Basilius Valentinus
Vom Kupffer=Geist

Der Venus=Stern ist schwerlich und nicht wohl auszurechnen, wie mir alle Mathematici und Astronomi müssen Beweiß geben, dann sein Lauff hat andere Gelegenheit, weder bey den andern sechs Planeten gefunden wird: darum ist seine Gebuhrt auch eines andern, weil die Gebuhrt der Veneris die erste Taffel besitzet nach dem Mercurio, was die Gebuhrt der Metallen belanget; Der Mercurius macht thätig, die Venus aber reztzet an, und giebt Lust und Begierde samt der Schönigkeit, so Ursach darzu geben, wiewohl ich mich für keinen Astronomum erachte, noch ausgebe für einen, dem die Rechnung des himmlischen Lauffs bewust, weil ich in meinem Gottes=Hause die Zeit mit beten zubringen soll; Doch damit die übrige Zeit auch nach Verrichtung der Andacht nicht vergeblich ablauffen möge, habe ich mein Ziel in Erfahrung der natürlichen Dinge, mich darrinnen zu üben und vollends hinzubringen, mit angesetzt und vorgenommen: Also ist auch nicht wohl auszurechnen, was aus der Venus entstehet, erwächst und herkömmt, oder woraus sie entstanden, werwachsen und herkommen ist, weil sie überflüßig bekleidet, was sie selbsten nicht bedarff, und dargegen mangeln muß, dessen sie wohl bedürffig wäre in der Beständigkeit.

Du solt aber berichtet seyn, daß die Venus durch einen himmlischen Sulphur bekleidet ist, welcher den Glantz der Sonnen weit übertrifft, demnach mehr Schwefel überflüßiger bey ihr denn im Golde befunden wird, daß aber eine Wissenschaft erlanget werde, was die Materia desselben Gold=Schwefels sey, so in der Venus überflüßig wohnet und herrschet, und von welchem von mir so groß Geschrey gemacht wird, so wisse, daß es auch ein fliegender sehr hitziger Geist ist, der alles durchgehen und durchdringen kann, auch zeitigen, reiffen und auskochen, daß der Unerfahrne nicht gläubet, als die imperfecten Metallen in vollkommene. Jetzo fällt eine Frage unter der Hand, wie der Geist des Kupffers andere imperfecte Metallen vollkommen, und zu der Reiffe bringen kann, da er doch selbsten bey seinem Leibe imperfect, unvollkommen, und unbeständig ist, der soll Antwort haben: wie schon öffters angezogen, daß dieser Geist bey dem Kupffer keinen beständigen Leib zur Herberge besitzen noch bewohnen kan. Darum wann die Wohnung verbrannt wird durch das Feuer, so gehet der Gast mit hinweg, und muß die Herberge verlassen mit Ungedult, dann er wohnet darinnen wie ein Miedling, aber in dem beständigen fixen Leibe des Goldes hat er Schutz und Defension, daß ihn niemand ausjagen kann, ohne das Urtheil eines sonderbaren Richters, weil er als Erbe in die Wohnung gesetzt, und eine Wurzel eingeschlagen durch seinen beständigen Leib, daß er liederlich nicht auszujagen ist. Die Tinctur, so die Venus erlanget, wird auch im Marte ebener massen gefunden, und noch kräftiger und herrlicher, dann Mars ist der Mann, und Venus das Weib, welches ich mehr gemeldet habe, da ich von ihnen schriebe. Solche Tinctur ist tradirt im Grünspan, auch wird sie funden im Vitriol als einem Mineral, da ein eigen Buch von könnte geschrieben werden. Und in diesen Dingen allen wird ein Sulphur gefunden, der brennet, und noch ein Sulphur oder Schwefel, der brennet nicht, das ist ein wunderbarlich Werk, der eine Sulphur ist weiß, der andere aber roth in der würkenden Gebährung, der rechte wahre Sulphur aber ist unverbrennlich, dann er ist ein lauter Spiritus, daraus das Oleum incombustibile bereitet wird, und ist eben der Sulphur, davon der Gold=Schwefel aus einer Wurtzel gemacht und worden.

Ich eröffne viel Heimlichkeit, das wohl nicht seyn sollte, wie soll ich ihm aber thun, alles zu verschweigen ist auch nicht zu verantworten, doch Masse ist zu allen Dingen gut, wie du in meinem letzten Bericht der Protestation Bezeugung in acht zu nehmen hast, da du meiner Bitte nicht vergessen wirst.

