Zeitgenössische Definitionen der wissenschaftliche Begriffe aus
Immanuel Kants "De Igne" und "Monadologia physica"
Gottfried Wilhelm Leibniz "Historia Inventionis Phosphori" und
"Oedipus Chymicus"

Absinthium od. Absynthium (Wermut)
Die Wertmuth ist ein Kraut, dessen es mancherley Gattungen giebt, kann aber füglich abgetheilet werden, erstlich in breit- und schmahlblätterigen, dann in gemeinen und Pontischen oder Römischen. … (Zedler, Bd. I, Sp. 189 ff.)
Abstractio (Begrenzung)
der Vorgang oder auch das Ergebnis des Abgehens vom Besonderen, Zufälligen, Unwesentlichen auf das Allgemeine, Notwendige, Wesentlichen zu erhalten. Bei Aristoteles: die von der Materie losgelöste Form. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Accidentia (Akzidenz)
das von Aristoteles eingeführt und bestimmt wurde als "das, was einem Gegenstand zukommt und was man von ihm aussagen kann, aber nur das, was ihm nicht notwendig und nicht meistenteils zukommt", d. h. die zufälligen wechselnden, unwesentlichen Eigenschaften eines Gegenstands. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Acetum (Essig)
Der Essig ist eine geistige vegetabilische Säure, welche durch den zweyten Grad der Gährung, oder durch diejenige erzeugt wird, welche auf die geistige Gährung folgt, und aus diesem Grunde die saure oder die Essiggährung genennet wird.
Dieser Erklärung zufolge können nur der Wein und die weinichten Feuchtigkeiten sich in den wahren Essig verwandeln. … (Macquer, Bd. II, S. 98 ff.)
Acida (Säuren)
Diesen Namen führt eine eigene Hauptgattung der Salze, deren allgemeine Kennzeichnen diese sind, daß sie einen sauren Geschmack haben, und die blaue Farbe des Veilchenufgußes, der Lakmustinktur, des Lakmus- und Fernambukpapers, nebst eine großen Anzahl anderer blauen oder violetten Pflanzensäfte rot färben. Sie vereinigen sich leicht mit den Laugensalzen und absorbierenden Erden, und bilden mit denselben die Neutral- und Mittelsalze, welche beim Sättigungspunkte den Geschmack und die färbende Eigenschaft der Säuren gänzlich verlieren. Wenn die Laugensalze und Erden Luftsäure (CO2) enthalten, so erfolgt bei ihrer Verbindung mit den stärkeren Säuren ein heftiges Aufbrausen, indem die Luftsäure entbunden, und in Luftgestalt ausgetrieben wird. (Gehler, Bd. III, S. 743 ff)
Acor (Säure der Körpersäfte)
Die Säure und Schärffe des Geblüts. Zeiget das Verderben der fliessenden Theile im menschlichen Leibe an, wenn solche zu einer Säure sich neigen, oder schon dazu gekommen seyn. (Zedler, Bd. I, Sp. 366)
Actio (Wirkung)
Mit dem Namen der Wirkung belegt man diejenigen Veränderungen, welche irgend eine physische Ursache hervorbringt oder hervorzubringen strebt. Wirkung einer Kraft ist die Bewegung, welche durch sie entsteht, oder ein Druck, den sie ässert, wenn die Bewegung verhindert wird; Wirkung eines Körpers in den anderen die Veränderung, die jener in diesem, oder dessen Zustande, hervorbringt u. s. w. Über das Maß der Wirkungen, in sofern man daraus die Größe der Ursachen oder Kräfte schließen will, läßt sich im Allgemeinen wenig bestimmtes sagen. … (Gehler, Bd. IV, S. 793 ff)
Adamas (Adamant)
Ist ein sehr harter, durchsichtiger und hellgläntzender Stein, der kostbarste und schwerste unter allen Edelgesteinen. … (Zedler, Bd. I, Sp. 448 ff)
Aegyrta (Quacksalber)
Ein Storger, Quacksalber, Marktschreyer, Land- und Leut-Betrüger, Schlangefänger, Wurm-Krämer, der auf den Märkten herumzieht, und seine quacksalberischen Artzeneyen mit vielen Schreyen und Aufschneiden dem ihn angaffenden Volcke anpreist: In Summa, jeder Pfuscher, welcher wider Wissen und Gewissen die Medizin exerciret, die Leute um das Geld, öfters auch um das Leben bringet. … (Macquer, Bd. I, S. 846 f)
Adhaesio (Adhäsion, Anhängen)
Dieser Name wird dem allgemeinen Phänomen der Attraction in dem besonderen Falle beigelegt, wenn zwei verschiedene Körper bei ihrer Berührung mit einander, oder bei sehr geringer Entfernung von einander, so verbunden werden, daß eine äußere Kraft nötig ist, um sie wieder zu trennen. Hauptsächlich wird dieser Name gebraucht, wenn von gedachten Körpern der eine flüssig, der andere fest ist, und man sagt alsdann, daß sich der flüssige an den festen anhänge. (Gehler, Bd. I, S. 45 ff)
Aër (Luft, permanent elastisches Fluidum)
Unter diesen Benennungen verstehe ich hier mit Herrn Lichtenberg jede völlig unsichtbare elastische flüssige Materie, welche durch die Wärme beträchtlich ausgedehnt, und durch die Kälte zusammengezugen wird, ohne jedoch durch letztere jemals zu einem festen, oder zu einem tropfenden flüssigen Körper verdichtet zu werden; die endlich in gläserne Gefäße eingeschloßen werden kann, ohne in denselben ihre Eigenschaft zu verändern. (Gehler, Bd. II, S. 346 ff)
Aër (Luft)
In ganz eigentlichem Sinne führet diesen Namen diejenige unsichtbare, farblose, durchsichtige, kompressible, schwere und elastische flüssige Materie, welche unsere Erdkugel von allen Seiten umgibt. (Gehler, Bd. III, S. 4 ff)
Aether (Äther, feine Materie im Weltraume)
Namen, welche die Naturforscher einer von ihnen angenommenen äußerst feinen und elastischen Materie beilegen, welche durch den ganzen Weltraum verbreitet sein, und durch die Zwischenräume aller Körper dringen soll. Alles, was sich von diesem Gegenstande dagen läßt, ist hypothetisch, und bloß zu Erklärung gewisser Erscheinungen angenommen; unmittelbare und klare Erfahrungen über das Dasein und die Eigenschaften des Äthers fehlen gänzlich. (Gehler, Bd. I, S. 82 ff)
Affectio hypochandriaca (Obstipation, Verstopfung)
Ist eine beschwerliche Krankheit, welche wegen ihrer vermischten und widerwärtigen Zufälle, von denen Alten ein Gegen-Streit derer natürlichen Verrichtungen genennet wird. … Insgemein wird es die Krankheit der Gelehrten genennet, weil diese, durch ihr vieles Sitzen, den Bauch für und für drücken, wodurch die Bewegung derer Eingeweide verhondert, und die Verstopfungen verursacht werden. … (Zedler, Bd. XIII, Sp. 1479 ff)
Alcahest (Alkahest)
siehe Liquor alkahest.
Alembicus (Retorten-Helm)
Der Helm ist das oberste Stück eines Brennzeuges, oder einer Gerätschaft zum Destilliren. … (Macquer, Bd. III, S. 32) (Abbildung)
Alchymia (Alchemie)
Diesen Namen, der wegen des vorgesetzten arabischen Artikels so viel, als Chymis im vorzüglichen Verstande bedeutet, legen die sogenannten Adepten ihrer vermeintlichen Wissenschaft bei, durch welche sie die Operationen der Natur im Innern der Erde, Erzeugung und Verwandlung der Metalle u. dgl. nachzuahmen und auszuführen suchen. Seitdem man dem Golde durch einstimmigen Vergleich einen so hohen Wert beigelegt hat, seitdem hat auch die der aufgeklärten Chemie so schädliche Raserei des Goldmachens gewütet. Ohne die noch bis jetzt unenetschiedene Frage von der Möglichkeit desselben zu untersuchen, überließen sich oft Köpfe, die auf einem bessern Weg mehr zu leisten vermocht hätten, den Trieben der Gewinnsucht, zogen ihre Untersuchungen gänzlich auf den engen Punkt des Goldmachens zusammen, versteckten sich bei ihren fehlgeschlagenen Erwartungen hinter dem Schleier einer geheimnisvollen und rätselhaften Sprache, oder täuschten auch wohl leichtgläubige Menschen durch kühne Betrügereien. … (Gehler, Bd. I, S. 91 ff)
Alcalia, Salia alcalina (Laugensalze)
Diesen Namen führt eine eigne Hauptgattung der Salze, deren allgemeine Kennzeichen diese sind, daß sie einen scharfen, brennenenden, urinösen, aber nicht sauren Geschmack haben, aus den Säuren die darin aufgelösten Materien niederschlagen, den Veilchensirup grün, die gelbe Tinktur der Curcumawurzel braun, das mit Fernambukdecoct rot gefärbte Papier violet, und die mit schwachem Essig gerötete Lakmustinktur wieder blau färben. Sie vereinigen sich mit den Säuren, und bilden mit denselben die sogenannten Neutralsalze; mit den Ölen und Fettigkeiten geben sie die Seifen, mit dem Schwefel die Schwefelleber, und mit den Erden geschmolzen, gegebn sie feuerbeständiges Glas.
Man teilt die Laugensalze in feuerbeständige, fixe (Alcalia fixa) und ein flüchtiges (Alcali volatile) ein. Der feuerbeständigen sind zwei: 1) das vegetabilische oder Gewächslaugensalz (Alcali vegetabile) und 2) das mineralische (Alcali minerale). Das flüchtige findet sich besonders im Tierreiche. … (Gehler, Bd. II, S. 859 ff)
Alumen (Alaun)
Ein erdiges Mittelsalz, welches durch Verbindung der Vitriolsäure und Thonerde oder Alaunerde entsteht. Es läßt sich leicht in Wasser auflösen und krystallisiren, hat eine herb-süßlichen stark zusammenziehenden Geschmack, und weil die Krystallen desselben viel Wasser enthalten, so gerathen sie über dem Feuer von selbst in Fluß, das Wasser vedünstet, und es bleibt der gebrannte Alaun, ein lockeres, trockenes und leicht zerreibliches Slaz, übrig. … (Gehler, Bd. I, S. 91)
Alumen plumosum (Federalaun): entweder fedrig kristallisierter Alaun oder (f&ä228;lschlich) Asbest (Macquer, Bd. II, S. 189)
Amalgama (Amalgam)
So heißt in der Chemie die Verbindung des Quecksilbers mit den andern metallischen Substanzen. Das Quecksilber bindet sich unter allen Metallen am leichtesten mit dem Golde und Silber, sehr schwer mit dem Kupfer und Spießglanzkönige, und mit Eisen und Kobalt gar nicht. … (Gehler, Bd. I, S. 94)
Ammoniacum (Ammoniak)
Mit diesem Namen bezeichnet die Nomenclatur des antiphlogistischen Systems das flüchtige Laugensalz. Nach den Entdeckungen des Herrn Berthollet [1785] ist das Ammoniak aus den Grundstoffen des Stickgases und der brennbaren Luft, oder nach der neuern Sprache aus Stickstoff (Azote) und Wasserstoff (Hydrogen) und zwar im Verhältnis 6 : 1, zusammengesetzt. … (Gehler, Bd. V, S. 23 ff.)
ana (gleichviel)
Ana ist eine griechische Praeposition, so von Hippocrate eingeführet, giebt bey denen medizynischen Recept-Formuln, so mehr als ein Ingrediens erfordern, ein gewöhnliches Zeichen ab, und bedeutet, daß die vorhergesetzten Species, bey welchen das Gewichte nicht beniehmt, mit denen darauf mehr oder weniger folgenden, bis dieser Buchstabe a oder aa nebst dem beygesetzten Gewichte gefunden wird, in einerley Maaß, Gewichte oder Anzahl genommen werden solle. … (Zedler, Bd. I, Sp. 7)
Analysis chemica (Analyse)
Die Chymie zeigt Mittel, diese zu einer dem Anscheine nach gleichartigen Masse verbundenen Stoffe wieder zu scheiden und abzusondern. Diese Absonderung heißt die chymische Teilung, Zersetzung, Zerleguneg, Scheidung (analysis chemica, disjunctio). Die hieraus erhaltenen Theile, welche bey ihrer Verbindung den Körper, als ein Produkt von anderer Beschaffenheit, erzeugt hatten, heissen Bestandtheilem chymische Bestandtheile, Grundstoffe, ungleichartige Theile, Theilde der Mischung (partes dissimilares, heterogenae, constitutuva). … (Gehler, Bd. IV, S. 306 und 856)
Anima mineralis ()
ist so viel als Anima vegetativa; sie soll das Wachsthum der Mineralien, als der Steine, des Erzes ezc. befördern. … (Zedler, Bd. II, Sp. 322)
Antimonium (Spießglanz)
Das sogenannte rohe Spießglas, eine strahlichte bleifarbene Materie, ist das Erz eines eigenen Halbmetalls, des Spießglanskönigs (Regulus antimonii), worin 74 Theile dieses Halbmetalls mit 26 Theilen Schwefel mineralisiert sind. Es wird dasselbe an vielen Orten, vorzüglich in Ungarn und Frankreich, gefunden. Man erhält es wegen seiner Leichtflüssigkeit durch bloßes Ausschmelzen aus den Bergarten, und verkauft es in Gestalt von Kuchen.
