, Feuerers und halte damit das biß in den 13. Tag aequal an, so wirt sich die materia anfangen zu coaguliren und wie ein graues saltz am Glaß rundt umb anzulegen. So baldt du daß siehest und ehe es gar zu trocken geworden laß ab weiter 🜂 Ignis, Feuer zugeben, das es langsahm ein wenig erkalte, darauf habe deinen putrificier Ofen gleich wie vorhin wieder ferig, setze das Glaß drein, gib den vorigen grad 🜂 Ignis, Feuer und halte abermahl 40 tage wie vor hin so wirt sich die materia wiederumb Resolviren und von selbsten aufschließen. Du must aber sallemahl sehen daß daß Lutum am glase nicht gestöret und wenn du das glaß in den putrificierofen setzest der haltz vom glaße deßwegen mit einem darauf wohlgepaßten holtze od. gläsern Hüttlein bedecket sey, damit der 🜄 Aqua, Wasser schwaden nicht dazu gelange. Wenn du nun abermahl die Schwärtze siehest so setze daß glaß wie vor zu coaguliren, so baldt sichs denn abermahl am glase weißgraulicht beginnet anzulagern, so setze es zum 3ten mahl zu putrificiren u. coaguliren continuire biß zum 5ten mahl oder das du siehest daß dein 🜄 Aqua, Wasser in der Resolution reine, helle, durchscheinent und klar, in der Coagulation aber schön weiß wie ein schnee erscheine: alßdann so ist es bereit und ein Sal Fixum geworden, so da auf einen glüenden Silberblech fließet wie wax: ehe du aber diesen 🜔 Sal commune, Kochsalz außnimbst, setze es wiedr in den putrificir Ofen, das es sich von selbsten auflöst, hernach laß es erkalten, öfne das glaß so findestu die materia zwar umb den 3ten theil vermindert aber an des vorigen gesaltzenen Hers statt ein fein süß doch penetrant und trincklich, welches die Phil. mit gar wunderlichen Nahmen verborgen und ist der Mercurium, Quecksilber aller wahrhaften Philosophen: daß 🜄 Aqua, Wasser worauß Aurum, Gold und Argentum, Silber geworden. Denn wie sie sagen sey Vater sey Aurum, Gold und seine Mutter Argentum, Silber also hastu dieser beyden Lichter Kraft in diesem 🜄 Aqua, Wasser. in rechten natürlichen gewicht wahrhaftig beysammen. Von diesem 🜄 Aqua, Wasser 25 Tropfen eingenommen stärcket die vernunft u. daß gedächtnüß, machet fromb und offenbahret große Zuwunderbahren Dingen alle Heimligkeiten die sonsten kein Mensch gehöret, wovon Ich hie nicht weiter meldung thun darf bey dem Eydt welchen Ich Gott geschworen: Mitt der Zeit wirt der heylige gebrauch dieses gebenedeyten 🜄 Aqua, Wasser dich von selbsten lehren denn so baldt du es eingenommen werden dier solche influentzien alß rückete der Himmel u. alles gestirn mit Ihren Kräften in sich, alle himmlische Kunst u. geschickligkeit, werden dir gleich darauf einen Traumb geoffenbahret, das aller Heyligsten aber dabey, daß du wirst recht lernen alle Creaturen, in Ihrem grunde, und durch alle solche Wunder deinen Gott unsern allerheyligsten Schöpfer Himmelß und der Erden recht erkennen, kein Moyses, David, und alle Heylige Gottes mehr: denn die Weißheit unser lebendigen quelle wirt dich unterrichten gleich Salomon und anderen Brüdern Unserer gesegneten Fraternitaet, Wiltu nun mit besagten Unsern 🜄 Aqua, Wasser ferner, zu vorbesagten unsern intent fortschreiben umb eine Tinctur auf die metalla darauß zu bereiten, so höre weiter mein Sohn: Nimb in den Nahmen Gottes.

Nimb in den Nahmen Gottes von deinem Paradys- od. Himmlischen Mercurium, Quecksilber = 🜄 Aqua, Wasser so viel du wilt, thue es in ein Solvirglaß und setze es auf ein gelinde Ofen 🜂 Ignis, Feuer, daß es eben die wärmbde empfinde: denn so habe entweder wohl geläutert Aurum, Gold zum rothen od. Argentum, Silber zum weißen Elexir bereit, dennim bereiten ist der Process gantz einerley dieses Aurum, Gold od. Argentum, Silber schlage gantz dünn wie daß bücher goldt wirf denn alleintzelicht davon in dein Solvirglaß, mit dem gebenedeyten 🜄 Aqua, Wasser gleich im anfange mit dem 🜔 Sal commune, Kochsalz geschehen, so wirt es drinnen zergehen, wie Eyß in warmb 🜄 Aqua, Wasser, solches continuire alß denn so lange biß das Aurum, Gold od. Argentum, Silber in dem 4ten tage ohne aufgelöset drinnen liegen bleibet, so hat es sein abermahliges natürliches gewicht empfangen, die Solution hernach gleich wie im anfange geschehen, thue in ein rundes glaß fülle selbiges damit biß zum 3ten theil, versigille es hermetice wie zu vor, laß das Sigillum wohl truckenen und setze es in den Ofen des feuchten dunstes, mache 🜂 Ignis, Feuer u. halte es gleich wie vor 40 Tage in stets wehrenden Balneo. So löset sich das Aurum, Gold und Argentum, Silber Radicaliter drinnen auf u. wirt die die größeste Schwärze von der gantzen Welt beschehen, so baldt du dieselbige sehest habe den anderen truckenen Ofen in seinen gradu gehitzet setze das Glaß mitsambt der materia drein, gib einen gelinden grad 🜂 Ignis, Feuer so wirstu wunder und überwunderbahres sehen u. hören, ein gereusch wie von 🜄 Aqua, Wasser mit Lyß, wirt sich erregen allerhandt und Tausenterley Farben werden dier erscheinen, u. du wirst sehen wie die Welt von anfange erschaffen, auch waß der Zeit anfangl. Mittel und Ende. Nach verlauf 12 od. 13 Tagen aber wirt sich die materia zusammen begeben in ein hoch braunrothes pulver gleich einem Zinnober zum rothen zum Argentum, Silber aber weiß. Und da ist dann Leib, Seel und Geist recht in eines gebracht worden, wovon die Phil. geredet: keine wahre Solution geschiehet des Leibes ohne vorhergegangene Coagulation des Geistes, u. keine rechte Coagulation des Geistes ohne behorige Solution des Leibes. Denn also wirt das eine ein u. das andere auß dem anderen u. zur gleichen Proportion gebracht, damit das leiblicherweesen geistl. durchdringender arth und hingegen die unbehreifliche essentialische geistliche Kraft leiblich mit Ihm gemacht werde durch daß 🜂 Ignis, Feuer: denn unter dieß eine so nahe geistige od. verwantschaft, gleich wie der Himmel noch unten biß in die tiefste Erden würcket u. bringet hervor alle Schätze und Reichthümer der gantzen Welt, worüber die Phil. in Turba also: O Admirandam naturae Sympathiam Orthodoxis cognitum! Mit diesen Pülver vermachstu alschon Projection zu thun auf die metalla in dieser manier.