Diesen Schwefel mag man wohl heissen und täuffen den Schwefel aller Weisen, weil alle Weißheit in ihm gefunden wird, biß auf den Mercurial=Geist, der ihm vorgeht, und mit ihm zugleich, samt dem Sale Martis durch geistige Vereinigung muß zusammengesetzt, daß drey in einem Verstand gerathen und in gleiche Würckung erhöhet werden.

Und entstehet dieser Geist=Schwefel ebener massen und gestalt aus der obern Region, wie der Spiritus Mercurii entspringt, aber mit einer andern Weise und Art, damit das Gestirn eine Scheidung beweiset in fixen und unfixen, in gefärbten und ungefärbten Sachen.

Die Färbung steht allein im Geist des Kupffers, und seines Ehe=Gattens am meisten, und ist ein lauter Dampf, stinckend und übel=riechend in seinem Anfang. Und dieser Nebel muß resolvirt werden liquorische Weise, damit das stinckende, unverbrennliche Oel daraus kann bereitet werden, welches doch seinen Anfang es Marte nehmen, und haben muß. Solch Oel vereiniget sich gerne mit dem Spiritu Mercurii, und nehmen es alle Metall=Leiber geschwind zu sich, wenn sie erstlich bereitet sind nach aller masse meines Berichts der Schlüssel.

Ich halte allhier keine Ordnung der Planeten, und nicht unbillig ohne Ursache, dann ich folge ihrer Gebuhrt nach, das ist die Ordnung, darnach ich mich richte; Weil die Venus viel Sulphur hat, ist sie desto schneller ausgekocht und gezeitiget worden neben dem Marte für andern Metallen, aber weil ihnen beyden der unbeständige Mercurius zu wenig Hülffe erwiesen, demnach ihm für dem überflüßigen Schwefel härter zu würcken keinen Raum gelassen, haben sie keine Verbesserung ihrer unfixen Leiber erlangen und überkommen können. Allhier will ich dir nun ein Geheimnis offenbahren, daß das Gold, Kupffer und Eisen einen Schwefel, eine Tinctur und eine Materiam ihrer Farbe in sich haben, welche Materia der Tinctur ist ein Geist, ein Nebel und Rauch, wie dir oben vorgeschrieben worden, der alle Leiber durchgegangen und durchgehen kann, kanst du ihn gefangen nehmen und schärffest ihn durch den Geist, so in dem Sale Martis gefunden wird, und vereinügest dann den Spiritum Mercurii damit nach ihrem Gewichte, sauberst sie von aller Unreinigkeit, daß sie ohn alles corrosiv lieblich und wohlriechend werden, so hastu eine solche Medicin, der auf der Welt nichts zu vergleichen, da solche mit der hoch=glänzenden Sonne fermentirt wird, so hastu einen Eingang gemacht, durchdringend zu würcken, und alle Metallen zu verändern.

O ewige Weißheit von Anbegin! wie soll dir doch gedancket werden für solche grosse Geheimnüsse, welche doch die Menschen=Kinder so gar nicht in acht nehmen, und durch den grossen Hauffen verachten, dasjenige zu erkennnen, was du in die Natur verborgen geleget hast? sie sehens für ihren Augen und erkennens nicht, sie habens in Händen und begreiffens nicht, sie gehen damit um, und wissen nicht was sie haben, und was sie machen, weil ihnen das Innere verborgen ist. Und will dir endlich in der Wahrheit und durch die Liebe GOTTES dieses noch offenbahren, daß die Wurtzel des Philosophischen Schwefels, der da ein himmlischer Geist ist, mit der Wurztel des geistlichen über=natürlichen Mercurii, so wohl der Anfang des spiritualistischen Saltzes in einem ist, und in einer Materia gefunden wird, daraus der Stein, der vor mir gewesen, gemacht wird, und nicht in vielen Dingen, ob gleich der Mercurius für sich von allen Philosophis, und der Schwefel für sich, neben dem Saltze insbesonderheit angezogen wird, daß der Mercurius in einem, der Schwefel in einem, und das Saltz in einem gefunden wird. So sage ich dir doch, daß solches nur auf ihre Uberflüßigkeit zu verstehen, welches in jedem am meisten gefunden wird, und particulariter besonders in viel Wege mit Nutzen kann gebraucht und bereitet werden zu der Artzney und Veränderung der Metallen, allein das Universal, das der höchste Schatz der irdishen Weißheit, und aller drey ansahenden Dinge, ist ein einiges Ding, und wird in einem einigen Dinge zugleich funden und heraus gezogen, welches alle Metallen zu einem einigen machen kann. Und ist der wahre Spiritus Mercurii und Anima Sulphuris, samt dem geistlichen Saltze zugleich vereiniget, beschlossen unter einem Himmel, und wohnhafftig in einem Leibe, und ist der Drache und der Adler, er ist der König und der Löwe, es ist der Geist und der Leichnam, so den Leichnam des Goldes färben muß zu einer Medicin, damit er überflüßige Macht überkömmt, andere seine Mit=Gesellen zu färben.