Durch längeres Rösten, wobey der Schwefel verdampft. erhält man daraus eine aschgraue metallische Erde (den Spießglanzkalk, der sich in stärkerem Feuer in das dichte, glänzende dunkelgelbe Glas von Spießglanz (Vitrum antimonii) oder, wenn die Röstung schwach gewesen ist, schon bei gelinderem Feuer in die undurchsichtige Spießglanzleber (Hepar antimonii) verwandelet. Aus jedem dieser drey Stoffe kan man durch gewöhnliche Reduction, d. i. durch Schmelzung mit brennbaren Stoffen in verschlossenen Gefäßen, das Halbmetall selbst, oder den Spießglanskönig, erhalten. …
Der Spießglaskönig verbindet sich mit allen Metallen. Er macht sie spröder, und ihre Farbe bleicher. Rohes Spießglas mit Gold zusammenheschmolzen, wird zersetzt; seinSchwefel verbindet sich alsdann mit den andern dem Golde etwas noch beygemischten Metallen zu einer ober schwimmenden Schlacke, und der Spießglaskönig, der sich statt ihrer mit dem Golde vereinigt, läßt sich durch die Hitze davon treiben. … Ältere chemische Bücher (z. B. Basil. Valentini currus triumphalis antimonii) tragen die schätzbarsten Entdeckungen vom Spießglase in einer geheimnisvollen Sprache vor. … (Gehler, Bd. IV, S. 153 ff)
Antimonium Diaphoreticum (Schweißtreibendes Antimon)
Antimonium Diaphoreticum Helmontii, wohl abgefasster, getrockneter und pulversisierter Florum Antimonii rubr, Zj. gereinigten und pulverisirten Salpeters Zjj. Nachdem dieses genau mit einander vermischet und in einen wohl glühenden Schmelz-Tiegel gethan, lässet man es mit einander verpuffen, so wird eine weißgelbe Masse zum Vorschein kommen, welche man, weil sie noch warm und weich ist, mit einem Spatel rausnimmt; darnach absüsset, trocknet und das Pulver zum Gebrauch aufhebet. Dieses soll, nach dem Zeugnis Helmontii, nicht nur den Schweiß treiben, sondern auch so wohl in stets anhaltenden als Wechsel-Fiebern ein specificum abgeben. … (Zedler, Bd. II, Sp. 568)
Aqua (Wasser)
Das Wasser in seinem gewöhnlichen Zustande, und in so fern es nicht mit andern Substanzen vermischt ist, zeigt sich als eine völlig farbenlose, durchsichtige, geschmack- und geruchlose, unentzündliche tropfbare Flüssigkeit. … (Gehler, Bd. IV, S. 625 ff)
Aqua carminativa (windzerteilendes Wasser)
Nimm Römische Camillen-Blüthen, die äußere Schaale von Pomerantzen, Pontische Wermutz, Tausengülden Fieber-Kraut, Poley, Wohlgemuth, Dill-Saamen, Anieß, Fenchel, Kümmel, Benedicten-Saamen, Marien-Distel-Saamen; zerschneide und zerstosse alles gröblich, giesse darauf Camillen-Wasser, laß es 8 Tage in der Digestion stehen, hernach destillire es aus dem Balno Maris [Wasserbad]. … (Zedler, Bd. II, S. 625 ff)
Aqua Cephalica (Haupt-Wasser)
Nimm die Knöspgen von Majoran, Wohlgemuth, Rosmarin-Lavendul-Blüthen, May-Blumen, rothe Rosen, Salbey-Blüthen, aa. Miiij. Negelein, Muscat-Nüsse aa. Vnc. ij- Cardamomen, Zimmet, Cubeben, Paradieß-Körner, Muscat-Blüthen aa. Vnc. s8. zerstosse und zerschneide alles gröblich, thue es in des besten Spiritus Vini lbvj. laß es 6 Tage lang an einem warmen Orte sthen, hernach distillire es. … (Zedler, Bd. II, Sp. 1011)
Aqua fortis (Scheidewasser)
Diesen Namen geben die Künstler der schwächeren Salpetersäure, welche aus dem Salpeter durch Destillation mit gebranntem Vitriol oder Thon ausgetrieben, und zu vielen chymischen Arbeiten, vorzüglich zur Scheidung des Goldes vom Silber, gebraucht wird. Der chymische Name ist Salpetergeist; diesen geben aber die Künstler nur der reineren und stärkern Sorten, deren Preise theurer sind. … (Gehler, Bd. III, S. 827)
Aqua ophtalmica (Augenwasser)
(nach Zwelffer) Nimm grünes Schellkraut, Augentrost, Fenchel-Kraut, frische Rosen-Blätter, blaue Korn-Blumen, besten Safrna. Zerschneide und zerquetsche alles, hernach destillire es aus dem Balneo Vaporum [Dampfbad] fast biß zur Trockne der Specierum. Zu jedem lb. solches destillirten Wassers thue Sacchari Saturni resolubilis [Bleizucker, Bleiacetat] zu, alsdann filtrire es, und hebe es zum Gebrauch auf. … (Zedler, Bd. II, Sp. 1032 f)
Aqua regis (Königswasser)
Eine Mischung der Salpetersäure mit der Salzsäure, welche gewisse Metalle auflöset, die von den Reinen Säuren gar nicht, oder doch schwer, angegriffen werden, Gold und Platina werden blos vom Könisgwasser, Zinn und Speißglanzk.nig wenigstens besser und leichter, als von andern Säuren, aufgelöset. … (Gehler, Bd. II, S. 778)
Aqua Stomachica (Scheidewasser)
Nimm der besten Rhabarb.-Mastix, Negelein, Chebulor, Malvasier-Wein, oder einen andern guten Wein. Destillire es und behalte die Helffte davon besonders. … (Zedler, Bd. II, Sp. 1037)
Aqua Vitae ()
Aqua vitae permanens ist das unverbrennliche Sal coeleste, welches bey Verbrennung des Spiritus vini übersteiget. … (Zedler, Bd. II, Sp. 1043)
Arcanum (geheime Arznei)
Ein geheimes Mittel, ist eine solche Artzney, welcher Zubereitung, wegen grosse Kraft und Würckung, geheim gehalten wird. … (Zedler, Bd. II, Sp. 1081)
Argentum (Silber)
Das Silber ist ein vollkommenes Metall von weisser Farbe und einem sehr schönen Glanze. Es ist von den ältesten Chymisten Luna oder Diana genannt, und mit ☾ bezeichnet worden. … Seine Dehbarkeit ist ungemein groß, und es lassen sich daraus die feinsten Blättchen und dünnsten Drähre ziehen. … (Gehler, Bd. IV, S. 57 ff)
Ars combinatoria (Kombinatorik)
Die Kunst des Zusammensetzens, nach ihrem Begründer Lullus auch Ars Lullina oder Ars magna genannt. (Wörterbuch der philosophischen Begriffe)
Ars inveniendi (Erfindungskunst)
Die Erindungskunst ist im Gegensatz zur scholastischen Zergliederung die Methode zum Erfinden oder Auffinden von Neuem. (Wörterbuch der philosophischen Begriffe)
Arsenicum (Arsenik)
Diese Materie ist der metallische Kalch eines eignen Halbmetalls, des Arsenikkönigs, unterscheidet sich aber von den übrigen metallischen Erden durch ihre Flüchtigkeit, Auflösbarkeit im Wasser, Geruch und Geschmack, Verwandtschaft mit den übrigen Metallen und Schmelzbarkeit. Diesen Eigenschaften nach muß man den Arsenik für eine mit einer eignen Säure verbundenen metallische Erde erklären. … (Gehler, Bd. I, S. 128 ff)
Atmosphaera (Atmosphäre)
Dieser ursprünglich so viel, als Dunstkugel, bedeutende Name ist zwar anfänglich blos von der um unsere Erde versammelten Luft, dem Luftkreise, gebraucht worden, wird aber im Allgemeinen allen Anhäufungen eines elastischen flüssigen Wesens beigelegt, welche einen Körper von allen Seiten umgeben, und sich mit ihm fortbewegen, so wie der Luftkreis die Erde umringt und mit ihm bewegt wird.
Viele Naturforscher nehmen um alle Körper Atmosphären an, oder glauben, daß sich der im Weltraume verbreitete Äther sich in der Nähe eines jeden Körpers verdichte, und eine Atmosphäre um ihn bilde. (Gehler, Bd. I, S. 157 ff)
Atmosphaera terrestris (Luftkreis, Atmosphäre der Erde)
Die ganze Luftmasse, welche den Erdball von allen Seiten umgibt, und eine hohle Kugelschale um denselben bildet. Ihr Dasein erhellt sich aus der Gegenwart der Luft an allen Orten der Erdfläche, und in allen zugänglichen Höhen, bis auf die Gipfel der höchsten Berge. Diese Luft, …, macht zwar den Hauptbestandteil des Luftkreises aus, sie ist aber in demselben mit unzählbaren fremden Substanzen verbunden, deren Verhältnisse und Mischungen sich unaufhörlich ändern.
Druck der Atmosphäre. Da der Luftkreis aus einem schweren und elastischen Fluidum besteht, so wirkt er auf die Erdfläche und auf die Oberflächen der Körper, nach den Gesetzen des Drucks elastischer Flüssigkeiten. …
Höhe und Gestalt des Luftkreises. Hätte die Luft einerlei Dichtigkeit, so müßte die Höhe jeder Luftsäule so groß sein, als die Höhe der gleichwiegenden Quecksilbersäule (oder Barometerhöhe) multipliziert mit der Zahl, welche anzeigt, wievielmal Quecksilber schwerer, als Luft ist. … Da aber die Dichtigkeit der Luft in der Höhe abnimmt, so muß sich der Luftkreis viel weiter erstrecken. Er müßte unendlich hoch sein, wenn das mariottische Gesetz in aller Schärfe richtig wäre. Da aber dies nicht sein kann, so nimmt man insgemein an, die Luft lasse sich nicht weiter, als bis auf einen gewissen Grad, verdünnen, und höre da auf, wo sie diesen Grad dem Gesetze gemäß erreicht hat. … (Gehler, Bd. III, S. 41 ff)
Atomi (Atome)
So werden von einigen Naturforschern die ersten nicht weiter theilbaren aber immer noch körperlichen Bestandtheile der Materie genannt. … (Gehler, Bd. I, S. 163 ff)
Attractio (Anziehung)
Das Phänomen der Körperwelt, da Körper sich einander nähern, oder, wenn sie aufgehalten werden, sich zu nähern streben, da sie nach der Berührung an einander bleiben, oder doch der Trennung widerstehen, ohne daß man eine äußere in die Sinne fallende Ursache davon, einen Druck, Stoß u. dergl. gewahr wird. … (Gehler, Bd. I, S. 165 ff)
Aura (Gasart, permanent elastisches Fluidum)
Unter diesen Benennungen verstehe ich hier mit Herrn Lichtenberg jede völlig unsichtbare elastische flüssige Materie, welche durch die Wärme beträchtlich ausgedehnt, und durch die Kälte zusammengezogen wird, ohne jedoch durch letztere jemals zu einem festen, oder zu einem tropfbaren flüssigen Körper verdichtet zu werden; die endlich in gläserne Gefäße eingeschloßen werden kann, ohne in denselben ihre Eigenschaften zu verändern. … (Gehler, Bd. II, S. 346 ff)
Aurum (Gold)
Das vollkommendste, bei den gewöhnlichen Operationen der Chemie unzerstörliche Metall, von einer schimmernden gelben Farbe und großer Dehnbarkeit. Es besitzt die Eigenschaften, welche die Metalle auszeichnen, im höchsten Grade, und ist deswegen von den älteren Chymisten die Sonne oder der König der Metalle genannt auch mit ☉ bezeichnet worden. Es ist härter als Zinn (♃), aber weicher, als Silber (☾). (Gehler, Bd. II, S. 511 ff)
Aurum musicum sive musivum sive mosaicum (Malergold, Goldbronze)
So nennt man eine Art von Zinnbereitung, die man wegen ihrer goldgelben Farbe so wie das ächte Gold zum Malen und Schreiben gebraucht. … (Macquer, Bd. III, S. 577 ff)
Aurum potabile (Goldtinktur)
Die Alchymisten haben zu allen Zeiten geglaubt und öffentlich behauptet, daß das Gold zur Heilung unzählig vieler Krnakheiten und zur Verlängerung des Lebens wunderbare Kräfte besäße. Sie haben dahero in diesem Metalle, um Arzeneyen daraus zu bereiten, beträchtlich gearbeitet, und sehr große Mengen von Bereitungen daraus erhalten, wovon eine einzige, wenn man es dem, der sie erfand, glauben will, im Stande ist, alle Uebel zu heilen. … (Macquer, Bd. II, S. 729 ff)
Balneum mariae, Balneum maris (Wasserbad)
Man giebt in der Chemie dan Namen Bad verschiedenen Materien, deren man sich bedient, um Wärme an etwas zu bringen. Die hierzu gewöhnlichsten Materien sind das Wasser (Balneum mariae, Balneum maris) und der Sand (Balneum arenae). … (Macquer, Bd. I, S. 270 ff)
Balsamica (Balsame)
sind solche Artzeney-Mittel, welche voller leimichter und schwefelichter Theilgen sind. Hierzu gehöhren alle, sowol natürliche als künstliche Balsame. … (Zedler, Bd. III, Sp. 247 f)
Balsamum, Balsamus (Balsam)
Dieses Wort hat unterschiedene Bedeutungen, und wird bald in eigentlichen, bals in figürlichen Verstande genommen. Eigentlich wird der Safft eines gewissen in Arabien wachsenden Baums darunter verstanden. Ferner werden einige künstlich zubereitete Artzeneyen mit diesem Namen benennet, welche nicht nur einen höchst angenehmen und durchdringenden Geruch von sich geben, sondern auch ein geistiges Wesen und Krafft an sich haben, etwas fliessend sind, und sowohl innerlich als äußerlich gebrauchet, auch dahero gantz fraglich Balsamelïa genennet werden kìnnen: zuweilen verstehet man auch darunter die Destillata und dicken Sachen, welche wie eine dicke Salbe zubereitet werden. … (Zedler, Bd. III, Sp. 251 f)
Balsamum sulphuris Therebinthinatum (Schwefel-Terpentin-Balsam)
Nimm gemeinen Schwefel oder desselben Blumen; laß den Schwefel bey gelindem Feuer im Schmelz-Tiegel fliessen, mische hernach, nach und nach das pulverisirte Weinstein-Salz drunter, so wird vermöge des Weinstein-Salzes der Schwefel aufgeschlossn, und beyde miteinander in einen rothen Teig verwandelt, welcher gemeiniglich Hepar Sulphuris heisset. Diese Masse pulverisire, thue sie in einen Kolben und giesse darüber Spiritus Therebinthinae. Laß es im Sande etliche Stunden kochen, bis der Terpentin-Spiritus sattsam impraegnirt und gefärbt worden; welchen man hernach, wenn alles erkaltet, abgiesset und aufhebet. … (Zedler, Bd. III, Sp. 281 ff)
Barometrum (Barometer)
Das Werkzeug zu Abmessung des Drucks der Luft und seiner Veränderung. Man bedient sicht dazu gemeinlich einer mit Quecksilber gefüllten, oben luftleeren und verschlossenen Glasröhre, in welcher das Quecksilber, bey stärckerem Drucke der Luft im Luftkreise, höher steigt, bei vermindertem Drucke herabsinkt. … (Gehler, Bd. I, S. 237 ff)
Bezoardica (Gegengift)
werden diejenigen Arzney-Mittel genennet, welche dem Gifft und gifftigen Krankheiten widerstehen, auch selbiges durch den Schweß austreiben, dergleichen vornemlich der Bezoar ist: Es geben aber alle drey Reiche der Natur solche Giffttreibende Mittel …. (Zedler, Bd. III, Sp. 1663)
Bezoardicum Minerale (Bezoard, Antimonoxid)
ist ein in den Apothecken bekanntes Arzeney-Mittel, welches auf zweyerley Weise, nemlich im feuchten, und im trockenen gemacht wird. Jenes geschiehet, wenn man auf den flüßigen Mercurium vitae, oder das Butyrum Antimonii, welches solchen in sich hält, sechs mahl so viel Spiritus Nitri nach und nach aufgüsset, weil es sehr stark aufwallet, damit sich das Pulver figire: Asldann wird der Spiritus Nitri abgezogen, unter dem Titul Spiritus Nitri Bezoardicus, das Pulver aber calciniert und ferner abgesüsset. Allein viel besser ist es, wenn man es auf trockenem Wege tractiret, als wodurch Aufwallen vermeiden, als der Spiritus Vitrioli Philosophicus erhalten, und nicht nur viele Zeit und Kosten erspahret, sondern auch der Mercurius vitae viel fixer wird, daß man mit ihm, wie mit dem Antimonio diaphoretico umgehen kann. … (Zedler, Bd. III, Sp. 1672)
Bolus (Eisenton)
Man hat Thonarten also genannt, die sich sehr stark an die Zunge anlegen, wenn man sie trocken an dieselbe bringt, oder diejenige, welche vermöge einer eisenrostigen Erde gelb oder roth gefärbt sind. (Macquer, Bd I, S. 544.)