Laß 5 theil fein Aurum, Gold od. Argentum, Silber nach diesen dein werck angefangen fließ es in einem 🝥 Crucibulum, Schmelztiegel, drücke ein theil von der medicin in wax thue es darein gib eine gute Stunde seer starck 🜂 Ignis, Feuer nimb den 🝥 Crucibulum, Schmelztiegel alßdann herrauß so wirstu Goldt zusammen brüchig finden und wie calcionirt, davon wirf 1 theil auf 10 theil geschmoltzen gemein metall es sey welches es wolle; so wirstu daßelbe augenblicklich in wahres Aurum, Gold od. Argentum, Silber verendern, ja beßer denn es auß der Erde gegraben wirt. Aber ich rathe dir das du die Tinctur auf solche weise nicht gleich verbrauchest, Es wehre denn nur umb einer Proba willen: denn wenn du dein hochbesagtes hoch-braunroth pulver abermahl setzest zu putrificiren in den dampfbade so wirt sich dasselbe innerhalb 35 Tagen in ein Oleum, Öl begeben das roth in ein rothes Öhl das weiße aber in ein lichtblawes und darvon nur 3 Tropfen in Melißen 🜄 Aqua, Wasser eingenommen od. guten reinwein thut alle vorbesagte Wunder u. curirt alle alle kranckheiten auß dem grunde in einem Huy es verjünget des Menschen Leichnam alß würde Er neue gebohren, vertreibet alle Schwindung der Glieder machet neue Haar u. nägel waxen, in Summa es treibet allen unarth durch einen großen Schweiß herrauß, restaurirt waß des leiblichen Kräften einiges weges abgegangen und praeserviret den gantzen Menschen, in behältlicher gesundtheitbiß zum abgezweckten Ziel seines Lebenß welches Ihme von Gott gesetzt. So du auch einige metallische Müntze od. ander metall nimbst, daßelbe in diesem Öhl od. auro potabili eintunckest so weit du wilst, so wirt daßelbe augenblicklich ohne verlust des gepräges in feines Goldt od. Silber versetzet, gleich Ich die 4 Proben hievon dabey geleget: Eß gehet aber viel dabey auf darumb mache es fein behände, wenn du ja die Proba also selbst versuchen woltest.

So du nun solch Oleum, Öl zur wahren Projection weiter führen wilt so setz es abermahl in den coagulir ofen zu härten, so wirt sichs in 10 Tagen mit ohnglaublichen Wunder allerhandt farben wieder in ein Pulver begeben aber viel röther und schöner alß vorhinn schön wie ein Rubin und gläntzent wie ein Carfunckel zum rothen, zum weißen aber viel weißer alß der Schnee.

Davon denn ein theil auf 50 theil geschmoltzen fein Aurum, Gold od. Argentum, Silber getragen eine Stunde hart 🜂 Ignis, Feuer gegeben gleich vorher gesagt so machts das selbe zulauter Pulver davon 1 theil auf 100 theil geschmoltzen metall getragen verendert daßelbe von stundt an wahrhaftig in das allerreinste feinste goldt od. Argentum, Silber nach dehm das werck gearbeitet ist.

Wiltu diese medicin noch weiter augmentiren, so setze das Pulver abermahl zum 3ten, in das dampfbadt daß sichs aufschließe welches in 20 Tagen geschicht: Es wirt ein durchscheinendes hoch rothes Öhl zum rothen, zum weißen aber wie durchsichtiges Argentum, Silber u. davon thut ein tropfen vorbesagte wunder, man muß aber alle Jahr 2 mahl damit continuiren an Mir selbst hab Ichs also befunden, das Pulver ist zu heyß und zu geschwinde in dem Menschen zugebrauchen darumb gehe behutsahm damit umb. Denn es ist Leib und Leben daran gelegen.

Dieses letzte Öhl nun zur metallischen verwandelunge setze gleich wie vor in den trockenen Ofen zu coaguliren so wirt sich abermahl mit vielen unsäglichen Wundern allerhandt farben bezeugen, wie lebendige thirlein auf und ab steigen: Endtlich u. nach 8 Tagen aber gleich ein Todter Cörper liegen bleiben.

Davon denn 1 theil auf 500 theil gefloßen Aurum, Gold od. Argentum, Silber getragen wie vor machet daßelbe zu lauter medicyn u. davon 1 theil auff 1.000 theil unvollkommener metall im Fluß getragen versetzt daßelbe augenblicklich in das allerfeinste Goldt und Argentum, Silber.

Dieses solviren und coaguliren der ersten Medicyn kan man weiter biß ins 5te mahl appliciren, des Pulvers aber 1 theil auf 5.000 theil geschmoltzen Aurum, Gold od. Argentum, Silber getragen machet daßelbige brüchig u. zum Pulver.

Davon dann 1 theil auf 100.000 theil unvollkommenen metall im Fluß getragen, starck 🜂 Ignis, Feuer dabey gegeben, so verenderts daßelbe augenblicklich in daß schönste od. feinste Aurum, Gold od. Argentum, Silber beßer alß es auß den mineren kombt und durch schmeltzen geworden.

Wenn es nun zum 8ten mahl also mit Solviren und Coaguliren kraft und tugent augmentiret, resolviret sich in 3 Tagen uns coagulirt zwischen 24 stunden, zu unglaublicher überauß hoch leuchtender röthe, zum weißen aber wie ein rechter Blitzstrahl alß ich dier etzliche Proben auch hiebey habe hinterlaßen, von diesen letzten Coagulo denn, 1 theil auf 60.000 theil gefloßen Aurum, Gold od. Argentum, Silber getragen machts zu lauterer medicyn u. Tingiret 1 theil 1.000.000 theil unvollkommene metall in daß allerfeinste Aurum, Gold od. Argentum, Silber. Soweit habe ichs nur gebracht u. weiter nicht damit kommen können. Dann wie ich die materia das 6te mahl einsetzen wollen, so subitisirte sie sich in wenig stunden so zart daß der Meiste theil davon ging, gib derowegen achtung achtung das es dir nicht eben also ergehe.

Viel wunder dieser unvergleichlichen Kunst wehre hibey noch zu beschreiben u. wie unheimlich allerhandt Edelgesteine, damit zu bereiten, und andere viel wunderliche Dinge. Es gehoret aber ein alzu großes buch darzu, umb alles mit würden u. Erzehlung außzufuhren. In maßen dieselbe ohnendlich und niemahls alle mit anschrieben begriffen werden.