O du gesegnete Artzney, von GOTT deinem Schöpffer gegeben: O du himmlischer Magnet der grossen anziehenden Liebe: O du gütige Substantz der Metallen, wie groß ist deine Krafft, wie unerfoschlich ist deine Tugend, und wie tapffer ist deine Standhafftigkeit, wohl ist der hie auf Erden, welcher dein Licht mit Wahrheit erkennet, das alle Welt nicht in acht nimmt, keine Armuth wird er spühren, keine Kranckheit wird ihn rühren, und kein Gebresten wird ihm schaden biß zu dem gesetzten Ziel des Todes, und biß zu der letzten Stunde, so ihm von seinem Himmel=Könige angesetzt wird. Es ist nicht unmüglich daß alle Zungen des Menschen so viel zu wege bringen können, die Weißheit zu verkünden, so in diesem Schatz des Brunnens gelegt ist, alle Redner müssen darob verstummen und zu Schanden werden, ja erschrecken und kein Wort sprechen können, wann sie diese über=natürliche Herrlichkeit anschauen und erkennen würden: und ich erschrecke für mich selbsten, wann ich daran gedencke, daß ich so viel offenbahret habe. Ich will aber verhoffen, meinen GOTT zu erbitten, daß er mir dasselbe für keine Tod=Sünde zurechnen wolle, weil ich das Werck in seiner Furcht angefangen, durch seine Gnade erlanget, und ihm zu Lob offenbahret habe.

Ach du heilige immerwährende Dreyfaltigkeit! Ich sage dir Lob, Ehre und Preiß mit Hertz und Mund, daß du mir offenbahr gemacht hast die große Weißheit dieser irdischen Welt, nächst deinem Göttlichen Worte, daraus ich erkannt habe deine allmächtige Krafft und über=natürliche Wunder, welchses die Menschen nicht erkennen wollen; und bitte dich inniglich, gieb mir ferner Verstand und Klugheit, daß ich ihren Gebrauch und Nutz mit stetigen Danck=Opffern für dir zu der Christlichen Liebe meines Nächsten, und zu meiner Wohlfahrt geistlich und leiblich in Tugend und Krafft gebrauchen möge: damit dein Name herrlich gemacht, geehret und gepreiset werde, wegen aller deiner Geschöpffe im Himmel und auf Erden. Und meine Feinde erkennen mögen, daß du ein HERR voller unendlichen Wunder bist, damit sie einsmahls auch zur Busse und Bekehrung kommen, und in der Unwahrheit der Finsternus nicht versincken mögen. Das heisse mir und uns allen, Gott Vater, Sohn, und Heiliger Geist, in seinem höchsten Thron, Glorie, Macht und Herrlichkeit über alles erhaben, dessen Weißheit kein Anfang noch Ende hat, und für welchen alle himmlische, irdische und höllische Creaturen mit Furcht erzittern müssen! Hochgelobt in alle Ewigkeit! Amen.

O Seraphim! O Cherubim! wie groß sind deine Wunder und Thaten, siehe deinen Knecht an mit Gnaden, und laß dich erbitten von deinem Zorn, daß er diese Offenbahrung geschrieben hat.