Brodium (Suppe, Brühe)
bedeutet einen Syrup, der von der Corruption oder Verderbung befreyet, dergleichen der Zucker bey eingemachten Sachen ist; sonst wird auch jede Suppe darunter verstanden, in welcher man eine Arzney entweder verrühren oder anfeuchten lässet. … (Zedler, Bd. IV, Sp. 1663)
Buchformate
Basierend auf das im 15. bis 19. Jahrhundert üblichen Papierbogenformat von 30 x 40 cm. Daraus ergaben sich durch Faltung folgende typische Buchformate:
Bezeichn. Name Rüchenhöhe Seiten pro Bogen

Quart 23-26 cm 8
Oktav 18-20 cm 16
12° Duodez 13-17 cm 24

Calcinatio (Verkalkung, Kalzination)
In weitläuftigerm Sinne nennt man Verkalkung jede Operation, bey welcher durch die Hitze ohne Flamme aus einem festen Körper so viel Bestandtheile verflüchtigt werden, daß die übrigen in zerriebener Gestalt, oder als ein Pulver, zurück bleiben. Die Alchymisten nannten solche Operationen das philosophische Pülvern: jetzt giebt man ihnen lieber die Namen des Brennens oder Röstens (ustio, ustulatio). … (Gehler, Bd. IV, S. 455 ff)
Calor (Wärme)
Dieses Wort wird vornehmlich in dreifacher Bedeutung gebraucht. Erstens zeigt es eine allgemein bekannte Empfindung an, welche durchs Gefühl in uns entsteht, und das sie ganz Sache des Sinns ist, mit Worten nicht beschrieben werden kann. …
Zweitens bedeutet Wärme den Zustand der Körper, in welchem sie underem Gefühl bei Berührung die vorgenannte Empfindung verursachen. …
Endlich wird drittens der Name Wärme sehr oft der physischen Ursache dieser Erscheinung, oder derjeneigen Materie beigelegt, welche jenes Gefühl und jenen Zustand der Körper bewirkt, und freilich schicklicher den Namen Wärmestoff (materia caloris) führt. Diese Materie heißt sonst auch Feuer; daher ist ihr unter diesem Namen bereits ein eigener Artikel dieses Wörterbuchs gewidmet worden, wo auch noch mehrerer Benennungen von ihr vorkommt. (Jetzt brauchen mehrere Physiker das Wort Feuer nur von der mit Licht begleiteten Wärme. …) In der neuen Sprache des antiphlogistischen Systems heißt sie Caloricum. … (Gehler, Bd. IV, S. 533 ff)
Calx (Kalk)
Es giebt in der Natur eine eigne Art von Erden und Steinen, welche fähig sind, sich durch die Wirkung des Feuers in das, was man lebendigen Kalk Calx vivus nennt, verwandlen zu lassen. In ihrem natürlichen Zustande brausen diese Erden und Steine mit den Säuren, und es entwickelt sich aus ihnen eine große Menge fixer Luft oder Luftsäure. … (Gehler, Bd. II, S. 727 ff)
Capacitas caloris recipiendi (Wärmekapazität)
Mit diesem erst neuerlich in die Physik eingeführten Namen bezeichnet man das Verhältnis der Menge von Wärmestoff, welche in einem Körper eine betsimmte Veränderung seiner Temperatur hervorbringt, zu der Masse (oder nach Andern, zu dem Volumen) des Körpers.
  • Calor specificus comparativus: J. C. Wilcke, schwed. Physiker (1732 - 1796)
  • Capacitas caloris recipiendi: A. Crawford, irischer Physiker (1748 - 1795)
  • wärmebindende Kraft: Baader ?
(Gehler, Bd. IV, S. 568 ff)
Caput mortuum (Destillationsrückstand)
Ein lateinischer Name, welchen die alten Chymisten denen feuerbeständigen und erschöpften Rückbleibseln gaben, die nach der Destillation in den Retorten übrig bleiben. … Da diese ten Rückbleibsel von sehr verschiedener Natur sind, nachdem nämlich die Substanzen waren, die man destillirte, und nachdem der Grad des Feuers war, dem diese ausgesetzt worden sind, so ist es besser sie auf genauere Art anzuzeigen, indem man ihnen die Beschreibung der Eigenschaften kürzlich bey fügt, die sie besitzen, und daher z. B. zu sagen: erdichtes, kohlenartiges, salzichtes u. d. Rückbleibsel. (Macquer, Bd. I, S. 543
Carbunculus (Almandin)
Ist eine Art gewisser Steine, so in Meissen, als zu Freyberg und Annaberg, vormals gefunden worden, und zwar am letzteren Orte in Form eines Creutzes, am erstern aber in eines Affen und Schildes Bild. … (Zedler, Bd. I, Sp. 1285)

…Die Alten erwähnen einige Steine, welche erwärmt oder gerieben leichte Körper anziehen. Dahin gehört … eine Art des Carbunculus, die nach eben diesem Schriftsteller (Plinius) von der Sonne erwärmt oder mit den Fingern gerieben, Spreu und Papierspäne anzieht. … (Gehler, Bd. IV, S. 400 f)
Meraldus Cassinus (Giovanni Domenico Cassini)
Cassini (Mém. de l′acad. des sc. 1733.) führt schon an, daß Plantade auf den Bergen in Roussillon und Languedoc das Quecksilber in allen engen Röhren niedriger, als in weiten, gefunden habe, welches auch die eigenen Beobachtungen des Cassini und le Monier bestätigten. (Gehler, Bd. I, S. 251)
Catharactica vel Purgantia (Abführmittel)
Sind Mittel welche die in den Gedärmen befindlich oder durch die Kraft dieser Arzeney dahin geführten Feuchtigkeit, durch erweckte Stühle wegfüen. … (Zedler, Bd. V, Sp. 1438)
Catharsis vel Purgantio (Abführung)
Das Purgieren, begreifft in weitläufigem Verstand alle Abführung und Entledigung einer Materie, es geschehe solche Reinigung von Natur oder Kunst, an diesem oder jenem Orte des Körpers. … (Zedler, Bd. V, Sp. 1455)
Catoptrica (Katoptrik)
Diesen Namen führt die Lehre vom Shene durch zurückgeworfene (reflectierte) Lichtstrahlen, oder von dem Lichte, das von Spiegelflächen abprallet. … (Gehler, Bd. II, S. 741 f)
Celeritas (Geschwindigkeit)
Aus der Vergleichung der Räume und Zeiten entsteht der Begriff von Geschwindigkeit. Eine Bewegung heißt geschwinder als eine andere, wenn bei ihr in ebenderselben Zeit ein längerer Raum, oder ebenderselbe Raum in einer kürzeren zurückgelegt wird. … Daher ist Geschwindigkeit ein relativer Begriff, d. h. man kann nicht sagen, wie geschwind eine Bewegung, sondern nur, wie vielmals sie geschwinder, oder weniger geschwind, als eine andere sei. … (Gehler, Bd. I, S. 327 f)
Cementatio (Cementation)
So nennt man in der Chymie das Glühen der Körper in verschloßnen Gefäßen, wenn sie dabey mit einem Pulver oder Teige, dem Cementpulver oder Cemente, umringt werden, welches ihnen eine zweckmäßige Veränderung hervorbrint. … (Gehler, Bd. I, S. 467 f)
Chrysulca (nitroses Gas)
Diejenige irrespirable und mit Wasser nicht mischbare Gasart, welche man aus den Dämpfen der phlogistirten Salpetersäure durch die Wärme und Ausschließung der gemeinen Luft erhält — ein phlogistischer Salpeterdampf in Luftgestalt.
Schon [Johan Baptista] van Helmont (1580 - 1644) redet von einem Gas, das bey Auflösung des Silbers in Scheidewasser (chrysulca) aufsteige, und die Gefäße zersprenge. … (Gehler, Bd. II, S. 411 ff)
Chylus (eingedickter Saft)
heißt insgemein ein dicker Safft, so wohl in Thieren als Pflanzen; bey dem Hippocrates heist es ein Gersten-Safft. … (Zedler, Bd. V, Sp. 2309)
Chymia (Chemie)
Diesen Namen führt die Lehre von der Auflösung der Körper in ihre Bestandteile, und ihrer Zusammensetzung aus denselben, oder, wie es andere ausdrücken, von der Bearbeitung der Stoffe. Es ist hierbei nicht von Teilung oder mechanischer Zertrennung die Rede, wobei die Teile mit dem Ganzen selbst von einerlei Beschaffenheit sind, sondern von Zerlegung in ungleichartige Grundstoffe, und anderweiter Zusammensetzung derselben zu neuen Produkten. … (Gehler, Bd. I, S. 507 ff)
Cinnabaris (Zinnober)
Ist eine mineralische Materie, hart und dichte, schwer und glänzend, wie Crystallen und röthlicht: bestehet aus Schwefel und Quecksilber, welche auf das allergenaueste verbunden und vereiniget, und durch des Feuers Macht ist ausgeführet worden. … ( Zedler Bd. VI, Sp. 74 f.)
Cineres (Asche)
Dasjenige, was von den Körpern übrig bleibt, wenn sie durch die Verbrennung oder Calcination an freier Luft ihres Brennbaren beraubt worden sind. … (Gehler, Bd. I, S. 133)
Claretum (Gewürzwein, Klaret)
Ein stark gewürzter Kräuter-Wein, welcher aus allerhand Gewürz, als: Zimmet, Ingwer, Würz-Nägelein, Muscat-Nuß und Blüthen, auch aus mancherley Kräutern, nach jedes Intention, bestehet, worauf Wein gegossen wird, welcher also eine Zeit stehen bleibet, hernach abgekläret und mit Zucker versüsset wird. … (Zedler, Bd. VI, Sp. 217)
Clepsydra (Wasseruhr)
… einmal wurden diejenigen also benennet, welche, indem Wasser aus ihnen nach und nach floß, dadurch die Zeit abmassen; und daher auch Hydrologia, Wasser-Uhren genennet worden. … (Zedler, Bd. VI, Sp. 373)
Coagulatio (Gerinnung)
Diesen Namen gebrauchen die Chymisten, um diejenigen Operationen überhaupt anzuzeigen, durch welche sie Körper aus dem flüssigen Zustande in den festen zu versetzen. … Arten des Coagulirens sind: Das Gefrieren, Genehen, Festwerden, Eindicken, Niederschlagen, Laaben, Buttern, u. s. f. … (Gehler, Bd. II, S. 457 f)
Cohaesio s. Cohaerentia corporum (Zusammenhang)
Diesen Namen führt das allgemeine Phänomen der Attraktion in dem besonderen Falle, wenn die sich berührenden Teile eines und desselben Körpers (bisweilen aich zweier verschiedener Körper) so verbunden sind, daß eine Kraft nötig ist, um sie zu trennen. So hängen die Teile eines Metalldrahts so fest zusammen, daß es einer beträchtlichen Gewalt, eines starken anhangenden Gewichts, bedarf, um sie zu trennen und den Draht zu zerreißen. Auch die Teile flüssiger Materien hängen zusammen, und lassen sich nicht ohne Aufwendung einiger Kraft trennen; doch ist dieser Zusammenhang weit geringer, als bei den festen Körper; eine kleine Menge von Teilchen eines flüigen Körpers ist schon durch ihr eigenes Gewicht allein vermögend, sich in Gestalt eines Tropfens von dem Ganzen loszureißen. (Gehler, Bd. I, S. 514 ff)
Colcothar (Rückstand)
Der Colcothar ist der Überrest des Eisenvitriols, welcher gebrannt oder nur mit sehr starkem Feuer destillirt worden ist. … (Macquer, Bd. I, S. 563 f)
Combustio (Verbrennung)
Diesen Namen führt die Zerstzung der Körper durchs Feuer, beym Zutritte der reinen oder atmosphärischen Luft. Es ist eine der gemeinsten Erscheinungen, körper, die man an Lichtflammen und Kohlenfreuer bringt, oder sonst hinlänglichen Graden der Hitze aussetzt, an freyer Luft glühen und in eine Flamme ausbrechen zu sehen, wodurch die vorige Zsammensetzung zerstört, ein großer Theil ihrer Substanz in Dämpfen ausgetrieben, und der Rückstand in Asche verwandlet wird. … (Gehler, Bd. IV, S. 438 ff)
Compositio (Zusammensetzung)
Die Verbindung mehrerer Teile zu einem einzigen Ganzen oder Körper. Die die Teile der Körper von doppelter Art, entweder unter sich und im Ganzen gleichartig, oder ungleichartig, sein können, so gibt es auch eine doppelte Art der Zusammensetzung. Werden gleichartige oder mechanische Teile durch bloßes Nebeneinanderlegen und Cohäsion so verbunden, daß das Ganze mit den Teilen selbst einerlei Natur und Beschaffenheit behält, so heißt dies eine Zusammenhäufung (Aggregatio); werden hingegen ungleichartige oder chemische Bestandteile durch wechselseitige Verwandschaft so vereinigt, daß sie einander auflösen, und ein neues Produkt von ganz anderer beschaffenheit erzeugt, so heißt dies eine Mischung (Mixtio). … (Gehler, Bd. IV, S. 926 ff)
Conatus (Versuch)
der Versuch, die Unterstehung, Unterwindung, das Vorhaben, Beginnen, darauf doch kein Effect erfolget, sondern bey dem blossen Beginnen verbleiben ist. Es wird dieses Wort meistentheils in bösen Verstande genommen und gebraucht, wenn jemand eine böse That zu beginnen angefangen, solche aber auszuführen verhindert worden. (Zedler, Bd. VI, Sp. 886)
Condensatio (Verdichtung)
Überhaupt heißt Verdichtung diejenige Veränderung der Körper, woduch ihre Dichte vergrößert wird, oder, was eben so viel ist, wodurch die Teile einander näher gebracht und in einen engeren Raum, als sie vorher einnahmen, zusam­men­ge­drängt werden.
Diese Verdichtung eines Körpers kann durch den Druck äusserer Kräfte geschehen, und führt in diesem Falle den besonderen Namen der Kompression oder Zusammendrückung. …
Eine andere Ursache der Verdichtung ist die Kälte, oder die Entziehung der freien empfindlichen Wärme, deren Mangel alle Körper in einen engeren Raum zusammen bringt. Daß einige flüssige Körper, wenn sie durch Kälte in den festen Zustand übergehen, sich ausdehnen, ist zwar eine Ausnahme von dieser Regel, die aber von fremden Ursachen herrührt. Die Verdichtung der Körper durch Körper, oder überhaupt durch chymischen Mittel, wobei keine äußere mechanische Gewalt mitwirkt, heißt Zusammenziehung (contractio), weil sie als eine Wirkung der KoHäsionskraft der Teile angesehen werden kann.