Gehe du derowegen nun damit, wie auch ich thun Mußen zu wercke, fürchte dabey Gott und Liebe deinen nechsten aufrichtig von grunde deiner Seelen, so wirt dir in der Handtarbeit von selbsten alles erscheinen und so du damit zu wercke bist, werden sich viele brüder unseres heyl. Ordens dir in der Stille ofenbahren: denn ich habe dir auf Mein theil des Himmelreichs bey dem Ewigen Gott die Wahrheit beschrieben, waß ich durch fleißige anrufunge im geboth und untersuchung natürlicher müchligkeit gefunden, mit meinen augen gesehen und mit meinen fingern außgezogen habe. Des Endes ich dieses Testament dir auch mit Meinem bluthe am letzen tage der Zeit auf Meinen Todtbette untergeschrieben hinterlaße, so geschehen.

Leiden den 27. Martii anno 1672
Johan Gottman
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Grund Mäßiges Bedencken

Über beygehanden Tractat genant daß Güldene Testament.

So erscheinet vorerst zwar wohl daß der Autor deßen ein Adeptus od. Kunstbesitzer gewesen, und daß ohne Zweifel, welches aber mehr auß den umbstönden und der herrligen Allegoria alß benahmten Specibus und Subjectis abzunehmen. Denn außer dehm daß der Process nach der Litera genommen, nicht wirt angehen können, so sindt daß Meer 🜔 Sal commune, Kochsalz und der Thau nicht metallisch od. Homogenea sondern Heterogenea et aliena und dahero nicht die behörigen dinge. Welches sowohl vernunfftmäßig, als auch auß dem ohnfehlbaren Consensu der Philosophen zu schließen. Denn also sagt ein Phil: der Künstler muß der ersten fürnehmsten wurtzeln nicht unkündig sein, welche von des wercks weesen sein. Denn wer den anfang nicht weiß wirt nimmermehr daß ende finden. Ein ander sagt: wer in etwa einem oder andern der Natur begehrt nach zu folgen, es sey in welcher arth es wolle, der muß nothwendig Schein alle Zeit 2 dinge vor augen stellen: 1 daß Er eben dieselben materia nehme, daran die natur zu ebendenselben Ende gebracht. 2. Daß alle sein thun und werck bey anordnung vor genommens Dinges eben so sey, od. doch dem selben gar gleich, denn eim naturfreünt sich der anderen, und eine natur wirt durch die andere verbeßert. Denn weil daß tingirende und daß, waß tingiret werden soll, einerley uhrsprungs und geschlechts sein sollen, und aber sie selbe metallen auf welche der Lapis Philosophicus geworfen wirt, in auftrages noch unvolnkommen sindt; so muß auch nothwendig gedachts Pulver des steins, in seiner wurtzel oder Uhrsprung metallisch sein & dann wie die übung m Buch der wahrheit im Ersten Capitel lehret; so ist der Lapis Phil. eine metallische materia welche das weesen und die Form der unvolkommenen metallen verkehret, daß aber solche verwandlungen nicht geschehen können, alß allein durch seines gleichen, ist schon vor längst von allen Philosophis dargethan. Auß dem Ende eines jechlichen Dinges entspringet sein anfang. Derowegen lehret Sendivogius: wenn du wilt metall machen so laß deinen anfang in metall sein, denn durch metall werden metall und Ripleuß will haben, man soll nicht Goldt und Silber suchen außerhalb Ihres geschlechts. Und Arnoldus de villa nova: war die Erzehlate wurtzel der mineralium nicht verstehet, der verstehet auch den anfänglichen und natürlichen anfang des wachstums deßelbigen nicht, folget darauß daß er auch noch weniger die kunst wiße, etc: und der gezeigniße könten angeführet werden.

Im anfange Ermeldeten Tractats schreibt der Author Zwar recht da er sagt: man solle erwegen waß möglich od. unmüglich sey: daß nehmlich wir Menschen nicht vermögen, daß noch daß noch keines weges ein metall zu schaffen. Denn daß köme der natur absolute und vor sich allein zu. Dieses aber vermögten wie wohl der natur mit der kunst zu helfen damit wir auß einem korn gran, viel körner erzeugen, also auch die metallen in kräfften vermehret mögten werden. Wie er dann auch im folgenden gar recht setzet: gleich wie ein thier seines gleichen und die Frucht Ihr gleichartiges wesen vermag hervor zu bringen; also auch behöre sich zu unstaren werck daß jenige metall zu nehmen, zu daßeu Vorsatz wir drinnen wollen handelen etc.

Daß man aber den darauf folgenden Process, welcher mit magischen Stiel (und daher nicht von jederman zu verstehen) beschrieben, nach der Litera bearbeiten wolte, weere am groß Abuiss: dann weil daß Solvens nicht unterscheiden, von dem daß Solviret werden soll, außer waß die kochung und zeitigung betrifft, und daher metallisch sein muß. Quod solvens et solvitur unius sunt generis et naturae, ein ander sagt ideo dissolvitur aurum et argentum in rebus radicalibus sui generis; alß kan man nimmer mehr wiß dem Meer 🜔 Sal commune, Kochsalz und Thaw ein metallisch Solvens zu wege bringen, so da natürlich und ohne alle Corrosiv weere, so wenig alß nure erwentw species in eine metallische natur verkehren kann, ja! So wenig alß diese dinge die metalla in Ihre saltzigte und pflegmatische natur übersetzen können, eben so wenig können die zugeschlagene metalla erwehnte species in metallische natur verkehren. Denn die allgemeine materia zu einer general- und special materia zumachen, sagt der Phil. Ist ein werck der natur nicht der Kunst: sonst würde daß ungereimbte ding darauß folgen, daß der Mensch außer Ihme eben auß derselben algemeinen materia ohne unterscheit könte baldt einen Menschen, bald ein thier, ein Kraut, ein metall machen, welches kein wahnwitziger jemahls hat von sich hören laßen. Sondern es ist von nöthen daß die menschliche natur dieselbe materia durcharbeite und Ihr gleich mache durch daß inwohnende ferment. Welches auch von einem thiere einem kraute und metall, wenn es noch in seiner minera stecket waar ist. Ferner sagt der Phil. Verschloßenen und Todten dingen im mineralischen Reich, können nur die dinge ein Leben eingießen, die im ursprung und geschlecht mit einander überein kommen, weil daß Leben aller dinge eine geschlechtsgabe ist, die der Schöpfer verliehen hat. Dannachero Sagen die weysen meister: unser wasser, ist kein wolcken-wasser, sondern ein lebendiges güldischer natur. Basilius Valentinus sagt: Es ist auch nicht vonnöthen deine Sahmen in den Elementen zu suchen, denn so weit ist unser Sahmen nicht zurück gesetzt.