Nun soll der Leser von der Geburt des Kupfers weiter wissen und also mercken: daß das Kupffer gebohren wird aus vielem Schwefel, sein Mercurius und Saltz aber bey dem Kupffer stehen in einer Gleichmäßigkeit, sintemahl dessen keines weniger oder mehr in der Quantität gefunden wird; weil nun der Sulphur in der Menge den Mercurium un[d] das Saltz überwindet, entstehet daraus eine grosser färbende Röthe, welche grosse Röthe das Metall eingenommen, daß der Mercurius seine Fixigkeit nicht vollbringen können, daß ein fixes Corpus aus ihm hätte können gebohren werden. Mercke und verstehe also mit dem Kupffer, daß der Venus ihre Gestalt des Leibes also bewand sey, wie um einen Baum, so viel Hartz in und mit sich führet, wie der Lerchen=Baum, der Kein=Fichten= und Tannen=Baum, neben andern Geschlechten der Bäume mehr, welches Hartz nun des Baums sein Schwefel ist, den er zu Zeiten auch wegen seiner Überflüßigkeit seitwarts von sich ausstöst, und nicht alle vertragen kann. Ein solcher Baum nun, so mit vieler Feistigkeit tingirt worden durch die Natur und Auskochung der Elementen, brennt bald und gern, ist auch nicht schwer, und nimmer so währhaft als das Eichen= und dergleichen hart Holtz, welcer dicht und compact und sein Poros und Schweß=Löcher nicht so offen hat, wie die Art des leichten Holtzes, daß der Schwefel überflüßig herrschen könnte, darum hat das Eichen=Holtz desto mehr Mercurium, und ein besser Saltz weder das Fichten=Kein= noch Tannen=Holtz hat, und solch Holtz schwimmet auch nimmer so gern auf dem Wasser empor als das Tannen=Holtz, weil es verbunden und compact zugeschlossen, daß die Luft leicht zu tragen verhindert wird. Also auch nun von den Metallen zu vernehmen, als insbesonderheit vom Golde, welches wegen seines fixen, wohl ausgezeitigten, un[d] reiffen Queck=Silbers einen gar dichten, festen, compacten, fixen unüberwindlichen Leichnam hat, dem weder Feuer noch Wasser, weder Luft noch einige Verfaulung der Erden Schaden zufügen kann, weil seine Schweß=Löcher verschlossen, daß die versehrende Krafft der Elemente ihnen nicht Schaden beybringen können, welche Fixigkeit und dichte compacte Zusammenfügung einen Beweiß von sich giebt seiner natürlichen Schwere, so in andern Metallen nicht kann bewiesen werden, welches also zu spühren, nicht allein in Auffziehung seines Gewichtes mit der Waage, sondern befindest solches auch also: Wann du ein Scrupel 1 Scrupel ≈ 1,25 g rein Gold auf einem Centner 1 Centner ≈ 50 kg lebendig Queck=Silber legest, so fällt es bald zu Grunde, da dargegen alle Metallen so schwer, solche auch auf das Queck=Silber geleget werden, empor schwinmmen und nicht zu Boden fallen, weil ihre Luft=Löcher weiter zertheilet sind, daß sie die Luft oder den Wind zu tragen durchgehen kan.