Insbesondere führt den Namen der Verdichtung oder Kondensation, der Übergang dampfförmiger Substanzen in die Gestalt tropfbarer Flüssigkeiten. … Diese Verdichtung wird durch die Entziehung des Wärmestoffes bewirkt, dessen Verbindung mit den Substanzen die Ursache ihrer Dampfgestalt war. … (Gehler, Bd. IV, S. 449 ff)
Congelatio (Gefrierung)
Der Übergang eines erkaltenden Körpers aus dem flüssigen Zustande in den festen. In dieser weitläufigern aber physikalisch richtigen Bedeutung des Worts gehört das Erhärten geschmolzener Metalle ebenfalls zu den Gefrierungen, und es wird die Gefrierung überhaupt der Schmelzung entgegengesetzt. …
Allem Ansehen nach ist das Feuer oder die Wärme die einzige Ursache der Flüssigkeit. Dem zu Folge wird ein flüssiger Körper gefrieren oder in den festen Zustand übergehen, wenn ihm der zur Bewirkung seiner Flüssigkeit erforderliche Grad der Wärme entzogen wird. … (Gehler, Bd. II, S. 428 ff)
Conserva (Konserve)
Conserv ist eine nicht sehr weiche Composition, welche aus Blättern, Blumen, Früchten und Wurzeln, mit Zucker vermenget, gemacht, zum Gebrauch aufgehoben, und eine Conserv genennet wird, weil die Arzeneyen also verwahret und zu erhalten sind. … (Zedler, Bd. VI, Sp. 1026 f)
Conserva Rosarum (Rosen-Zucker)
Purpurfarbene Rosen, die man Kohl-Rosen nennet, wenn der Himmel helle ist, und sie noch in Knospen sind, also frisch vom Stock gebrochen, so viel beliebig, schneidet das Weisse mit einem Scheerlein davon, leget sie auf ein reines Tuch, und ein Tuch darüber, lasset sie darunter verwelken, alsdenn zerschneidet es klein, und zerstosset es in einem Mörser. Nehmet auf ein Theil solcher Rosen, zwey Theile des besten Zuckers, stosset es wohl unter einander, fasset es in ein Glas, und stellet es wohl vermacht drey Tage an die Sonne, rühret es alle Tage zweymal mit einem hölzernen Spatel um, wollte aber der Zucker hart werden, so setzet es in den Keller, so wird er gelinde. … Sie giebt dem übeldauenden Magen Kraft, benimmt die Schärfe der Gallen, stärcket das Hirn, erquicket das Herz, kühlet die Hitze und Entzündung aller innerlichen Glieder. … (Zedler, Bd. VI, Sp. 1027 f)
Consistentia (Konsistenz)
Der zustand eines Körpers, in welchem seine Teile mit einiger Kraft zusammen hängen, und der Trennung einen merklichen Widerstand entgegensetzen. Es bedeutet also dieses Wort so viel, als Festigkeit, und wird teils der Flüssigkeit, teils dem Zustand der Pulver und Sandhaufen, in welchem die einzelnen Körner nicht zusammenhängen, entgegengesetzt. Man sagt sowohl von flüssigen und weichen Massen, wenn sie fester und härter werden, als auch von Pulvern und Sandmengen, wenn sie sich zu einer einzigen zusammenhängenden Masse verbinden, daß sie mehr Konsistenz bekommen. (Gehler, Bd. I, S. 542)
Corpus (Körper)
Mit diesem allgemeinen Namen belegen wir alle Gegenstände, welche in unsere Sinne fallen, und die wir nach ihren ebenfalls in die Sinne fallenden Erscheinungen betrachten. … Der allgemeine Schein stellt Körper als ausgedehnte, undurchdringlich, teilbare und träge Substanzen dar. (Gehler, Bd. II, S. 778 ff)


Zunächst nur der menschliche und tierische Leib, dann gleichbedeutend mit Ding; in der Geometrie jedes begrenzte dreidimensionale Gebilde. … (Quelle: Wörterbuch der Philosophie, begr. von Friedrich Kirchner und Carl Michaëlis, Hamburg 2013.)
Declinatio acus magneticae (Abweichung der Kompassnadel)
So nennt man denjenigen Winkel, um welchen die Richtung der Magnetnadel von der wahren Mittagslinie abweicht. … (Gehler, Bd. I, S. 16 ff)
Decoctum (Aufguss, Tee)
Ein von unterschiedenen Ingredientien abgekochter Trank, welcher denen Kranken als eine Arzeney auf gewisse Zeit und Maaß verordnet wird. … (Zedler Bd. VII Sp. 341 f)
Deliquium (Zerfließen, Zerfließbarkeit)
Die Chymisten brauchen dieses Wort ziemlich oft einen Körper anzuzeigen, der sich an der Luft in eine Feuchtigkeit aufgelöst hat. In dieser Bedeutung sagt man das Deliquium eines Salzes, z. B. des Weinsteinsalzes, oder jedes andern. Auch braucht man dieses Wort sehr oft so, daß es so viel als Zerfließen oder Zerfließbarkeit anzeigt. In dieser letzern Bedutung sagt man, daß ein Salz per Deliquium flüssig werde, um anzuzeigen, daß es zerfließbar sein. (Macquer, Bd. 2, S. 4.)
Densitas (Dichte, Dichtigkeit)
Man drückt durch dieses Wort die Verteilung der Masse oder Materie eines Körpers durch den Raum, den er uns einzunehmen scheint, aus, so daß man dem Körper eine größere Dichtigkeit zuschreibt, wenn er unter eben dem selben Raumer mehr Materie, eine gringere, wenn er unter eben dem selben Raume weniger Materie enthĠlt. … (Gehler, Bd. I, S. 580 ff)
Destillatio (Destillation)
Eine Operation, bei welcher die flüchtigen Theile der Körper in verschlossenen Gefäßen durch die Hitze in Dämpfe verwandelt, in den viorgelegten kühlen Gefäßen aber wieder verdichtet und aufgesammelt werden. … (Gehler, Bd. I, S. 572 ff)
Detonatio (Verpuffung)
So nennt man in der Chymie die mit einem Gräusch verbundene Entzündung, welche sich ereignet, wenn salpetersaure Salze in der Glühhitze mit brennbaren Körpern in Berührung kommen. … (Gehler, Bd. IV, S. 464 ff)
Digestio (Vermischung)
Die Digestion ist nichts anders als diejenige chymische Operation, durch welche man zween oder mehrerer flüssige Körper, oder einen flüssigen und einen festen Körper mit einander vermischt, eine gewisse Zeit lang in gehöhrigen Gefäßen ruhig hinstellt, damit die Substanzen aufgelöst und verbunden werden können. … (Macquer, Bd. I, S. 608 f)

Dieses Wort hat eine zweyfache Bedeutung: denn erstlich heisset es in der Physioloie die Verdauung der Speisen im Magen, … (Zedler, Bd. VII, S. 900 f)
Dioptrica (Dioptrik)
Diesen Namen führt die Lehre vom Sehen durch gebrochene Lichtstralen, oder von dem Lichte, das durch verschiedene Mittel, z. B. Luft, Glas, Wasser u. dgl. gehe. … Es wird in der Dioptrik zuerst das Gesetz der Stralenbrechung überhaupt erkläret, woraus sich die Wege leicht bestimmen lassen, welche die Lichtstrahlen nehmen, wenn sie in ebenen und krummen Flächen gebrochen werden. … (Zedler, Bd. I, S. 584 f
Divisibilitas (Teilbarkeit)
Das allgemeine Phänomen der Körper, vermöge dessen sich jeder zertrennen, oder in kleinere, übrigens dem Ganzen ähnliche, Körper zerstückenls läßt, wenn eine hinlängliche äussere Kraft dazu angewendet wird.
… Die abstrakte Ausdehnung, oder der geometrische Raum läst sich unstreitig ohne Ende teilen, weil diese Teilung nur idealistisch iat, und im Begriffe vom Raum nichts liegt, was ihrer Fortsetzung jemals Grenzen setzen könnte. Ganz anders aber ist es mit der wirklichen Teilung der Materie beschaffen. Diese muß schon darum Grenzen haben, weil endlich die Teile so fein werden, daß sie allen unseren Sinnen entgehen, und keine weitere Möglichkeit der Behandlung zulassen.
… Die Monadologie hingegen sieht die Materie als bloßes Phänomen an, das aus der Verbindung mehrerer unkörperlicher Dinge entspringe. Nach dieser Vorstellungsart ist die Materie so weit teilbar, bis man auf einzelne Monaden kömmt; wäre nämlich diese Grenze erreicht, so würde das Phänomen der Materie gänzlich verschwinden. … (Gehler, Bd. IV, S. 301 ff)
Durum (Hart)
Hart heißt ein Körper, wenn sich seine Gestalt, d. I. die Lage seiner Teile gegen einander durch keinen Druck oder Stoß ändern läßt. … Wenn man sich Atomen, oder erste unteilbare Elemente der Materie gedenken will, so müssen dieselben unstreitig vollkommen hart angenommen werden. Denn da sie keine weiteren Teile haben sollen, so läßt sich der Begriff von Änderung der Lage der Teile auf sie gar nicht anwenden; sie können daher weder weich noch elastisch gedacht werden. … (Gehler, Bd. II, S. 562 f)
Dynamis (Dynamik)
bei Aristoteles Bezeichnung für das Vermögen eine Veränderung eines Gegenstandes an ihm selbst oder an einem anderen zu bewirken, im Unterschied zur entelecheia, der stoffimmanenten mit ihrer Zielbestimmung, auch unterschieden von der energeia: bei Aristoteles die Wirklichkeit, Wirksamkeit. … (Quelle: Wörterbuch der Philosophie, begr. von Friedrich Kirchner und Carl Michaëlis, Hamburg 2013.)
Dyscrasia (schlechte Mischung)
ein Übel oder böses Temperament, welches in einer ungleichen Vermischung derer Elementen im Blut und anderen Säfften bestehet. … (Zedler, Bd. VII, Sp. 1687)
Ebullire (sieden, kochen)
siehe Ebullitio
Ebullitio (Sieden, Kochen)
Wenn tropfbare flüssige Materie in offnen Gefäßen dem Feuer ausgesetzt werden, so nehmen sie immer mehr empfindlichen Wärme an, bis sie endlich einen bestimmten Grad derselben erhalten haben. Bei diesem Grade geraten sie in heftige Bewegung, wobei von dem Boden des Gefäßes oder von dem Teil, der dem Feuer am näschsten ist, durchsichtige, elastische Blasen in großer Menge aufsteigen, die an der Oberfläche zerplatzen und einen sichtbaren Dampf bilden. Diese Bewegung heißt Sieden oder Kochen. (Gehler, Bd. IV, S. 43 ff)
Efficacia (Intensität, Energie, Wirksamkeit)
Das Vermögen zu wirken, oder die Größe der Kraft, in so fern sie nicht von der Größe des Körpers oder von der Menge seiner Teile abhängt, sondern jedem einzelnen Teile eigen ist. …
Von entgegengesetzten Kräften, welche auf einerlei Masse oder Raum wirken, schwächt eine jede der anderen Intensität. Werden sie von einander getrennt, so kehren ihre Intensitäten unvermindert zurück, und äußern die ihrer Größe gemäßen Wirkungen. (Gehler, Bd. II, S. 691 f)
Elaeo saccharum (öliger Zucker)
sind destillirte und mit genug Zucker vermischte Öle, daß sie also unter einer festen Form können dispensiret werden. … (Zedler, Bd. VIII, Sp. 662 f)
Elasticum (Elastisch)
So heißt ein Körper, der in eine andere Gestalt gebracht, oder in einen engeren Raum zusammengedrückt, seine vorige Gestalt oder seinen vorigen Raum wieder einnimmt, wenn die Kraft, welche die Veränderung bewirkte, nachläßt.
Es sind alle bekannten Körper elastisch; man pflegt aber insgemein nur diejenigen so zu nennen, welche es in sehr merklichen Graden sind. (Gehler, Bd. I, S. 719)
Elasticitas, Elater (Elastizität)
Die Eigenschaft der Körper, sich, wenn man sie in eine andere Gestalt gebracht, oder in einen engen Raum zusam­men­ge­drückt hat, sich selbst wieder in die vorige Gestalt oder in den vorigen Raum zu begeben, wenn das, was auf sie wirkt, nachläßt. … (Gehler, Bd. I, S. 695 ff)
Electricitas (Elektrizität)
Derjenige Zustand eines Körpers, in welchem er leichte Körper, die ihm genähert werden, anzieht, und darauf wieder zurückstößt, gegen gewisse ihm genäherte Körper, z. B. den Finger, einen leuchtenden und stechenden Funken mit einem knisternden Schalle gibt, einen Phosphorgeruch verbreitet, und noch andere bald umständlicher anzuführende Wirkung äußert, auch andere Körper, die mit ihm verbunden werden, in den Stand setzt, eben diese Wirkung hervorzubringen. (Gehler, Bd. I, S. 719 ff)
Elementa (Elemente, Urstoff)
Den Namen der Elemente führen diejenigen Stoffe, die so einfach sind, daß alle Bemühungen der Kunst nicht zureichen, sie zu zersetzen oder zu verändern, die aber als Grundsubstanzen oder chymische Bestandteile zu den Verbindungen anderer Körper kommen. (Gehler, Bd. I, S. 832 ff)
Elementa corporum individua (Atome)
So werden von einigen Naturforschern die ersten nicht weiter teilbaren aber immer noch körperlichen Bestandteile der Materie genannt. … Diese kleinsten teilchen können sich durch eine sehr starke Anziehung mit einander verbinden, und größere Teile ausmachen, welche einander weniger anziehen; diese können wiederum durch ihren Zusammenhang noch größere Teile bilden, deren Anziehung noch schwächer ist, bis endlich die gröberen in unsere Sinne fallenden Teile entstehen, von welchen die Farben der Körper und die chymischen Operationen abhängen, und welche durch ihren Zusammenhanh der Körper von merkliche Größe ausmachen. Dieses Sytem, welches die Eigenschaften der Körper aus der Zusammenordnung der ersten Teilchen zu erklären sucht, wird mit dem Namen der Philosophia corpuscularis sive Physica corpuscularis bezeichnet. …
Diejenigen, welche den ersten Teilen der Materie die Ausdehnung absprechenm machen sich freilich hievon, so wie von der Materie überhaupt, andere Begriffe. Untersuchungen hierüber gehören mehr für den Metaphysiker, als für den Naturforscher, und gehen alle, Vermutungen nach weiter, als der Schöpfer dem Menschen hier zu sehen vergönnt hat; man täuscht sich dabei mit dem Wahn, etwas zu wissen, welchem der weisere und bescheidnere Naturforscher ein offenherziges Geständnis der Unwissenheit weit vorzieht. (Gehler, Bd. I, S. 163 ff)
Elixir Proprietatis (Elixir)
Elixir ist eine aus vielen einfachen Sachen mit einem tüchtigen Menstruo [Lösungsmittel] aufgelösete, flüssende und an Farbe dunklere Arzeney. Solche Elixire giebt es in denen Apothecken verschiedene Arten. … (Zedler, Bd. ViiI, S. 867 ff)
Emanationes, Effluvia (Ausflüsse)
Wenn sich Teile, die vorher zu einem Körper gehörten, von demselben trennen, und in flüssiger oder wenigstens sehr verfeinerter Gestalt durch das umgebende Mittel verbreiten, so nennt man sowohl diese Begebenheit, als auch dasjenige selbst, was aus dem Körper herausgeht, einen Ausfluß. Die Trennung der Ausflüsse von dem Körper kann auf mehrere Arten, z. B. durch innere Bewegung seiner teile, durch Auflösung etc. bewirkt werden. …
Man hat auch die elektrischen und magnetischen Erscheinungen durch Ausflüsse aus den Körpern zu erklären gesucht. … Nennt man aber Ausfluß alles ohne Unterschied, was aus den Zwischenräumen eines Körpers kommt, so kann man es allenfalls zulassen, die Materien, welche bei den elektrischhen und magnetischen Erscheinungen aus den Körpern ausströmen, Ausflüsse zu nennen, wie z. B. [Pieter van] Musschenbroek und [Jean-Antoine] Nollet tun, ob es gleich nicht dem neueren Sprachgebrauche gemäß ist. Da Newton das Licht für einen solchen Ausfluß aus dem leuchtenden Körper angenommen hat, so wird seine Theorie des Lichts insgemein das Emanation- oder Emissionssystem genannt. (Gehler, Bd. I, S. 215 ff)
Ens (das Seiende)
in der scholastischen Philosophie das Seiende, auch das Sein, das Wesen. = alles was ohne Widerspruch Gegenstand des Bewußtseins werden kann. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Evaporatio (Verrauchung)
… Ein Körper kann aus dem flüssigen Zustand in den elastischen übergehen
  1. durch die Wirkung des Wärmestoffes. Dieser Übergang heißt Verdampfung.