Waß die Practica dieses Processes belanget, so ist sie gleich falß seer figürlich, und philosophischer gewohnheit nach nicht nach ordnung beschrieben, alß welche offtermahl das Ende vor den anfang und den anfang im Mittel od. ende abhandelen, auf das sie den unwürdigen einen stein in wegk würfen, welches aber leider! Die guthhertzigen und embsigen nachforscher mit entgelten müßen. Es sey denn das sie der Phil. sprüche mit dem Probestein der einfaltigen natur beprüfen. Ob man auch schon besage des Processe, dieses beschwängerte Thaw wasser, in Ermelter Zeit zur Schwärtz bringen und hernach mahls in ein graw 🜔 Sal commune, Kochsalz-coaguliren könte; so ist doch nicht gläublich daß es ohne eröffenung des gefäßes in ein warmb Balneum gesetzt, sich wieder solviren viel weninger von neuen in die Putefaction gehen könne. Zumahln die natur wohl vor sich, aber nicht zurucke gehet, es geschehe denn durch Mittel. Doch wehme daß wahre werck bekant, wirt leicht sehen, waß Er durch daß ins Balneum und dann in den Truckenen ofen zu setzen, bedeuten will. So ist auch endlich des propius agentis, in diesen Process zu wennig eröffnung geschehen, so daß es hieran so nicht mag erkant werden, welches doch das medium unter ein extremis und ohne deßen erkentenüß nichts außzurichten ist. Dieses aber ist in des hocherleüchteten Jacob Böhmenus schriften mit seinem eigentlichen auch Philosophice nahmen, beschreiben, und zu finden.

Der Rechte Process aber, so viel nehmlich dieser Handt Wißent ist, auch zum theil nur Experimentirt, hat, der hält sich nach seinen umbständen, etlicher maßen, wie folget &.

Weiß der Philosophus Morienus Romanus von dem König Calid gefraget wurdt waß doch die Fürnehmste Substantz sey dieses dinges und ob Ihr Zero od. Mehr sain. Gab Er zur antwort: die fürnehmste substantz und materia dieses dinges ist eine Einige und von Ihr ist eins, und wirt mit Ihr und es wirt auch nichts frembdes darzu gethan noch etwaß benommen. Solches bezäugen nebenst den großen Hermes alle andere Phil. in sonderheit König Geber, wenn er sagt: Unsere kunst, bestehet nicht in vielheit der dinge: denn es ist ein stein und eine medicin welcher auß keinen frembden dingen componiret wirt. Est Lapis unus medicina una in quo totum magisterium consistit.

Nun ists zwar freylich also daß es nur ein einiges ist. Scilicet im geschlecht, aber 3fach an der zahl welche von den Phil: genant werden Sal, Sulphur et mercurius od. Leib, Seel und Geist etc. diese nun werden getheilet in daß Oberste und unterste in das Fixe und daß Flüchtige od. in daß agens et patiens.

Ob nun zwar viel Philosophi sagen und bekräftigen die operation bestehe nur in 2en dingen od. stücken, welches sie 🜍 Sulphur, Schwefel und Mercurium, Quecksilber genennet, allermaßen denn König Calid saget Wiße das im anfang unseres werckes haben wir nichts anders zuthun, denn allein zweyer materien und man siehet nicht mehr alß 2 weder im anfange mittel oder ende etc. und König Aros sagt: unser artzeney wirt auß 2en eines wesens gemacht, nehmlich auß der vereinigung der bestöndigen, geistlichen und leiblichen, kalten und feuchten, warmen und trockenen natur, und kan auß keinen anderen dinge gemacht werden &. Und graff Bernhardus sagt unser werck wirt gemacht auß einer wurtzel 2 mercurialischen Substanzen. Wie dann auch gleichfalß unser Teutonicus Philosophus Jacob Bohme solches bekräfftiget sprechende: das gantze werck da man so wunderlich viel von redet, stehet in 2en dingen in eines Himlischen und ein einen Irdischen; So ist jedoch daß 🜔 Sal commune, Kochsalz Sapientiae alß daß 3te, in den fixen theil alß dem 🜍 Sulphur, Schwefel enthalten und verborgen welches eben die verlohrene Perrel [Perle?] ist, die man suchet, und von Flamello und den Pauren [Mauren?], daß granum Fixum genennet wirt. Böhme aber nennets den in grimm und todt eingeschlßenen Cörperlichen mercurium. Dahero saget Basilius Val. In seinen Rithmis gar recht:

  • Leib, Seel und Geist in 2en stehen
  • darauß die gantze sache hergehet
  • kömbt nur auß einem und ist ein Ding
  • flüchtig und fix zusammen bindt
  • Sindt 2 und 3 und doch nur Einß
  • verstet mans nicht so trift man keinß etc.

Wenn man nun ein solch 3 fach Subjectum gekant, und bey hande hat, Maßen es dann derjenige dehme es bekant, wohl bekommen und zu aller Zeit habhaft sein kan; so muß es wie Böhme sagt nach dem Process Christi bereitet werden, wofern man die ungleichheit der Elementen, wieder in die temperatur und Benedeyung will ein fuhren, auf daß die Vielheit der qualitäten wieder nur einige, und also Paradisisch werden.

Soll nun der in Todt eingeschloßene irrdische Mercurium, Quecksilber wieder erwachet regeneriret, geistlich gemacht, die Liebe den Zorn sänftigen od. die erde zum Himmel gemacht werden; So muß der Himmel der Erden einverleiben, und die Erde in den Zorn eingehen. Welches geschenhat, wenn der grimme Irdische Mercurium, Quecksilber mit seinem eigenen Mercurium, Quecksilber=🜄 Aqua, Wasser, welches ein aqua permanens ist, getauft wirt. Da denn daß Leben sich dem Tode ein ergiebet. Daß kan nun daß grimm der Erden, welcher immer auß Hoffart über daß 🜄 Aqua, Wasser der Demuth außfliehen, und nicht in die gelaßenheit eingehen will, in in seiner grimmen Eigenschaft nicht dulden. Daher Er denn sich in seinen Wiederwillen noch mehr entzündet, daß sich daß 🜄 Aqua, Wasser in einen nebel, und derselbe in Lufft (verstehe wie eine Luft) und also den augen wie ein Nichts verschwindet. Cant. Cantic. Da ich meinen Kreuz aufgethan hatte, siehe da war er wegk und hingegangen. Indehen es nehmlich in den abgrunt seines Centri verführet wirt, und sich den in Todt eingefloßenen Cörperlichen Mercurium, Quecksilber, also welcher deßen fähig ist, einergiebet, so erschricket daß Leben für dem Tode wirt aschförbig u. stehet in großer angst. Dannenhero wanndie Hitze der trübsahl zu groß werden will so wirt es von oben herab durch den becher voller gnaden, getröncket, besänftiget, gestärcket, getrößtet, und vorgäntzlicher Zerstörunge erhalten. In welcher actione das Leben Corporificirt und leiblich der Leib aber geistlich wirt.