Was nun weiter in der Artzney und Medicin den Spiritum Veneris, oder Cupri, betrifft, so soltu endlich in acht nehmen und observiren, daß er durchaus in seiner Tugend und Krafft gantz heilsam und hoch=nützlich gespühret wird, nicht allein dieser Spiritus, welcher in primo Ente, liegt, sondern auch eben derselbe Geist, der in Ultima Materia gefunden wird; seine Tugend, Krafft und Würckung ist, daß er im Aufsteigen der Mutter für allen Medicamentis den Preiß hat: wider die hinfallende Sucht ist particulariter seines gleichen noch nicht erfunden worden, wie solcher Spiritus ingleichen die Wasser=Sucht auszutrocknen eine besondere Gabe empfangen aht, er hält das Geblüt für Fäule, und verdauet alles, so dem Magen entgegen zugestanden, zerbricht den Stein, wessen Art er ist. Äusserlich in Wunden aber macht dieser Spiritus einen Grund zu heilen den Schaden Noli me tangere, von langen Zeiten her also genannt: und kein alter Schade mag sich verwahren noch zu schützen sein Übel, daß dieser Spiritus nicht angreifft, und einen Grund der Heilung vorstellt; äusserlich bringet er eine Reinigung, und sucht den gewissen Kern, da die Heilung und die würckende Artzney hafften, und ihren Anfang haben kann; Innerlich gehet aber dieser Spiritus durch und durch, und sucht alles aus, was arges im menschlichen Cörper, ist gleich dem edlesten Wund=Tranck, kein Apostema Eiter wird für diesen Geist bleiben, das von ihm nicht reformirt würde. Summariter aber, so sage ich, nimm den Spiritum Veneris recht in acht, so wird er innerlich und äusserlich sich dermassen mit Verwunderung erzeigen, und erweisen, das von vielen ungläublich über alle Natur wird erachtet werden; Und so viel vom Spiritum Veneris. Schließlich und letztlich, so soltu vom Geist des Kupffers also verständiget seyn, daß dieser Geist ist ein hitziger Geist, durchgehend, und suchend, verzehret alle böse Feuchtigkeit und übrige Phlegma in Menschen und Metallen, und mag billig unter die Cron der Medicin mit gezehlet werden: er ist sehr feurig und scharff, unverbrennlich, darum kann er auch als ein Geist unformliche Dinge particulariter helffen feurig machen, auskochen und zeitigen: und bistu ein rechter Natur=kündiger, so laß die diesen Spiritum und Geist befohlen seyn, er wird dich in allen Nöthen der Gesundheit und des Reichthums mit nichten verlassen, so fern du ihn recht observirest, und secundum Justutiam exsequirest. Ich will verhoffen, mein Ruffen und Begehren wird einmahl statt finden, und Gehöre haben bey vielen, so die Natur in acht nehmen, und mit Sehnen auszuforschen und auszulernen Verlangen tragen, darum werden sie ihre Sinne schärffen, die Augen aufthun, und den Ohren Verhör gestatten, daß ein solches aus meinem Bericht werde erlernet werden, das niemehls in acht genommen noch recht erlernet worden, welches in diesem Geist des Kupffers gefunden wird, innerlich und äusserlich, wer da meine Schrifften nicht mercken, observiren, verstehen, oder recht in acht nehmen kann, der wird nicht viel Heimlichkeit ergründen, noch mit Beystand und Wahrheit ohne mich erforschet, und Erlernung mit Nutzen erschöpffet und gefasset haben: darum kann mich niemad richten, was den Kupffer=Geist anbelanget, er habe dann zuvor das Kupffer umgewandt, und alle Heimlichkeiten seiner innerlichen Tugend recht erlernet, wie ich gethan: da ich was bessers kann erfahren, so ich nicht weiß, so bitte ich darum gantz fleißig, nichts zu verschweigen, so soll seine Lehre wohl vergolte werden mit tausendfältiger Nutzbarkeit; Und befehle dich hiemit dem höchsten Schöpffer.

Vernunft kann nicht allzeit begreiffen
Ein Sach, so Venus kann erreichen.
Niemand wird's finden bald im Sinn,
Verstand stössets gar weit von hin.
Sein Geist allein wird alles richten,
So soll Mercurius bey ihm pflichten.


Der Zwölffte Schlüssel.

Ein Fechter der sein Schwerdt nicht wol brauchen kan, dem ists auch nicht nütze, denn er hat den Brauch desselben Nutzbarkeit nicht recht erlernet. Denn so ein anderer, so sich des Schwerds besser denn er gebrauchen kan, gegen ihn in Vorsetzung kömt, muß er untüchtig geschlagen werden. Welcher aber die Fechtschule mit allen Meistergriffen wol erlernet hat, trägt den Krantz davon.

clavis XII

Also wer gleich eine Tinctur durch Verleihung allmächtiges Segens erlanget und überkommen hat und daneben nicht wissen wird zu gebrauchen, eben solchen zu helffen seyn wird, wie von Fechter erzehlet, so sein Schwerdt ihm in die Hand gegeben, nicht zu gebrauchen weiß. Dieweil aber dises der zwölffte, und als mein letzter Schlüssel, zu endlicher Absolvirung meines Buchs ist, wil ich dich zwar weiter gar in keine Philosophische verblümte noch figürlichen Rede führen, sondern ohn einigen Defect diesen Schlüssel der Tinctur, mit vollständigem warhafftigen Proceß offenbahren. Und darumb gehorche meiner nachfolgenden Lehre also:

Wann die Medicin und zugerichter wolbereiter Stein aller Weisen, auß der rechten Jungfrauen-Milch gemacht worden, und vollständig bereitet ist, so nimb derer ein Theil, des allerbesten und feinesten Goldes, durch den Antimonium gegossen, und purgirt drey Theil, das schlage gantz dünne, als immer müglich ist zu schlagen, Thue es zusammen in ein Geschirr, da man Metallen in zu schmeltzen pflegt, gib ihm anfänglich ein subtil Feuer zwölff Stunden, alsdann laß sie fliessen drey Tag und Nacht continue, so ist das purgite Gold und Stein zu lauter eitel Medicin worden, gantz subtiler spiritualistischer unnd durchdringender Eigenschafft. Denn ohne Ferment des Goldes kan der Stein nicht wol wircken, oder seine Tinctur erzeigen, denn es zu subtil und durchdringend. So es aber mit seines gleichen fermentirt und versetzt wird, alsdenn hat die gemachte Tinctur einen Eingang oder Ingreß erlanget in das ander zu wircken. Nimb alsdenn des zugerichteten Ferments ein Theil auff tausend Theil im Flusse derer Metall, so du tingiren wilt, so wisse in der höchsten aller Welt Warheit und Rede, daß solches alles zu gutem beständigen Golde werden muß, dann ein Leib begreifft alsdenn gerne wiederumb einen andern Leib, ist er gleich nicht seines gleichen, so muß er doch durch Krafft und Gewalt ihm zugefügt, wiederumb zu seines gleichen werden, sintemal doch gleich von seines gleichen gebohren worden.

Wer dieses Mittel gebraucht, dem werden alle Beständigkeit offenbar werden, die Vorhöfe des Saals haben am Ende alsdenn ihren Außgang und keiner Creatur ist diese Subtilität zu vergleichen, denn sie alles in allem, so natürlicher Art und Herkommen nach, als in der Welt unter der Sonnen mag gefunden werden, in sich führet und besitzet.

O Anfang erstes Anfangs, bedencke das Ende, O Ende letztes Ende, bedencke den Anfang, und lasset euch das Mittel befohlen seyn, in allen treuen. So wird euch GOTT Vater und Sohn und heiliger Geist geben, was ihr an Geist, Seel und Leib bedürfftig seyn werdet.

De Prima Materia Lapidis Philosophici.

Ein Stein wird funden ist nicht theur,
Auß dem zeucht man ein flüchtiges Feur,
Davon der Stein selbst ist gemacht,
Von weiß und rohe zusammen bracht.
Es ist ein Stein, und doch kein Stein,
In ihm wirckt die Natur allein,
Daß darauß springt ein Brünnlein klar,
Er tränckt den fixen Vater gar,
Verschlinget ihn mit Leib und Lebn,
Biß ihm die Seel wird wieder gebn,
Und ihm sein flüchtig Mutter gleich
Worden in seinem Königreich.
Er zwar auch selbst an Stäck und Macht
Erlangt hat viel ein grösser Krafft.
Die Sonn im Alter übertrifft,
Ihr fliegend Mutter zugericht,
Durch Vulcanum also, doch ist zuvorn
Der Vater durch den Geist geborn.
Leib, Seel und Geist in zweyen steht,
Darauß die gantze Sach hergeht.
Kompt nur auß einm, und ist ein Ding,
Flüchtig und fix zusammen bind.
Sind zwey und drey, und doch nur eins,
Verstehestus nicht, so triffst du keines.
Adam setz in ein Wasserbad,
Darin die Venus ihrs gleichen hat,
Welchs hat bereit der alte Drach,
Da er verlohr sein Stärck und Krafft.
Ist nichts, spricht der Philosophus,
Denn ein zweyfach Mercurius.
Ich sag nichts mehr, es ist genandt,
Wol dem, der solchs hat recht erkant.
Suchs darinn, werd nicht müd noch matt,
Exitus acta probat.


Quelle:
Fr. Basilii Valentini: Chymische Schriften. Herausgeber Bened. Nic. Petraeo. 5. Auflage. Hamburg 1740.
Fr. Basilii Valentini: Chymische Schriften. Verleger: Johann Naumans und Georg Wolff (Hamburg). 1678.
Abschrift:
Dr. Rainer Stumpe.

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