  2. durch eine hinlängliche Abnahme des äussern Drucks. So verdampft das kalte Wasser unter der Glocke der Luftpumpe, und entzieht dabei den benachbarten Körpern ihren Wärmestoff.
  3. durch die Wirkung einer schon vorher vorhandenen elastischen Flüssigkeit. Auch hier wird der Wärmestoff den benachbarten Körpern entzogen. So lösen sich Wasser, Alkohol, riechende Öle u. dergl. in der Atmosphäre, vermehren den Umfang derselben, und erkälten sie. Diese Art von Lösung heißt Verrauchung (evaporatio).
… (Gehler, Bd. V, S. 96)
Exhalatio (Ausdünstung)
So nennet man die Auflösung flüssiger Materien und besonders des Wassers in der Luft, durch welche der Luftkreis unaufhörlich mit Dünsten, d. i. mit aufgelösten Teilen der Körper und mit Feuchtigkeit erfüllt wird. … (Gehler, Bd. I, S. 204 ff)
Exhalationes (Ausflüsse)
Wenn sich Teile, die vorher zu einem Körper gehörten, von demselben trennen, und in flüssiger oder wenigstens sehr verfeinerter Gestalt durch das ihn umgebende Mittel verbreiten, so nennt man sowohl diese Begebenheit, als auch dasjenige selbst, was aus dem Körper herausgeht, einen Ausfluß. … (Gehler, Bd. I, S. 215 ff)
Expansio (Ausdehnung)
Die Verbreitung eines Körpers durch einen größeren Raum, als er vorher einnahm. oder die Vergößerung seines Volumens. Da hierbei vorausgesetzt wird, daß der Körper derselbe bleibe, oder die Menge seiner Materie nicht verändert werde, so erfordert die Ausdehnung, daß sich seine Teilchen weiter von einander entfernen, und größere Zwischenräume zwischen ihnen leer lassen müssen; d. I. daß der Körper dünner werde, daher die Ausdehnung in dieser Rücksicht auch Verdünnung heißt. … (Gehler, Bd. I, S. 204 ff)
Experientia (Erfahrung)
Erfahrungen heißen die vermittelst unserer Sinne an den Körpern gemachten Wahrnehmungen. Sie sind entweder Beobachtungen, wobei die Körper nur blos in dem Zustande betrachtet werden, in welchem Sie von selbst und ohne unser Zutun befinden, oder Versuche, wobei sie mit Vorsatz in einen anderen Zustand versetzt werden, damit man sehe, wie sie sich dabei verhalten. … (Gehler, Bd. II, S. 82 ff)
Experimentum (Versuch)
Erfahrungen, welche wir vermittelst unserer Sinne an den Körpern anstellen, heissen Versuche, wenn dabei die Körper nicht bloß in dem Zustande lassen, in welchem sie sich von Natur und ohne unser Zutun befinden, wenn wir sie vielmehr mit Vorsatz in einen anderen Zustand versetzen, um zu sehen, wie sie sich dabei verhalten werden. … (Gehler, Bd. IV, S. 469 ff)
Explosio (Explosion)
eine plötzliche und gewaltsame Ausdehnung einer elastischen flüssigen Materie, welche nach allen Richtungen wirkt, die Hinderniße, die sie einschließen, an den schwächsten Orten durchbricht, und gemeiniglich mit einem Knalle begleitet ist. … (Gehler, Bd. II, S. 112 f)
Extractum (Extrakt, Essenz)
ist ein bey den Medicis und Apotheckern nichts anders als eine Essentz, so in eine stärkere und dickere Consistenz gebracht worden, und von einer eigentlichen Essentz in nichts weiter unterschieden, als daß jenes stark und gantz, diese aber dünn und flüssend sey. (Zedler, Bd. VIII, Sp. 2361 ff)
Extractum Opii (Opium-Extrakt)
(Zedler, Bd. VIII, Sp. 2390 ff)
Fermentatio (Gährung)
Eine innere Bewegung in welche die vegetabilischen und thierischen Substanzen an der Luft bei einer gelinden Wärme und Näße gerathe, und durch welche ihre chymischen Bestandtheile in neue Verbindungen gesetzt werden. … Bey allen Gährungen entwickelt sich die sogenannte fixe Luft oder Luftsäure. … Man unterscheidet drey Arten oder vielmehr Stufen diese Veränderung, die Weingährung, Essiggährung und Fäulniß. … (Gehler, Bd. II, S. 342 ff)
Fixum (feuerbeständig)
So wird ein körper genannt, wenn er durch das Feuer nicht in Dämpfe verwandelt werden kann. Dem feuerbeständigen wird das flüchtige entgegengesetzt. … (Gehler, Bd. II, S. 232 f)
Flamma (Flamme)
Ein leuchtender und einen hohen Grad der Wärme mitteilednder Ausfluß aus den brennenden Körpern, der in der atmosphärischen Luft, die ih umgibt, in die Höhe steigt. … (Gehler, Bd. II, S. 274 ff)
Flores aeris (Kupferstaub)
werden gemacht, wenn man reines Wasser über Glocken-Speise giesset, und eiserne Bleche in die Röhren, dadurch es fliesset, leget, so gerinnen von dem Rauch kleine röthliche Körnlein, so Aeris Flores genennet werden. (Zedler, Bd. IX, Sp. 1207)
Flores chymici (Blüte, chemische)
Sind in der Chymie die subtilsten Theile derer Körper, so durch Sublimation von denen gröbern Theilen in der trockenen Form ausgeschieden werden, und in der Höhe des Sublimir-Gefässes behangen blieben. (Zedler, Bd. IV, Sp. 197)
Flores Salis Ammoniaci (Flüßigkeit)
sind entweder simplices oder compositi. Wenn man die Flores simplices verlanget, so löse man das Sal ammoniacum in einer zulänglichen Quantität warmen Wassers auf, und filtrire es; hernach setze man es an einen kalten Ort, und trockne die Flores, die im Wasser angeschossen, aus; den zurückgebliebenen Liquorem aber concentrire man, um noch ferner Blumen zu sammlen, durch die Ausdunstung. Ausser ihrer Schweiß-treibenden Kraft leisten sie auch in Fiebern und in Malo hypochondriaco grosse Dienste. … (Zedler, Bd. IX, Sp. 1306)
Fluiditas (Flüßigkeit)
Der Zustand des flüßigen Körpers (s. Fluidum). Sehr oft wird auch unter dem Worte: Flüßigkeit der flüßige Körper selbst, das Fluidum verstanden. So sagt man: elastische Flüßigkeiten, tropfbare Flüßigkeiten. (Gehler, Bd. II, S. 324 ff)
Fluidum (Flüßig)
Flüßig heißt ein Körper, wenn seine Teile so wenig Zusammenhang haben, daß sie der Trennung nur geringen kaum merklichen Widerstand tun, dennoch aber genug Anziehung gegen einander äussern, um den Sinnen einen einzugen ohne Unterbrechung zusammenhängenden Körper darzustellen. Ihnen werden die festen Körper entgegengesetzt. … Die flüßigen Körper nehmen die Gestalt der Gefäße an, in die sie eingeschlossen werden, und lassen keinen Raum darin leer, in den ihnen ein Weg offen steht. Dies ist eine natürliche Folge der respektiven Beweglichkeit ihrer Teile, die ihnen erlaubt, den Gesetzen der Schwere oder Elastizität einzeln und ohne Beitritt des Ganzen zu folgen. (Gehler, Bd. II, S. 321 ff)
Fluidum elasticum (permanent elastisches Fluidum)
  1. Gas
  2. Aer
  3. Aura
  4. Aeris genus
  5. Fluidum aeriforme
Unter diesen Benennungenn versthe ich hier mit Herrn Lichtenberg jede völlig unsichtbare elastische flüssige Materie, welche durch Wärme beträchtlich ausgedehnt, und durch die Kälte zusammen gezogen wird, ohne jedoch durch letztere jemals zu einem festen, oder zu einem tropfbaren flüssigen Körper verdichtet werden; die endlich in gläserne Gefäße eingeschlossen werden kann, ohne in denselben ihre Eigenschaften zu verändern. Durch ihre Unsichtbarkeit und starke Elastizität unterscheiden sich die Gasarten von den trpfbaren Flüssigkeiten; durch die Unmöglichkeit einer verdichtung mittels der Kämpfen und Dünsten, welche die Kälte in fester oder tropfbarer Gestalt niederschlägt, durch die Möglichkeit der Einsperrung endlich von Materien, die der Feuerstoff, das Licht, die elektrische, magnetische u. s. w., die sich nicht in Gefäße einschließen lassen. … (Gehler, Bd. II, S. 346 ff)
Formula (Rezept)
Eine Formel oder Recept, ist, wenn die vom Medico verordneten, und auf einem Zeddel geschriebenen Arzeneyen vom Apotheker verfertigt werde. Man hält sonsten im Foro medico vor ein Requisitum necessarium, daß ein Medicus gewisse Formulas verschreiben könne; fehlet ihm dieses, so meynet man, es fehle ihm ein essentielles Stück seiner Kunst. … (Zedler, Bd. IX, Sp. 1500)
Frigus (Kälte)
Kälte nennen wir einen gringen Grad der freien oder fühlbaren Wärme, oder auch die Empfindung, welche in uns entsteht, wenn wir Körper berühren, die weniger solche Wärme enthalten, als unser eigener Körper, und die daher dem letzteren etwas von seiner Wärme entziehen. Es ergibt sich hieraus, daß der Begriff Kälte bloß relativ sei, und daß wir einen Körper nur in Vergleichung mit anderen wärmeren kalt nennen. …
Da wir die Ursachen der Wärme in einer eigenen Materie suchen, so ist es sehr natürlich, die Kälte für eine Wirkung des Mangels und der Entziehung dieser Materie oder der vorher wirksamen fühlbaren Wärme zu erklären. Hieraus lassen sich auch alle Erscheinungen begreiflich machen, ohne daß man es nötig hat, mit der Schule des Gassendi die Kälte als etwas positives anzunehmen, und von einer eigenen kaltmachenden Materie herzuleiten, von deren Dasein wir keine Erfahrung haben. … (Gehler, Bd. II, S. 702 ff)
Pierre Gassendi, franz. Theologe, Philosoph und Natuerwissenschaftler, * 1592 † 1655. Kritiker des Aristoteles und des Descartres, Biograf von Tycho Brahe.
Fuligo (Ruß)
So nennet man diejenigen Theile entzündlicher Körper, welche bey der Verbrennung in der Flamme mit aufsteigen, aber aus Mangel an reiner Luft oder aus anderen Ursachen der vollkommenen Verbrennung entgehen, den Rauch bilden, und sich an die erste kalte Fläche, die sie antreffen, als eine schwarze oder braune Masse anlegen. …
Manche Arten des Rußes geben auch Säuren, und zuletzt bey Starkem Feuer etwas Salmiak, wie in Holland der Torfruß, und in Egypten der Ruß von verbt´ranntem Miste der Hausthiere, welche kochsalzhaltige Kräuter fressen. …
Man gebraucht den Ruß zur Bereitung des Salmiaks und zum Färben, … (Gehler, Bd. II, S. 739 ff)
Fumus (Rauch)
Dasjenige, was aus brennenden oder sehr erhitzten Körpern in sichtbarer Gestalt entweicht, und in der atmosphärischen Luft in die Höhe steigt, ohne doch zu glühen oder zu brennen. … (Gehler, Bd. III, S. 634 ff)
Genus (Gattung)
… Die Absicht dieser Wissenschaften ist nicht auf Erklärungen aus den Ursachen, sondern bloß auf historische Kenntniß der besonderen Körper gerichtet. Einen Körper kennt man, wenn man ihn durch seine wesentlichen Kennzeichen von allen anderen unterscheiden kann, und seine Entstehung, Eigenschaften, Dauer und Verbindungen mit anderen Körpern weiß. Daher ist es das Hauptgeschäft der Naturgeschichte, die unterscheidenden Kennzeichen der Körper anzugeben, die Körper selbst nach diesen Kennzeichen bequem zu ordnen, zu benennen, und hiermit nützliche Nachrichten von ihren Eigenschaften und Verhältnissen zu verbinden.
In dieser Absicht werden alle die einzelnen Körper, oder Individuen, welche unterscheidende Kennzeichen, die die Wissenscahft angeben kann, mit einander gemein haben, zu einer Art (species) gerechnet. Die in gewissen Haupteigenschfaten übereinstimmenden Arten machen ein Geschlecht oder eine Gattung (genus), und mehrere ähnliche Gattungen eine Klasse aus. … (Gehler, Bd. III, S. 315 ff)
Glacies (Eis)
Ein fester Körper, in den sich das Wasser vewandelt, wenn man es einem bestimmten Grade der Kälte ausgesetzt wird; ein gefrorenes Wasser. Zwar gehen die meisten flüssigen Materien bei einem bestimmten Grade der Temperatur in einen festen Zustand über, in welchem man sie Eis nennen könnte; es wird aber doch der Name Eis eigentlich nur von demjenigen festen Körper gebraucht, in den sich das Wasser verwandelt. … (Gehler, Bd. I, S. 671 ff)
Gradus (Grade)
Wenn man ein Ganzes in eine bestimmte Anzahl gleicher Teile theilt, so heißt in vielen Fällen jeder solcher Teil ein Grad.