Ob nun wohl daß Leben, umb den in grimm und Todt der erden, eingeschloßenen Mercurium, Quecksilber zuerwecken, sich in den Todt gewillig einergibet und von denselben eine Zeitlang stranglich gehalten wirt; so wirts doch endlich den Todt in Ihme zerbrechen den in Todes eigenschaft gelegener Mercurium, Quecksilber, in Liebe wandelen, und wie ein 🜔 Sal commune, Kochsalz in ein 🜄 Aqua, Wasser Resolviren. Alßdann erschricket der grimm vor der Liebe, der natur angesicht zerreist, daß Licht scheinet in der Finsternüß, daß verborgene wirt ostenbahr, es ist erstorben den 4 Elementen u. stehet auf den reinen Einzigen Element und lebet der Ewigkeit. Ja! Wie am Ende der Welt, die flamenten zur schmeltzen und in Ihren ersten ursprung gehen werden. Da sich denn alle dinge wieder mit Gott, in Klarheit vereinigen werden, und nichts abgeschieden werden wirt, alß die ungerechtigkeit, eigener Wille, und waß ins Finstere Principium gehöret.

Also auch unser Chaos zerschmeltzt am Ende, die steinichte grobe unart worin die Schale am Ey od. wie die Hülse die daß korn insich hat, u. kombt also daß innere ans Licht. Daß Licht bricht durch die Finsternüß, und es fället der metallische Lucifer von unsern güldenen Himmel (verstehe das terrestre maledictum, und irdische faeces, welche mit dem Reinen weesen keine gemeinschft haben, scheiden sich davon ab. O miraculum naturae! Und O Hera! Wie unerforschlich sindt deine gerichte. Denn obwohl dieser Irrdische Fluch, der Sachen seer nothwendig gewesen, maßen ohne dem selben die Corruption nicht eingeführet werden könte, und dahero der Putefractio und generatio uhrsache; so wirt Er doch nun vom Artisten, weil er ihm zu nichts guths mehr nutzen, in seiner noch habenden grimmen Eigenschaft, alß ein dreck haufe Mist verworfen. Daher ein Phil. sagt unsere Quinta essentia wirt im danck gefunden, und das Irrdische wesen worinnen er gefunden, wirt aufn Mist geworfen.

Nicht viel anders machets Gott mit seinen Heyligen und gläubigen kindern Gottes. Denn die werden auch von den gewaltig und selbst gewachsenen Menschen, die nach Ihren eigenen Willen und in Ihrer eitelen Lust dahinn leben, unterdrückt, und wirt Ihr Schweiß und bluth, in Ubermuth u. allerley Leichtfertigkeit, von dem Selbst-gewaxenen Menschen verzehret. Daher sie denn des lebens müde werden, sich nach der Ewigkeit sehnen und viele heyße Seelen Seufzer zu Gott schicken. Und also muste verfolgen und unter drucken: der Kain den Abel; Esau den Jacob: Saul den David: die Schriftgelehrten und Phariseer unsern liebsten Haylandt: und der Primarius zu Gorlitz den Mann Gottes Jacob Bohmen. Dessen Schriften auch noch heutiges Taggs von etlichen unseren Hoffärtigen Schriftgelehrten wollen verketzert werden. Die Ihn aber anstatt zu wiederlegen, nichts anders thun alß lästern und Schmehen, welches jedoch keines guten Geistes eigenschaft ist. Denn sagen sie, er hatte sollen bey seinen Pantoffel bleiben, Er weere seines thuns nicht u. so weiter. Aber Gott weiß wohl warumb er einfältige layen zu seinen Aposteln beruft u. mit seines Geistes krafft außrüstet. Denn wann solche geistreichen Schriften (welche doch 100 Doctores so sie gleich in einen zusammen geschmeltzt waeren nicht herraußgeben könten) von einem großen Doctor gemacht waeren; so würde man die Ehre nicht Gott geben, sondern man würde sagen, der Gelehrte Doctor kan solche göttliche geheimnüße schreiben.

Nun, solche eigenwillige Menschen, welche den Elenden plagen, müßen wieder Ihren willen, wie Böhme saget, den kindern Gottes dienen, indehm sie ihnen Creutz zu richten, ja! Selbste Ihre plage seyn, und man aber durch Creutz und Trübsahl in Gottes reich eingehen muß. Aber sie werden endlich, wenn Unser Liebster Heylandt, die seinigen in seine Herrlichkeit einführen wirt, gleich wie ein Phil. werck, mit dem Fluch der Erden geschehen, alß ein unnützer dreck aufn Mist und in die Ewigwe Finsternüß geworffen werden.

Umb nun wieder auf unsere Sache zukommen, und die umbstände der Philosophischen Regeneration ferner zu berichten; so ist zu wißen das die Handtarbeit deßen, gar schlecht und gerecht. Ja! Ein Kinderspiehl und weiberwerck ist. Schein dem solcher nebenst anderen Phil. der große Bauer pag. 16. bekräfftigent sagende. Je Simpeler es der Artifex od. Meister macht, je beßerer u. sicherer es ist, denn die natur operirt und würcket nur schlecht und recht, der muß der Meister folgen waß aber böß ist daß kan auf vielerley wege, und nicht ohne unfehlbahr irrungen bereitet werden etc. Nun, in dieser vorarbeit, worinnen man die Elementen od. darselben qualitaeten verwandelt (indehme man unhmlich daß Êußere in daß innere, und herwiederumb dieses in jenes verkennet, daß Subtile von dem dicken, daß 🜂 Ignis, Feuer von der 🜃 Terra, Erde und daß Luft von der Finsternüße abscheidet, welches alles wie Hermes in Tabula Smargdina saget, geschehen muß, graviter, nehmlich lieblich und mit großen verstant ohne alle Gewalt) leidet der artist eine kleine ungelegenheit, Denn wenn unser Compositum mit unsere Phil. 🜂 Ignis, Feuer entzündet wirt, mit hülfe eußerlich mäßiger wörme, da dann die schlafende vires in Ihme erwecket und ad actum produciret werden; so wirts stinckent, bekommet einen schweeren geruch u. gehet in eine Putrifaction. Dahero stehet im Rosario: die Feulung ist in unseren werck nothwendig, denn immer mehr sproßet etwaß herfür od. wechset od. wirt lebendig alß allein nach der Putrifaction. Denn so es nicht in die Feulung gehet so kann es weder flüßig werden noch solvirlich, und so fern es nicht solviret wirt es alles zu nicht &.

Ob nun einer schon unsere materia wohl kennet, ja! Unsern Hermaphroditum unsere gedoppelte natur od. Electrumm maturum minerale zu unsere vorhaben zu verfertigen weiß, und aber unseres Philosophischen 🜂 Ignis, Feuer und unserer geheimen feuer kunst kein wißen hat; so wirt er weder böses noch guten geruch empfinden, es auch nicht in die würckung zu bringen wißen, Er tractire gleich mit kleiner wärme od. mit großer Hittze, Er thue gleich darzu od. davon so wirts doch seine alte natur behalten. Dieser unkundigkeit wegen haben Pontanus, Flamellus und andere anfanges, so vielfältig geirret, da sie doch die rechten principia erkenneten und in händen halten. Daher sagt Hermes: unsern geist welcher alle Corpora metallorum lebendig macht, der da auch ein natürlich 🜂 Ignis, Feuer ist, kan man nicht sehen, es werde einem dann durch Gottes geist od. durch einen lebendigen Menschen ofenbahret u. gesagt. Und Raymundus Lullius saget: Er ist daß größeste geheimnüß dieser unserer 🜂 Ignis, Feuer wißen, die weil es nicht menschlich sondern Engelisch diese himmlische gabe zu ofenbahren &. Nehme es aber wißend, dehm ist seer leicht die Sachen zu Disponiren und kann es in 14 natürlichen Tagen und noch Eher zum effect und in die würckung bringen. Gestalt es denn dieser handt, dieser Handt, endlich durch die gnade Gottes, nicht ohne fleißige nachforschunge, und xxx etlichen irrungen in die wirckunge zu bringen gelungen. All die weilen Leh aber anjetzo in der frembde und es nicht in der Stille abwarten kann; alß muß von Gott die gelegene Zeit zu haben, erwarten, Ihr in der stille werde auß warten können.