… Man pflegt auch Werkzeuge, die zu physikalischen Abmessungen dienen, z. B. Thermometer, Hygrometer, Aräometer udgl. mit Maßstäben oder Skalen zu versehen, deren Teile Grade genannt werden. …
Man nennt alsdann den Grad der Wärme, oder der Temperatur diejenige fühlbare Wärme, bei welcher das Thermometer den genannten Grad anzeigt. (Gehler, Bd. II, S. 514 ff)
Gradus caloris (Grade der Wärme)
… versteht man unter Graden der Wärme, Grade dieser wärmeäußernden Kraft, so gibt Amontons Luftthermometer ein wahres Maß derselben, indem sich die Kraft der Wärme bei gleicher Dichte der Luft, wie das aufliegende Gewicht, verhält; mithin bei gleichem Druck die wirkliche Ausdehnung der Luft dieser Kraft proportional ist. … (Gehler, Bd. IV, S. 540 ff)
Gravitas (Schwere der Erdkörper)
Diesen Namen führt das Bestreben aller Körper auf der Oberfläche der Erde, nach Richtungen zu fallen, welche mit der ebenen Oberfläche des stillstehenden Wassers rechte Winkel machen. Es ist eine allgemeine Erfahrung, daß überall auf der Erdfläche freigelassene Körper zu Boden fallen, unterstützte auf ihre Unterlage drücken, und aufgehangene die Fäden, von denen sie getragen werden, ausspannen. … (Gehler, Bd. III, S. 886 ff)
Gravitatio (Schwerkraft, allgemeine Schwere)
Das Phänomen der Körperwelt, da entfernte Körper sich einander nähern, oder zu nähern streben, ohne daß man eine äussere Ursache davon gewahr wird — die Attraction entfernter Körper. …
Man hat also Ursache genug, dieses wechselseitige Bestreben nach Annäherung für ein allgemeines Phänomen der Körperwelt zu erklären. … (Gehler, Bd. II, S. 517 ff)
Haematites (Blutstein, Hämatit, Fe2O3)
Ein harter, dichter und schwerer Stei, der etwas von des Eisens Natur an sich hat, aus lauter Nadeln und langen Streiffe, zusammen gesetzt ist, und gemeiniglich eine braun-rötlicher Farbe hat, welche, je härter man den Stein reibet, immer röther und röther, ja endlich wie Blut wird.…
In der Arzeney-Kunst haben Blut-Steine eine anhaltende und stopfende Krafft, absonderlich in denen Blutstürtzungen und Blut-Flüssen, sowohl innerlich, wenn man solche zu einem zarten Pulver stösset und mit Muscaten-Ölen eingiebt; als ässerlich wenn man solches in die Wunden streuet. … (Zedler, Bd. IV, Sp. 269 f)
Historia naturalis (Naturgeschichte)
Diesen Namen führt diejenige Wissenschaft, welche uns die natürlichen Körper suf unserer Erde in angemessener Ordnung kennen lehrt, die historische Kenntniß der sinnlichen Gegenstände auf der Erde. Mann könnte ihr ganz schicklich den Namen Naturbeschreibung beilegen. … So wäre Naturgeschichte im weitläufigsten Sinne Erzählung dessen, was in der Natur vorhanden ist, oder jemals vorhanden war, Aufzählung und Beschreibung aller natürlichen Körper und ihrer Phänomene. … Sie würde den größten Teil unserer jetzigen Naturlehre oder Physik selbst in sich begreifen. … (Gehler, Bd. III, S. 312 ff)
Humidum (Feuchte)
… Insbesondere aber nennt man diejenigen Körper feucht, welche geneigt sind, das Wasser oder überhaupt das Flüssige, das sie enthalten, den sie berührenden Körpern mittzutheilen. … (Gehler, Bd. II, S. 206)
Humor (Feuchtigkeit)
Dieses Wort wird in verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Man nimmt es bald für den Zustand des feuchten Körpers, bald für das in ihm enthaltene Wasser selbst. So sagt man, bei großer Feuchtigkeit der Luft werde der Erfolg der elektrischen Versuche gehindert, wobi durch Feuchtigkeit der Zustand der feuchten Luft selbst verstanden Wird; man sagt aber auch, die Luft enthalte viel Feuchtigkeit, d. I. viel wässrige Teile. De Luc braucht, um das letztere auszudrücken, das Wort Humor für alle in der Luft enthaltene wässrige Teile. … (Gehler, Bd. II, S. 206 ff)
Hydrargyrus, Mercurius (Quecksilber)
Ein im Feuer nicht beständiges, bei der gewöhnlichen Temperatur der Atmosphäre schon flüssiges Metall, von einer sehr glänzenden Silberfarbe. … Das Quecksilber ist unter allen Metallen nächst der Platina und dem Golde das schwerste. … (Gehler, Bd. III, S. 594 ff)
Hydraulica (Hydraulik)
Die Lehre von den Bewegungen flüßiger Materien, und insbesondere des Wassers. … (Gehler, Bd. II, S. 654 ff)
Hypothesis (angenommener Satz, Voraussetzung)
Die wahren Ursachen der natürlichen Wirkungen und Erscheinungen sind oft sehr verborgen, und lassen sich nicht mit entschiedener Gewißheit angeben. In solchen Fällen nimmt man bei Erklärung der Phänomene seine Zuflucht zu selbst erdachten Vorstellungsarten; man nimmt an, die zu erklärende Naturbegebenheit geschehe aus dieser oder jener Ursachen, auf diese oder jene Weise. Solche blos angenommenen Ursachen und Vorstellungsarten führen den Namen Hypothesen. (Gehler, Bd. II, S. 675 ff)
Ignis (Feuer, Wärmestoff)
… Da doch die meisten Naturforscher diese Ursache ganz oder zum Theil von einer eignen Substanz herleiten, welche durch die ganze Körperwelt verbreitet sein, und eine she starke Wirkung auf andere Substanzen äußern soll, so habe ich kein Bedenken getragen, die Namen "Feuerwesen, Elementarfeuer" etc. welche sie dieser Substanz beilegen, selbst anzuführen. (Gehler, Bd. II, S. 207 ff) [weiterlesen]
Impenetrabilitas (Undurchdringlichkeit)
Das allgemeine Phänomen der Kärper, nach welchem sie den Raum erfüllen, d. i. verhindern, daß da, wo ein gewisser Körper ist, nicht zu gleicher Zeit noch ein anderer sein kann. Jeder Körper erfordert zu seinem Dasein einen Raum, den er dergestalt ausschließlich einnimmt, daß kein anderer Körper in denselben Raum dringen kann, ohne jenen Körper daraus vertrieben zu haben. Diese Wahrnehmung ist das, was wir mit dem Namen Undurchdringlichkeit bezeichnen, und notwendign mit unserem Begriffe vom Körper überhaupt verbinden. Daher rechnen die Physiker die Undurchdringlichkeit zu den wesentlichen Eigenschaften dessen, was körperlich ist, und erfordern zum Begriffe von köprperlichem Stoffe, oder von der Materie, nebst der Ausdehnung auch noch die Undurchdringlichkeit. … (Gehler, Bd. IV, S. 411 ff)
Impulsus (Stoß der Körper)
Wenn ein Körper seine Bewegung nicht fortsetzen kann, ohne einen andern vor sich aus der Stelle zu treiben, so sagt man, er stoße den letzteren (percutere corpus, impingere in corpus). Dadurch wird der Zustand beider, in Absicht auf Ruhe und Bewegung, geändert. Es scheint gleichsam ein Theil der Bewegung des einen in den andern überzugehen; man nennt daher, was hier vorgeht, auch Mittheilung der Bewegung (Communicatio motus). … (Gehler, Bd. IV, S. 213 ff)
Inclinatio acus magneticae (Neigung der Magnetnadel)
So nennt man den Winkel, um welchen die Richtung einer freyschwebenden und im Gleichgewicht stehenden Magnetnadel gegen die Horizontalfläche geneigt ist. … (Gehler, Bd. III, S. 345 ff)
Inertia (Trägheit)
Man bemerkt allemal, wenn ein ruhender Körper in Bewegung gesetzt, oder wenn die Richtung und Geschwindigkeit eines bewegten Körpers geändert werden soll, daß zu dieser Änderung so etwas erfordert wird, dergleichen man Kraft nennt, d. i. eine Ursache, welche Bewegung hervorzubringen oder zu ändern strebt. … (Gehler, Bd. IV, S. 389 ff)
Infusio (Eingüssung)
geschiehet, wenn ein Naß oder eine Feuchte aus einem Gefäß in das andere gegossen wird. (Zedler, Bd. VIII, Sp. 552)
Interstitia corporum, Intervalla (Zwischenräume der Körper, Poren)
Die Räume, welche innerhalb der Grenzen eines Körpers von der ihm eigenen undurchdringlichen Materie nicht ausgefüllt werden, sondern zwischen den materiellen Teilen leer bleiben. Dergleichen sind z. B. die Löcher eines Schwammes, und die unzählbaren Öffnungen, mit welchen man dünne Querschnitte von Hölzern jeder Art durchbort findet, wenn man dieselben durchs Mikroskop betrachtet. Diese Zwischenräume dienen entweder fremden zum Körper selbst nicht gehörigen Materien, z. B. der Luft, oder noch feineren Stoffen, zum Aufenthalte, oder sie sind von aller Materie leer. … (Gehler, Bd. IV, S. 939 ff)
Jalappa (schwarzer Rhabarbara)
ist eine länglichte, dicke und harzige Wurzel, welche in runden Scheiben geschnitten zu uns gebracht wird: Der Mechoacanna ist nicht sehr ungleich, doch schwärzer und schwerer, hat einen scharffen und widrigen Geschmack, daher sie auch von einigen Schmäcke nicht genannte werden: Sie wird aus West-Indien … in Europa geführet und sehr fleißig zur Arzney gebraucht. … (Zedler, Bd. XIV, Sp. 275 ff)
Julapium (Julep)
wird ordentlich aus destillirtem Wasser und einem Syrup bereitet, und zum kühlen in hitzigen Fiebern gebrauchet; es werden denn auch Säfte, Tincturen und saure Spiritus dazu genommen. … (Zedler, Bd. XIV, Sp. 1547 f)
Keilius (Keill)
John Keill, ein Schüler Newtons (Introductio ad veram physicam, London 1700) hat für die Anziehung beim Berühren und in geringen Entfernungen einige Regeln angegeben, und daraus Cohäsion, Flüssigkeit, Elastizität, Aufbrausen, Niederschlag u. dgl. zu erklären versucht. (Gehler, Bd. I, S. 173 ff)
Lapis philosophorum (Stein der Weisen)
Diesen Namen geben die Alchymisten einer Materie, welche alle Metalle in Gold umwandelen und zugleich ein allgemeines Arzeneymitte gegen alle Krankheiten abgeben soll. Nur die ausschweifendste Phantasie hat so heterogene Begriffe, als die des Goldmachens und der Universalmedizin sind, in dem Ziele ihrer Bestrebungen vereinigen können. Der Umstand, daß beyde schlechterdings nichts, als das Gewinnbringen, gemein haben, entdeckt sehr deutlich den Grund dieser sonst unbegreiflichen Schwärmerey - so traurig auch diese Bemerkung für die Ehre der Menschheit ist. … (Gehler, Bd. IV, S. 186 ff)
Leges naturae (Naturgesetze)
Mit diesem Namen belegt man gewisse aus den Beobachtungen der Natur gezogene allgemeine Regeln, nach welchen sich diese oder jene Wirkungen und Veränderungen in der Körperwelt zutragen. Wir finden durchgängig, daß die Körper unter denselben Umständen auch eben dieselben Wirkungen hervorbringen und eben dieselben Veränderungen leiden. Haben wir nun etwas dieser Art durch alle angestellten Erfahrungen in allen bisher beobachteten Fällen wahrgenommen, so schließen wir durch Induction, es erfolge unter gleichen Umständen ebendasselbe auch in den nicht beobachteten Fällen, und werde in allen künftigen Fällen wieder erfolgen. Ein solcher Satz gibt also eine Regel ab, aus welcher sich beobachtete Phänomene erklären, und zukünfige vorhersagen lassen. Er enthält eine Bestimmung eines beständigen Erfolgs, der unter gleichen Umständen immer der nämliche ist. Alle solche beständige Erfahrungen könnten schon Naturgesetze heissen: gemeiniglich aber haben mehrere derselben noch etwas gemein, und es lassen sich aus ihnen noch allgemeinere Erfahrungssätze abstrahieren, die eine noch größere Menge beständiger Erfahrungen unter sich begreifen. Die einfachsten und allgemeinsten dieser Sätze heissen nun vorzugsweise Naturgesetze, besonders, wenn sie genaue mathematische Bestimmungen über die Größe der Wirkung mit sich führen. … (Gehler, Bd. III, S. 322 ff)
Levitas (Leichtigkeit)
Geringe Größe des absoluten Gewichts, also ebenfalls nur Ausdruck eines relativen Begriffs. Absolute Leichtigkeit, d. i. gänzlciher Mangel oder gar negative Größe des Gewichts läst sich bey keinem bekannten Körper durch Erfahrung darthun. Relative Leichtigkeit ist geringere Größe des Gewichts, specifische Leichtigkeit ist geringere Größ e desselben bey gleichem Volumen mit andern Körpern. … (Gehler, Bd. II, S. 872)
Liquor alkahest (hypothet. Lösungsmittel)
Dieß ist der Name, welchen die alten Chymisten einem vermeintlichen allgemeinen Auflösungsmittel gaben. Ein solches Auflösungsmittel ist nicht vorhanden, oder vielmehr, es giebt in der Natur keinen Körper, der nicht zu einem Alkahest werden könnte. … (Macquer, Bd. I, S. 118)
Paracelsus ist der erste gewesen, der eines solchen allgemeinen Menstrui, welches er Alkahest nennet, gedencket. … welches 1.) alle Cörper aus denen dreyen Reichen der Natur ohne Unterschied auflöse; 2.) Die aufgelösten Cörper in ein Saltz, das seine eigenthühmliche und besondere Saamens-Krafft besitze, und 3.) in ihre Elemente, daraus sie bestehen, endlich verwandele, … (Zedler, Bd. XVII, Sp. 1589 f)
Logistica (Rechenkunst)
Im Altertum und Mittelalter das praktische Rechnen mit Zahlen. Der Mathematiker Vieta führte 1591 den Ausdruck logistica numerorum dafür ein und logistica speciosa für die von ihm erfundene vereinfachte Symbolik der Algebra ein. … (Wörterbuch der philosophischen Begriffe)
Lux, Lumen (Licht)
Das, was die Körper sichtbar macht. Es ist sehr natürlich, daß bei der Erleuchtung und bei dem Sehen, irgendetwas von dem leuchtenden Körper bis zum erleuchteten, und von dem Gesehenen bis zum Auge, fortgehen muß, es mag nun dieses eine eigene Materie, oder bloß die Bewegung eines Zwischenmittels sein. … Dieses Etwas, es bestehe worin es wolle, nennen wir Licht, und so bedeutet dieses Wort die unbekannte Ursache der Erleuchtung und des Sehens. …
Man sieht einen Körper nicht mehr, wenn in der geraden Linie zwischen ihm und dem Auge ein undurchsitiger Körper steht. Auch erleuchtet der leuchtende Körper den dunklen nicht mehr, wenn sich in gerader Linie zwischen beiden ein undurchsichtiger Körper befindet. Dies zeigt, daß sich das Licht, was es auch sein mag, in geraden Linien fortpflanzt. … Diese geraden Linien, nach welchen sich das Licht fortpflanzt, heißen Lichtstrahlen (radii lucis).
Hypothesen über die Natur des Lichts. Die Meinungen der alten Weltweisen über das Licht sind von Herrn Klügel aus den Quellen gesammelt. Plutarch führt einige derselben an. … Euler nimmt eine höchst feine, flüssige und elastische Materie durch den ganzen Weltraum verbreitet, an, der er mit Huygens den Namen Äther gibt. Dieser Äther wird durch das Zittern der leuchtenden Körper eben so bewegt, wie die Luft durch die Schwingungen der schallenden. … (Gehler, Bd. II, S. 882 ff)
Lydius lapis (Probierstein)
Eine Gattung schwarzen Marmels, welche sich sehr wohl poliren läßt. … vornehmlich brauchen ihn die Probirer, Gold und Silber darauf zu streichen, und durch den Gegen-Strich von der Probir-Nadel zu erfahren, wie hoch sie halten. … (Zedler, Bd. XVIII, Sp. 1483 f)
Machinae (Maschinen)
Veranstaltungen, wodurch man Bewegungen mit Vortheil hervorbringt. Der Vortheil liegt entweder in der Größe der Kraft, oder in der Geschwindigkeit der Bewegung, d. i. man braucht die Maschine, um eben dieselbe Bewegung mit geringerer Kraft, oder durch langsamere Bewegung hervorzubringen, als sonst möglich wäre. … (Gehler, Bd. III, S. 141 ff)
Magnes (Magnet)
Diesen Namen führt ein Eisenerz, meistens von einer schwärzlichen oder schwarzbraunen Farbe, welches Eisen und eisenhaltige Körper anzieht, oft mit ziemlicher Kraft an sich hält, sich, wenn es frei schwebt, mit gewissen Punkten alleziet nach einer Weltgegend kehrt, und überhaupt die im folgenden näher zu bestimmenden Erscheinungen zeigt, welche unter dem Namen der magnetischen oder des Magnetismus begriffen werden. … (Gehler, Bd. III, S. 92 ff)
Magnetismus (Magnetismus)
Der Inbegriff der magnetischen Erscheinungen, oder auch der Zustand eines Körpers, in welchem er diese Erscheinung zeigt. so viel man aus den bisherigen Erfahrungen folgern kan, scheinen blos der Magnet und das Eisen eines solchen Zustandes fähig zu seyn, und wenn andere Körper magnetische Erscheinungen zeigen, so geschieht dies blos, in so fern sie Eisen im metallischen Zustande bey sich führen. … (Gehler, Bd. III, S. 127 ff)
Mars, Ferrum (Eisen)
Das Eisen ist ein Metall von einer weißen, bläulichten, dunkeln Farbe, die in Graue fällt. … (Macquer, Bd. I, S. 630 ff, Macquer, Bd. I, S. 685 ff)
Massa (Masse)
Unter Masse eines Körpers versteht man die Menge seiner undurchdringlichen Materie. Zwar sind unsere Begriffe von der Materie selbst dunkel, und die Weltweisen machen sich davon sehr verschiedene Vorstellungen, unter welchen jedoch das atomistische System mit dem allgemeinen sinnlichen Scheine am meisten übereinstimmt, s. Materie. (Gehler, Bd. III, S. 143 ff)
Materia caloris (Wärmestoff)
… wird der Name Wärme sehr oft der physischen Ursache dieser Erscheinungen, oder derjenigen Materie beigelegt, welche jenes Gefühl und jenen Zustand der Körper bewirkt, und freilcih schicklicher den Namen Wärmestoff führt. Diese Materie heißt sonst auch Feuer: daher ist ihr unter diesem Namen bereits ein eigener Artikel (Gehler, Bd. II, S. 207 ff) dieses Wörterbuchs gewidmet worden. In der neuen Sprache des antiphlogistischen Systems heißt sie das Caloricum. (Gehler, IV, S. 534 ff)
Materia corporum (Materie, materieller Stoff)
Dasjenige, woraus Körper bestehen, oder was dieselben undurchdringlich macht. Mit dem Begriffe des Körperlichen ist allezeit auch der Begriff der Ausdehnung verbunden; aber dieser allein erschöpft noch nicht das ganze Wesen des Körpers. Die Vorstellung des Ausgedehnten bleibt noch in der Einbildungskraft zurück, wenn wir uns den Körper aus seinem Raume herausgenommen denken. Es gehört also zum Wesen des Körpers ausser der Ausdehnung noch Etwas, das den Raum erfüllet, oder verursacht, daß in eben dem Raume ausser dem Körper nicht noch etwas anderes sein kann. Dieses andere nennen wir Materie. (Gehler, Bd. III, S. 146 ff) [weiterlesen]
Materia prima (Urstoff)
Ein Begriff aus der Scholastik (basiert auf den Schriften des Aristoteles, der einen form- und eigenschftslosen Urstoff bezeichnet. In der Alchemie versuchte man deshalb, die Ausgangspunkte für die Umwandlung von Stoffen in andere mit gewünschten Eigenschaften (Gold!) dadurch zu fördern, daß man Stoffe in die Materia prima überführte. (Quelle: Wörterbuch der Philosophie, begr. von Friedrich Kirchner und Carl Michaëlis, Hamburg 2013.)
Mechanica (Mechanik)
Diesen Namen, im weitläufigsten Sinne genommen, führt die Lehre von der Bewegung und von den Kräften, welche als Ursachen der Bewegung angesehen werden. Dieser wichtige Abschnitt der Naturlehre erfordert häufige Anwendungen der Mathematik, und begreift mehrere einzelne Wissenschaften, welche unter dem Namen der mechanische einen Hauptteil der angewandten Mathematik ausmachen. … (Gehler, Bd. III, S. 166 ff)
Medium (Mittel)
Man hat dieses Kunstwort in der Naturlehre angenommen, um dadurch Materien zu bezeichnen, in welchen andere Körper umgeben sind, und worin sie sich bewegen, oder in welchen sonst Bewegungen fortgepflanzt werden. So nennt man die Luft das Mittel, in welchem wir leben; Wasser das Mittel, in welchem sich die Fische bewegen, Glas, Luft, Wasser u. dergl. durchsichtige Mittel, wodurch sich das Licht fortpflanzt. Wenn ein Lichtstrahl aus Glas in die Luft oder Wasser übergeht, so sagt man, er gehe von einem Mittel in das andere, u. s. w. Man betrachtet den Widerstand, den die Bewegung der Körper von der umgebenden Materie leidet, unter dem Namen des Widerstands der Mittel (resistentia mediorum). … (Gehler, Bd. III, S. 251 f)
Mercurius ☿ (Quecksilber)
Ein im Feuer nicht beständiges, bei der gewöhnlichen Temperatur der Atmosphäre schon flüssiges Metall, von einer sehr glänzenden Silberfarbe. … Das Quecksilber ist unter allen Metallen nächst der Platina und dem Golde das schwerste. … (Gehler, Bd. III, S. 594 ff)
Mercurius currentis ☿ (flüssiges Quecksilber)
Cinnabaris in Mercurium currentem reductio. Dazu nimmt man gemeinen Zinnober, 1 Pfund, reibet ihn in einem marmornen Mörser, mischt nach und nach Eisen-Feilig darunter, und befeuchtet die Mixtur mit Laige, die man aus calcinirten Weinsteine und lebendigem Kalcke bereitet worden; darauf thue man es in eine Retorte, und füllet dieselbe fast ganz damit an, leget eine Vorlage, die biß zur Hälfte mit Wasser angefüllet ist, vor, verlutiret selbige wohl, und fänget an Stuffen weiß unten und oben zu feuren, da dann das lebendige Queck-Silber (Mercurius vivus) wieder ausgetrieben wird. … (Zedler, Bd. VI, Sp. 77.)
Mercurius dulcis ☿ (versüßtes Quecksilber, Quecksilber(I)chlorid, Kalomel)
Man nimmt Mercurii sublimati und lebendigen Mercurii gleiche Theile, reibet sie in einem steinernen Mörser mit einer hölzernen Keule wohl zusammen, sollange, biß nichts mehr von dem lebendigen Mercurio zu sehen, sondern beyde zu einer schwärzlichen Masse geworden. Thut dieselbe in ein Aludel, giebt sechs Stunden lang Sand-Feuer, so wird der Mercurius sublimiren, man läßt das Gefäß kalt werden, und zerbricht es, so wird man an den Wänden des Gefässes den versüßten Mercurium finden. (HgCl) … (Zedler, Bd. XX, S. 972 f)
Mercurius vitae (Antimonoxichlorid SbOCl)
ist ein weisses Pulver, glänzetwie die Sonne, hat anfangs keinen, hernach einen brennenden Geschmakc, und gar keinen Gruch, und ist ein Präcipitat des Spieß-Glases. Dieser Mercurius hat nichts von dem Mercurio bey sich, und ist nichts anders, als ein Spieß-Glaß das von einem sauren Salz-Spiritu zerfressen ist, … (Zedler, Bd. XX, S. 985 f)
Meridianus (Mittagkreis, Meridian)
Meridian heißt am Himmel derjenige größte Kreis der Sphäre, welcher durch beyde Weltpole und den Scheitelpunkt geht, oder der Durchschnitt der Mittagsfläche mit der scheinbaren Himmelskugel. … (Gehler, Bd. III, S. 243 ff)
Mistura simplex (Mixtur)
Ist ein Medicament, das aus vielen flüssigen Sachen bestehet, und welches, wenn man sie zusammen thut, trübe wird, und dienet zu unterschiedlichem Gebrauch. … Die sehr schöne und bekannte Mistura simplex hat in den Apotheken den Namen einer Mixtur behalten, und ob solche gleich helle und klar siehet, ist doch solche ebenfalls, wenn man sie verfertiget, trübe. … (Zedler, Bd. XXI, Sp. 647 ff)
Metalla (Metall)
Dies ist der Name einer eigenen Hauptgattung von mineralischen Körpern, welche sich von den übrigen durch ein sehr großes eigentümliches Gewicht, einen besonderen Glanz, eine völlige Undurchsichtigkeit und Schmelzbarkeit, und durch ihre Unvereinbarkeit mit erdigen Materien unterscheiden. Diese Körper, welche dem menschlichen Leben unzählbare und unbeschreiblich wichtige Dienste leisten, werden nur selten von der Natur in dem Zustande, in welchem sie so brauchbar sind, hervorgebracht; sie liegen größtentheils in vererztem Zustande tief im Schoße der Erde verborgen, und müssen mit großer Mühe aus demselben hervorgezogen und aufbereitet werden. Sie haben daher ihre Benennung von einem griechischen Worte (μεταλλᾶν) erhalten, welches so viel als Aufsuchen oder Nachforschen bedeutet. (Gehler, Bd. III, S. 194 ff)
Metallurgia (Hüttenkunde)
Man giebt diesen Namen demjenigen Theile der praktischen Chymis, welcher von der Gewinnung und Aufbereitung der Metalle aus ihren Erzen oder von Mitteln handelt, dieselben von den fremdartigen Theilen zu scheiden, mit welchen sie die Natur vermischt hat. … (Gehler, Bd. III, S. 199 f)
Menstruum (Lösungsmittel)
Auflösungsmittel heissen diejenigen Körper, welche andere aufzulösen geschickt sind, vornehmlich die flüssigen, welche man zu Auflösung der festen gebraucht. Daß eigentlich bey jeder Auflösung beyde Körper in einander wirken, also der aufgelöste Körper auch das Menstruum auflöse, ist schon bemerkt worden.
Der Name Menstruum kömmt von dem Wahn der Alchymisten her, daß eine vollkommene Auflösung einen philosophischen Monat, oder vierzig Tage Zeit erfordere. (Gehler, Bd. I, S. 181)

Menstruum heißt bey den Chymicis ein Auflöse- oder Scheide-Saft, darunter wird jeder fliessender oder harter Cörper verstanden, welcher in Erwegung seiner gleichen Bildung die Textur der zusammenwachsenden Theile so durchwandern kan, daß sie es entweder ganz oder nur zum Theil derselben inners auflösen kan, und zwar also, daß sie das auflösende und aufgelöste bald genau vereinige, bald auf dem Grunde des Glases mit dem Menstruo in kleine Theile gelöset, präcipitirt werde. … (Zedler, Bd. XX, Sp. 833 ff)
Metaphysica (Metaphysik)
ursprünglich die Bezeichnung der in der Sammlung der Werke des Aristoteles nach der Physik stehenden Bücher, die von der Ersten Philosophie (Philosophia Prima) handeln, die Aristoteles definierte als die Wissenschaft von den ersten Prinzipien und Ursachen. Die Neoplatoniker deuteten den Ausdruck Metaphysik dahin, daß ihr Gegenstand "das, was über die Natur hinausgeht" oder das "hinter der Natur" als deren Ursache Liegende und die eigentliche Wirklichkeit sei. … Wöterbuch der philosophischen Begriffe.
Methodus Ramistica (Ramistische Methode)
Die Methode alles in zwey Theile zu sondern, und nach den 4 Arten der Ursachen (generibus caussarum) abzuhandeln. Das erstere Stücke dieser Methode heist Dichotomie. Diese Methode hat den Namen von ihrem Erfinder, Peter Ramus (1515-1572), und fand anfangs solchen Beyfall, daß nicht nur die Philosophen, sondern auch die Gottes-Gelehrten und Juristen ihre Abhandlungen und Lehr-Gebäude nach dieser Methode eingerichtet haben. … (Zedler, Bd. XX, Sp. 1329)
Microscopium (Mikroskop)
Ein Werkzeug, wodurch sich sehr kleine, aber nahe Gegenstände dem Auge deutlich und vergrößert darstellen. Man bedient sich dabei entwerde eines einzigen, oder mehrerer Gläser, worauf die Einteilung der Mikroskope in einfache und zusammengesetzte beruht. (Gehler, Bd. III, S. 215 ff)
Minium (Mennige, Minie)
ist ein schweres Pulver von rother Farbe, durch Feuer verfertiget, indem das Bley lange calciniret wird. Vitruvius nennt es Sandaraca, man muß es aber nicht mit der Sandaraca vermengen, die eine Art des Arsenici ist. Die Verfertigung geschueht folgender Gestalt: Man nehme Bleyweiß, thue es in ein eisernes Geschirr, setze es über ein gelindes warmes Feuer, rühre es wohl um, so wird man eine weißgelbe Farbe im Anfange bekommen, und diese heisset der weisse Massicat, wenn es noch ein wenig über dem Feuer stehet, so wird es gelbe, und dieses ist der gelbe Massicat, stehet es noch länger, so wird es Goldgelbe, wenn es nun noch länger im Feuer ist, so bekommt denn, die Mennige, welche, woferne sie noch länger bleibet, ganz hoch roth wird, und heißt Scandix, kömmt an der Farbe dem Vermillion gleich. Man kan solche auch aus Bleym aus dem Bleygelb, Silber-Glett, Bley-Asche etc. verfertigen. Merkwürdig ist, daß, indem sie verfertigt wird, sie schwerer wird, denn es berichtet Tachenius, daß wenn man hundert Quentgen oder hundert Pfund Bley in Mennige calcinirte, man 110 Quentgen oder Pfunf erhielte. Die Vermehrung kommt von den salzigen Theilen, und die beste und schönste wird in Nürnberg gemachet, muß hoch an Farbe, meistens aus Pulver bestehend, und so viel möglich, sauber seyn. … (Zedler, Bd. XX, S. 686 f)
Momentum (Moment)
Dieser Name ist in die Lehren der Statik und Mechanik blos der Bequemlichkeit halber eingeführt. Man bezeichnet damit nichts reelles, für sich existierendes, sondern nur gewisse Ausdrücke, nach welchen sich Wirkungen schätzen lassen, welche von Käften unter gewissen Umständen hervorgebracht werden — Ausdrücke, welche immer gleich bleiben müssen, wenn die Wirkungen die nämlichen sein sollen. … (Gehler, Bd. III, S. 263 ff)
Monas (Monaden)
… Mitten unter den gegeneinander laufenden Meinungen der Dualisten, Idealisten und Materialisten fand Hr. von Leibnitz einen sinnreichen Ausweg. Die Argumente der Idealisten, daß der aus unserem Selbstgefühl entstandene Begriff der Existenz nur auf geistige Wesen, wie wir selbst sind, übertragen werden könne, und daß unsere Begriffe von Materie sich doch am Ende bloß im Begriffe von Erscheinungen und Eigenschaften auflösen, scheinen ihm stark genug, um Zweifel gegen die Wirklichkeit ausgedehnter Atomen zu erregen, die doch, in sofern sie ausgedehnt sind, wenigstens im Verstande noch teilbar, und also keine wahren ausdrücklichen Einheiten wären. Dem zufolge nahm er die Ausdehnung selbst mit allen sinnlichen Eigenschaften für einen bloßen Schein an, der aus einer zusammenfließenden verworrenen Vorstellung einfacher Substanzen entstehe. Diese einfachen Dinge oder Monaden sieht er als ähnlich mit den geistigen Substanzen, als Vorstellungskräfte an, deren jede ihre bleibende Grundbestimmung hat. Die ganze Welt macht eine stetige Reihe von solchen Vorstellungskräften aus, deren Beschaffenheit und Größe verschieden ist. … (Gehler, Bd. III, S. 153 ff)
Motus (Bewegung)
Bewegung ist die Veränderung des Ortes, oder der Zustand eines Körpers, in dem er seinen Ort ändert. … Alle Veränderungen der Körperwelt geschehen durch Bewegung, ohne welche die ganze Natur tot und unwirksam sein würde. …
Bei Bewegungen, welche man als wirkliche erkenner, hat man folgende Umstände in Betracht zu ziehen:
  1. die Ursache der Bewegung,
  2. die bewegte Masse,
  3. die Richtung der Bewegung,
  4. den zurückgelegten Weg oder Raum,
  5. die Zeit,
  6. die Geschwindigkeit,
  7. und die Größe der Bewegung.