Wer nun so weit kommen der hat sich eines glücklichen Endes zu getrösten wiewohl Er sichs vermeßen darf, denn es stehet in den Willen Gottes und nicht in gewalt der Menschen, und kan noch wohl durch unordentliches Regiment, die würckunge daß ein und andermahl, vernichtigt werden.

So will auch diß werck der Phil. Regeneration seine von Gott, nehmlich wie fast alle Phil. sagen 40 Tage, und Bernhardus sagt: Er sey im gefängnüße das ist, im gereiftel und ungewißheit verharret 40 Tage daß ist nun von keinen wercktagen zu verstehen, sondern von Sontagen, sonst hetten und die Phil. vergeblich, so oftmahls die gedult Recommendirt. Denn also sagt Bernhardus in seiner Parabel, wenn der könig in die Fontyn gehet so bleibet er darinne 282 Tage, und nach 282 Tagen eröffnet sich die Fontyn. Nota. Diß ist ein geheimnüß und gehöret in die verborgene Handschrift der Weyßen.

In der Regierunge des Phil. sowohl auch des gemeinen 🜂 Ignis, Feuer, hat sich der künstler zu hüten, daß er nicht in eine extremitaet verfalle, sonsten, dafern die grünende krafft in einen oder anderen ersticket, u. also durch unordentliches Regiment der würckunge beraubt würde, ob er auch schon etliche monatlang, der Sachen Ihr recht gethan, so ists dennoch ohne einigen nutz, und Er muß von forne wieder anfangen. drumb soll man wie der Author des Phil. Nimpfenfangs sagt, das werck nicht anfangen man könne es denn biß ans ende zu abwarten.

So nun der artist die Dissolution verrichtet und das Compositum zu einem lieblichen geist, und geiste leib gebracht hat. (denn dieses dinges Eigenschaft ist temperirt und solcher natur welche in gäntzlicher gleichheit stehet, der wärme, kälte feuchte und trockene, und ist in Ihm weder etwaß des einen od. des anderen zu viel noch zu wenig) so ist diß reine Weesen vor seiner Fixation noch theilbahr, und kann der Phil. Mercurium, Quecksilber, von seinen Fixen Clarificirten Cörper abgezogen werden. Davon Basil. V. also saget: dieser weiße geist nun, ist der wahre L der Phil. der albernit von mir gewesen auch nach mir kommen wirt, ohne welchen der Stein der Weysen, und des großen geheimnüß weder universaliter noch particulariter, kan gemacht werden viel weniger nur particularische verwandlunge. Und ist solcher geist der Schlüßel zur aufschließung aller metallen sowohl Ihre zuschließung etc.

Wer dem nach vor gibt, er könne Mercurium, Quecksilber Phil., aurum potabile oder eine Particular tinctur machen, und solches außer diesen wegk, od. in etliche wennig Monath, deßen Rede, halte Ich vor Eitel, und gibt zu erkennen daß er noch nichts rechts weiße. Denn die gebegrunge eines dinges, kann nicht auf vielerley weyß geschehen, so kann man auch nicht eher ein Particular od. einen Zweig von baum brechen, man habe denn erst den stamm worauß sie waxen.

So nun der Mercurium, Quecksilber Phil. auf welchen das gantze fundament beruhet einmahl verfertiget, so kann er ohne wiederholung der gewöhnlichen arbeit, in Continent vermehrt werden, auch so Er seinen Ferment und Fixen theil zu gefüget, wirt es in kurtzen durch alle Farben und Regimina auf den Flügel seines geistes, biß in die höchste Exaltation geführet, ja! Zur rechten Handt der natur gesetze werden, nehmlich es wirt Plusquamperfect werden.

Welches alles von aller ersten anfangk an, so Gott gedeyen gibt in einem Jahre, in einem einigen ofen und einigen gefäß ohne große kosten verrichtet werden mag.

So oft sich nun unser Gloriosus von seiner höchsten höhe in die tiefste demuth wieder einergibet, das ist, so die Tinctur mit dem Edelen Paradys waßer von neuen übergoßen wirt. So wirts mit Hülfe Eußerlichen Regiments das 🜂 Ignis, Feuer in kurtzer Zeit, von untersten grad an, durch seinen gewöhnlichen Lauf wieder gantz glorificirent auf seinen Thron steigen, und also in qualitate et quantitate vermehret können werden. So es Gott beliebt.

Wie glückseelig nun der Mensch auch immer zu achten der von Gott die gnade erlanget, die Tinctur der Erden wieder in die Benedeyung einzufüren und Paradisisch zu machen. Denn wie Bohme saget: so lieget der Mensch und die Erde mit Ihren Heimlichkeiten in gleichen Fluch und Tode und bedürfen einerley wiederbringunge; also und noch viel glückseeliger achte Ich jenigen den daß Paradyss in Ihme selber suchet, und die temperatur in Ihme wiederumb einführet. Denn Jacob Böhme sagt: daß paradyss ist noch in der Welt, aber der Mensch ist einst darinnen, es sey denn daß er auß Gott wiedergebohren werde, so ist er nach derselben neuen wiedergeburth darinnen und nicht mit dem 4 elementischen Adam etc.

Zwar der lüstern Mensch, welcher auß den Elementen oder derselben früchte gewachsen, in welchen die ungleichheit und der streit stehet od. herrschet, kann wohl in gesundtheit biß an seinen Termin erhalten werden, aber Er wirt doch am Ende wiederumb in die selbe müßen verweesen. Derohalben wollen wir unß denselben nur Mäßig und nur nach nothurft bekümmern. Daß wir aber mägen auß Gott wiedergebohren und mit Ihm ein Geist werden, so ist nöthig daß unser böser Irrdischer Wille getödtet werde, daß wir werden wie ein kindt, welches nichts will alß waß seine Mutter will, eben also müßen auch wir, in den Willen Gottes eingehen und nichts wollen alß nur seinen Willen zu erfüllen. Denn wie daß seer schöne büchlein, genant: Die Teutsche Theologia mit der seer schönen Vorrede des Johan Arents: (welches nebenst den Thom. dekempis und den hl. Taulerum, schier gleiche haben mit Böhmen, und Meines wißens nicht der Heyligen Schrift die geistreichste schriften sindt, von denen die Teutsche Theologia und Böhme die Theoriam, die anderen beyde aber, die Practicam unsers Christenthums am besten lehren) sagt: so sindt im Himmel keine zween Willen und, daher kein Streit, aber in der Hölle hat ein Iechliches seinen Eigenen willen und daher alle Feindtschaft. Der Heylige Taulerus sagt: soll Gott in dir eingehen, so muß die Creatur außgehen &. Daß ist soll Gott in unserer Seelen grundt offenbahr werden, so muß unserer Seelen-willengeist nicht mit den Creaturen, und Irrdischen grewelen, die wir etwan alzuseer lieben, geschwängert und verfinstert sein. Alß da sindt Reichthum, Ehre, pracht, Wollust, zeitlicher Ruhm und dergleichen. Und unser Liebster Heylandt sagt: wer nicht solches alles verläst, und sich selbst verläugnet, der sey seiner nicht werth. Denn wo Euer Schatz ist, da ist auch euer Hertz. Dannenhero sagt der Wunderman Jacob Böhme: man solle nichts in Eigenthum haben od. besitzen, sondern gedencken daß daß alles waß man habe, Gotte zugehöre, und wie nur zu haußhaltern darüber gesetzt sindt. Das ist, wie der Heylige Taulerus saget: wir sollen waß creatürlich ist, nicht so gar inniglich lieben. Denn wenn wir Reichthum, Wollust, eitele Ehre etc. gar zu inniglich lieben; so ist unserer Seelen Willen-Geist damit geschwängert, und eben daßelbe ist seine verfinstrunge, und es sey{zerstört}, daß die eingefasten grawel, in der Zeit, und noch vor unseren Ende zerbrochen werden, welches geschiehet wenn wir unsere Sünde hertzlich bereuen, und den eingefasten abgöttischen Lastern, spinne feindt werden; sonst wirt die Helle Sonne, Christus, nicht in Ihme scheinen können. Sondern Er wirt dieselbigen Irrdischen grewelen die Er hier in der Zeit gewürcket hat, in seiner magia erscheinent haben, und selbige Ewiglich freßen müßen, u. wirt die finsternüß, nicht können ergreifen das Licht.

Dermal sollen wir wie Thomas de Kempis sagt: Unsern liebsten Immanuel zum Freundt behalten, u. den erwehlen der muß, wenn sonst jederman von unß weichet, endlich nicht verderben noch verlaßen wirt. Und Christus soll allein der sonderlich geliebte Freunt sein auß allen Freunden. Alle menschen sollen umb Christus willen, aber Christus allein umb sein selbst willen lieb gehabt werden &. Denn wie die Teutsche Theologia sagt: wenn nicht Gott über alles geliebt wirt, so wirt Er nicht alß Gotte im Menschen glorificirt.

Nun wenn der Mensch seine Sünden erkennet, und bedencket wie Er seinen liebsten Gott beleidiget, und ungehorsahm gewest ist; So gehet Er in eine große Reue, Er achtet sich alles getan unwürdig, und wolte sich wohl selbst umb seines ungehorsahmes willen strengen , Siehe, so ist er denn recht arm von geist, od. gantz leer, opfert sich den Willen Gottes auf, und bittet daß hinführo Gottes Wille bey Ihme geschehen möge, Ob nun wohl die Sündtl. Lüste im Fleisch, den Menschen von außen noch immer anhangen, und daher mit sich selber noch immerdar im streit stehet, und kempfen muß, auch eben nicht allemahl durch den geist des Fleisches geschäfte Tödten kan; so muß doch sein gemüth alle Zeit in Gott gerichtet sein, und mit demselben Gott dienen, auch seinen Willen in Gottes willen ein eigenen, auf daß Gottes und sein wille nur ein wille werde. Er muß mit Thomas de Kempis sagen können: Herr, allein daß mein Wille recht und starck gegen dir bleibe, sonst thue mit Mir was dir gefällt, es kann ja nicht anders denn guth sein alles daß so du mit Mir thuen wiltu, daß ich in der Finsternüß sey, so sey gelobet: wiltu daß ich in Licht sey, so sey du abermahls gelobet: begnadestu mich zu trösten, so sey gelobet: und wiltu mich laßen betrübet werden, so sey gleich sowohl gelobet: Man muß also gern arm und mangelhaft sein wollen, alß voll und reich &.

Siehe ein solcher Mensch kombt wieder mit seinen Inneren müen Menschen wieder in die temperatur od. gleichheit u. wandelt im Licht. Denn Christus ist daß Licht der Welt wer Ihme nachfolget wirt nicht im Finsternüße wandelen. Daß wir nun nicht mehr in ungehorsahm und eigenen Willen leben, und unsere Eigene gloria in allen Dingen suchen, wie Lucifer thet, auch nicht in die 4 Elementa des Teuffelß nehmlich: Hoffahrt, Geitz Neidt und Zorn, alß in welchen ein großer unfridt und stetiger streit ist, ein qualiren mögen; sondern das wir mögen die Leere Christe in unser Leben verwandelen, gleich wie die blüth verwandelt wirt in Ihre frucht auch ein qualiren mögen in die Elementa Christi alß damasth liebe, Sanftmuth und geduldt, in welchen ein großer friede auch in unfriede ist. Und also Gott nach seiner Liebe und nicht, nach seinen Zorne, in unsern inwendiges grundt offenbahr werden möge, daß helfte und gebe unß der dreyfaltig gepriesene glorwirdige Gott, umb seines aller u. heyligsten liebe-Lichts unsers Liebsten Heylandes willen hoch gelobet in Ewigkeit.

Dieses ist nun groß gönstiger Herr und Freundt was Ich Ihm auf sein unnachläßiges anhalten und von wegen der vertraulichen Conversation, die wir nun eine Zeitlang mit einader in einen Losament liegent gehalten, nicht haben verhalten noch verheelen können. Doch nicht zu dem Ende daß Er es den Türcken in Dalmatien zu einer beute mit nehmen solle; sondern Er beliebe es, nach dahin Erß ein paar mahl vor seinen abmarsch wirt durch gelesen haben, Mir entweder wieder zuzustellen od. bey seinen zurück laßen den Sachen in fleißigster verwahrung aufbehalten.

Hannover den 22. Jan. anno 1685.


Abschrift:
Dr. Rainer Stumpe.
Quelle:
Handschriften Seiten 97 ff.

Erläuterungen

Diese Seiten sind nicht in der Handschrift Leibniz' verfaßt. Wie es in seine Hände kam ist nocht nicht geklärt. Aus einem Brief von Rudolf Christian Bodenhausen vom 05.09.1693 an Leibniz kann man schließen, daß er es an Bodenhausen schickte, da dieser die experimentelle Überprüfung versuchte:

  • … Gleich denselben Tag bekomme ich vom Hn Magliab. ein wohlversiegelt Packet, aber ohne brieff dabey, also daß wenn ich nicht aus der überschrift Ihre hand wie auch Ihr siegel erkennet, hätte ich den Autorem dieses geschenckes nicht errathen; weil Sie aber in vorgedachten brieffe vom 22. Jul. deßen nicht gedencken, sorge ich, daß etwa Ihr brieff, so bey diesem Pacquet seyn können, verlohren, so mir sehr leid wäre, weil ich einig v. allein aus dero brieffen das jenige erlerne, so ich bey keinem andern finden kan.
  • Nun bedancke ich mich xx fältig vor dero gütigen vorsorge v. promotion in meiner handarbeit, durch welche ich von diesen 2 MSSis dieses wenige judicium Ihnen hier zu geben mich erkühne, weil solche beyde schon zuvor in meinen händen, aber nicht völlig ausgeführet; Nemblich, das güldene Testament habe ich schon vor etlichen Jahren angefangen zu probiren, aber nimis parèrges v. nicht mit gnugsamer courage, weil ein essentialpunckt in dem Process, so mir durch­aus nicht in den kopff gewolt v. annoch nicht gehen will; habe doch aus curiosität die mittelstraße nehmen wollen, habe es aber zu keiner alteration bringen können, v. stehet also das glaß mit der materia hermet. annoch verschloßen, werde aber vielleicht noch einen andern weg probiren; ist mir unterdeßen gangen, wie jenem bey dem Tacito: Quod est inter ancipitia deterrimum, dum media sequitur, nec ausus est satis, nec providit. Dieses ist nun das dritte exemplar, so ich vom güldenen Testament gesehen, v. ist in allen 3en etwas ausgelaßen, nehmlich, dasjenige, das er hernach zu lehren verspricht; eines ist das lutum loco sigilli hermetici; das andere ist der Ofen zur putrefaction; scheinen beyde 2 bagatellen zu seyn, ist aber in der praxi anders. Ich habe es in Balneo vaporoso (ut solet) nicht in 3 Monathen zur alteration bringen können, da jener es in 40 oder 42 tagen thut; Aber ich habe es hermet. verschloßen; Ist das nicht beßer, solte man sagen, als mit andern luto? ich sage nein, ja es ist unmüglich in diesem casu v. praecepto, daß das glaß mit kurtzem halse soll angefüllet seyn, gantz biß oben an , denn also kann man es nicht sigilliren hermet. v. ist dieses der knoten , so wider alle andere Process ist, weil zur alteration die circulation, v. zu dieser eine commode weite v. leerer platz in dem Ovo gehöret; Nun aber finde ich kein lutum, das dem feuchten Fgeist widerstehe, v. so bald etwas verrauchet, wie der Autor wohl saget, so ist keine bewegung ohne solchen geist mehr zu hoffen. Aber ich habe noch einen weg erdacht, so ich mit gelegenheit versuchen werde. NB. das MS. so der D. Pratisius mir nicht widergeben wil, ist das bedencken über diesen Process; belieben Sie also solches von ihm widerzubekommen v. mir zuschicken, sagen ihm aber nicht, daß es über diesen Process sey; weil ich sehe, daß er nicht wohl hiemit umbgehet, noch parola hält. Ist also nicht vergebens in allen copien dasjenige verschrieben v. ausgelaßen, ohne welches keiner es verfertigen wird; v. dieses ist nicht ohne schickung Gottes, sonst würde es endlich gemein werden wie das brodt backen, sonderlich unter den Teutschen, so in ihren künsten keine oeconomia haben. Es ist ein würdiges subjectum, ob es gleich so gemein, darinnen viel mysteria stecken. Das andere MS. v. Process de 🝕 Urina, Harn habe ich erst vor 3 Monathen bekommen von einem freunde, so es in Engelland von einem Spanischen Jesuiten, dem er das leben gerettet, zur danckbarkeit erhalten. Hievon hätte ich viel in geheimb zu sagen, verschiebe es auf andere gelegenheit; bitte solchen Process so geheimb als müglich zu halten, ob ihn gleich nicht so bald ein jeder Chymicus machen wird, weil auch etwas zurücke gehalten; welches mir sehr lieb; ne indignis pateat. Verlange doch zu wißen, wie Sie solchen erhalten, v. was Sie davon judiciren, weil etliche moralische umbstände einig licht geben. …

Das Dokument besteht aus 2 Teilen, die offensichtlich von mindestens 2 Autoren verfaßt worden sind. Der erste Teil ist gezeichnet Johan Gottman und datiert suf Leiden, 27. März 1672. Sein Stil ähnelt dem von Jakob Böhme, einem Mystiker aus Görlitz (1574 - 1624). Der zweite Teil "Grund Mäßiges Bedencken" stellt eine Kritik der Traktats dar. Vermutlich hat Pratisius seine Überlegungen zu dem güldnen Testament bereits 1685 für Leibniz zusammengefaßt, wofür die Ortsangabe Hannover spricht und ein Hinweis Bodenhausens im Brief an Leibniz vom 12.08.1690.

Dieses "Güldene Testament" ist in mehreren Ausfertigungen zirkuiert. Bodenhausen erwähnt 2 Ausfertigungen, Rolf Helius berichtet von Ausfertigungen in der Forschungsbibliothek Gotha und im Staatsarchiv Schwerin /nicht verifiziert). Das Schweriner Manuskript soll unterschrieben sein mit Johan Gottman frater Ord. Rosa Crucis. Eine Version ist abgedruckt in "Quadratum Alchymisticum" und gezeichnet Johan. Henr. Vierorth, Rittmeister bzw. Leyden den 22. Martii Anno 1672 J. G. M.

Der Autor Johan Guttman des Schweriner Manuskripts soll ein Bruder des Rosenkreuzer Ordens gewesen sein. Im schwedischen Adels­re­gi­ster gibt es einen Johan Gottman, geb. in Gottsunda, Rentmeister und Kammerherr bei Königin Christina von Schweden, 1681 zum Ritter geschlagen (Silfverklou), gestorben 1686. Die Lebens­daten würden den Angaben im Traktat entsprechen; es gibt aber keinen Nachweis der Autorenschaft. Am 13.02.1664 wird ein Johan Guttman in den Sitzungsprotokollen als Zeuge erwähnt. In einem Verfahren des Kaiserlichen Kammergerichts in Worms am 16.12.1518 wird ein Scholaster zu den Aposteln Johan Guttman erwähnt.

Nimmt man den Erstellungsort Leiden hinzu, zu findet man im niederländischen Heiratsregister die Hochzeit am 23. Mai 1771 in Leiden von Johan Arendt Gottman (1730-1785 geboren in Ellerinkhausen bei Waldeck), Tabakhändler in Hogewort und Anna Margaretha Striebeek. Wohnhaft seit 1771 in Hogewort, Leiden, ab 1785 in Utrecht. Er kann nicht der Autor des Traktats sein, da er 100 Jahre zu spät lebte.


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