Die Ursachen der Entstehung und Änderung der Bewegung liegen in tiefe Dunkelheit verhüllt. … (Gehler, Bd. I, S. 320 ff)
Natura (Natur)
Dieses Wort bedeutet im allgemeinsten und weitläufigsten Verstande den Inbegriff aller Eigenschaften der Dinge. Im engeren Sinne wird es blos auf die materielle Welt eingeschränkt, und zeigt alsdann den Inbegriff aller Eigenschaften der Körper an. Auf diese letztere Bedeutung beziehen sich die Bennenungen; Naturlehre, Naturgeschichte, Naturgesetze u. s. f.
Da von den Eigenschaften der Körper ihre KRäfte und Wirkungen nach unveränderlichen Gesetzen abhängen, so heißt alles, was diesen Gesetzen gemäß erfolgt, natürlich, was mit ihnen streitet, unnatürlich. … (Gehler, Bd. III, S. 310 ff)
Naturalista (Naturalisten)
Dieser Name wird zweyerley Gattungen von Leuten beygeleget. Naturalisten heissen 1) diejenigen, so die Nazur wohl erforschet und eine solche Wissenschaft darin erlanget haben, daß sie von den netürlichen Dingen genugsamen Grund zu geben vermögen. Wiewohl die Bedeutung dieses Werts nicht so gar sehr gewöhnlich. Gebräuchlicher und bekannter ist diejenige, da Naturalisten genennet werden 2) solche Leute, die der Naturalisterey beypflichten, Sie werden auch Esprits fortes und Deisten genennet, wiewohl diese allen Gottesdienst verwerffen, und genug zu seyn achten, daß man als eine allgemeine und unleugbare Wahrheit annheme, daß ein Gott sey. Sie meynen, daß durch Vorlegung solcher Dinge, die von der Vernunft nicht können gefasset werden, ihrer Feyheit Gewalt geschehe, und die Lehre des Glaubensm dieweil so viel darüber gestritten wird, nur eine Einbildung sey. … (Zedler, BD 23, Sp. 1237)
Nitrum (Salpeter)
Diesen Namen führen die durch Sättigung der Salpetersäure mit den Laugensalzen entstandenen Neutralsalze. Insbesondere aber kommt die Benennung des gemeinen oder prismatischen Salpeters demjenigen zu, welcher aus der Vereinigung dieser Säure mit dem Gewächslaugensalze entspringt. (Gehler, Bd. III, S. 756 ff od. Macquer, Bd IV, S. 312 ff)
Oculi Cancrorum Krebssteine
Krebs-Augen, oder besser Krebs-Steine werden diejenigen runden Steine genennet, die sich nur zu gewissen Zeiten nehmlich in den Mause, inwendig oben am Kopffe oder vielmehr an Magen des Krebses befinden. … (Zedler Bd XV, Sp. 1822 f)
Offa Helmontii (Ammoniumcarbonat?)
So nennt man die weiße geronnenen Substanz, welche bey der vorsichtigen und langsamen Vermischung eines höchstgereinigten Weingeistes mit einem sehr concentrirten milden oder mit Säuren aufbrausenden flüchtigen alkalischen Spiritus entsteht. … Macquer. Bd III, S. 721 f
Wahrscheinlich aus der wässrigen Lösung durch Ethanol gefälltes Ammoniumcarbonat.
Olea (Öle)
Diesen allgemeinen Namen gibt man in der Chemie gewissen zusammengesetzten dünnflüssigen Materien, welche sich im Wasser gar nicht oder sehr wenig auflösen, und durch Hilfe eines Dochtes die Flamme ernähren. Unauflöslichkeit im Wasser und Brennen mit einer Flamme sind eigentlich die Kennzeichen einer Gattung von Körpern, welche man ölige (oleola) nennt, und wozu die Fettigkeiten gehören. Die dünnflüssigen Körper dieser Art sind die Öle; die mehr Konsistenz haben, heissen Balsame, Buttern, Harze, u. s. w. Man hat aber unter den Ölen wiederum die fetten Öle von den ätherischen und von den brenzlichen Ölen zu unterscheiden. (Gehler, Bd. III, S. 381)
Oleum lini (Leinöl)
wird aus Lein-Saamen bereitet, welcher in der Ölmühle zerstampfet uns ausgeprsset, auch die zerstossene Masse, damit sie das Öl desto besser von sich gebe, durch Feuer heiß gemachet wird. … (Macquer, Bd. XVI, S. 1635.)
Oleum terebinthinae (Terpenthin)
Ist ein flüßiges Harz, oder ein schleimiger und klebriger, hartziger und öliger Saft, der helle und durchsichtig ist. … Er kommt aus allerley Bäumen, welche aufgerissen worden, und in warmen Ländern wachsen, z. B. vom Terpenthin-Lerchen, -Fichten, -Tannen und -Kiefern-Baume. … (Zedler, Bd. XLIV, Sp. 1068 ff)
Oleum vitrioli (konzentrierte Schwefelsäure)
So nennt man auch ziemlich oft, obgleich sehr unschicklich, die stärkste Vitriolsäure (Acidum vitrioli). Diejenige Säure hat deswegen den Namen Vitriolsäure erhalten, weil man selbige ehedem aus keiner Substanz so häufig aus dem Eisenvitriole bereitete. … (Macquer, Bd. V, S. 476 ff.)
Optica (Optik)
Dieser Name kömmt in seiner weitläufigsten Bedeutung der ganzen Lehre vom Lichte und vom Sehen zu, welche einen Hauptabschnitt der angewandten Mathematik ausmacht, und die sämtlichen optischen Wissenschaften sich begreift. … (Gehler, Bd. III, S. 385)
Paroxysmus (heftige Erscheinung von Krankheitssymptomen, Anfall)
Ein Anfall, Anstoß, ist die Zeit, in welcher die Krankheit ihre Macht durch allerhand Zufälle ausübet; als in den Fiebern, wenn selbige den Patienten anfallen nennet man febrisches Paroxysmum … (Zedler, Bd. XXVI, Sp. 1014)
Partes corporum, Particulae (Teilchen, Teile des Körpers)
Was von einem Dinge weggenommen etwas übrig läßt, heißt ein Teil des Dinges. Dieser Begriff ist allgemein bekannt. Nachdenken und Erfahrung lehren, daß man von allem Körpern solche Teile und von diesen wieder andere u. s. w. absondern kann. Mann stellt sich also Körper als zusammengesetzt aus lauter kleineren unter einander verbundenen Körpern vor, deren Zusammenhang durch eine hinreichende äußere Kraft aufgehoben werden kann. Diese kleineren Körper heißen Teile, oder wenn sie sehr klein sind, Teilchen des vorigen Körpers. …
Was an der letzten Grenze der möglichen Teilung statt finden würde, ist ein Geheimnis der Natur, dessen Erforschung unsere Kräfte bei weitem übersteigt. (Gehler, Bd. IV, S. 305 ff)
Pendulum (Pendel)
Wenn ein schwerer Körper vermittelst eines Fadens oder einer geradlinigen Stange, von dem unbeweglichen Punkte herabhängt, so wird er ruhig hängen, so lang der Faden in der verticalen Lage bleibt. Bringt man ihn aber in die Lage, so zieht ihn die Schwere nach, da ihn der Faden nach der Richtung zurückhält. … (Gehler, Bd. III, S. 415 ff)
Phaenomena (Phänomene, Erscheinungen)
Der allgemeine Name Phänomen oder Erscheinung begreift alles in sich, was wir durch unsere Sinne wahrnehmen. Betrifft dies einen Körper, oder ist es ein Phänomen der Körperwelt, so gehört es zu den Gegenständen der Naturlehre, welche sich mit der Erklärung dieser Phänomene beschäftigt. Wahrgenommene Veränderungen in der Körperwelt heissen insbesondere Naturbegebenheiten. Der allgemeinere Name aber ist vorzüglich bequem, weil er immer daran erinnert, daß das Wahrgenommene nur ein Schein ist, und sich in der Tat ganz anders verhält, als wir zu sehen glauben. …
Die Phänomene sind also das Resultat unserer Erfahrung, der Beobachtungen und Versuche. … (Gehler, Bd. III, S. 454 ff)
Philosophia corpuscularis sive Physica corpuscularis (Teilchenphysik)
Phialae (Phiole)
Es sind Flaschen mit einem kleinern oder längern Halse, deren man sich sehr in der Chymie bedient, um Diferirungen und Einbeizungen darinnen anzustellen. … (Macquer, Bd. III, S. 740 f)
Phlegma (Phlegma)
Die Chymisten haben den Namen Phlegma dem wässerigsten Theile gegeben, welchen man aus verschiedenen Körpern durch das Destilliren oder auf eine andere Art erhällt.
Man muß in Rücksicht des Phlegma bemerken, daß es oft nichts anders als überflüssig beygemischtes Wasser ist, welches in den Gemischen, woraus man es erhält, in keinem gebundenen Zustande war. … (Macquer, Bd. III, S. 741 f)
Physica, Philosophia naturalis (Physik, Naturwissenschaft)
Diesen Namen führt die gesamte Lehre von der Natur der Körperwelt, oder von den Eigenschaften, Kräften und Wirkungen der Körper. Im weitläufigsten Sinne des Wortes gehört zur Naturwissenschaft alles, was jemals über die Körper erfahren oder gedacht worden ist. … Daß bei solchen Classificationen der Wissenschaften viel Willkürliches statt finde, fällt in die Augen; … Am ordentlichsten möchte es scheinen, alle unsere Kenntniße von den Körpern in historische, historische und mathematische zu teilen, und daraus drei Hauptabschnitte der ganzen Naturwissenschaft unter dem Namen der Naturgeschichte, der Physik und der angewandten Mathematik zu bilden. … So würde für die eigentliche Physik die Entwicklung dessen, was die besonderen Erscheiningen gemein haben, oder die Entdeckung der Naturgesetze, die Erklärung der Erscheinungen und Begebenheiten aus diesen Gesetzen, und die Erforschung der Ursachen und Triebfedern übrig bleiben. … (Gehler, Bd. III, S. 488 ff)
Phthisis (Lungensucht)
ist ein Abnehmen des ganzen Leibes mit einem schleichenden Fieber, Husten und beständigen Auswerfen eines zähen, blutigen und eyterichten Rotzes oder Schleimes. Man muß aber diese Krnakhiet nicht mit der Schwindsucht vermengen. … (Zedler, Bd. XVIII, Sp. 1189 f)
Phlogiston, Materia inflammabile, Principium ignescens (brennbarer Stoff, Brennstoff)
Die Chymisten belegen mit dem Namen des Phlogistons eine von ihnen angenommene reinste und einfachste entzündbare Grundsubstanz.
Es zeigt sich bei den Wirkungen des Feuers auf die Körper ein beträchtlicher Unterschied zwischen den letzteren. Einige brechen, bei starken Graden der Hitze mit Zutritt der Luft, in eine Flamme aus, bis sie durch die Wirkung derselben völlig zersetzt sind. Andere werden durch eben so starke Grade der Wärme zwar bis zum Leuchten oder Glühen erhitzt, aber sie brechen nicht in Flamme aus, und ohne das Feuer durch sich selbst zu unterhalten, hören sie auf zu glühen und erkalten, wenn man aufhört, ihnen von außen Wärme mitzuteilen. Jene heißen brennbare oder verbrennliche, diese unverbrennliche Körper.
Die Chymisten haben von jeher geglaubt, dass die Fähigkeit der Körper, das Feure zu nähren, die Entzündbarkeit oder Verbrennlichkeit, von einem Betandteile berrühre, der den unverbrennlichen Körpern mangelt. Nur hat man sich von diesem brennbaren Grundstoff ehedem sehr unbetsimmte Begriffe gemacht, seine Einheit und Identität verkannt, und ihn mit den zusammengesetzten Stoffen verwechselt, in denen er in vorzüglicher Menge enthalten ist. Nichts war z. B. bei den älteren Chymikern gewöhnlicher, als die Entzündlichkeit der Körper von einem darin befindlichen Öle oder Schwefel herzuleiten.
[Johann Joachim] Becher (1635-1682) setzte zuerst unter die Grundstoffe der Körper eine eigene Erde, die unter dem Namen der entzündlichen von den übrigen elementarischen Erden unterschied. …
Aus den Ölen reißt das Phlogiston bei der Verbrennung saure, wßrige und erdige Bestandteile mit sich fort, welche die Flamme und den Rauch bilden helfen. … (Gehler, Bd. III, S. 460 ff)
Phosphorus (Lichtträger)
Der Name Phosphorus kömmt seiner etymologischen Bedeutung nach jedem im Dunkeln leuchtenden Körper zu. Man nimmt jedoch die Sorine, die Fixsterne, und die brennenden oder glühenden Körper aus, deren Leuchten ein alltägliches Phänomen ist. …
Kunkelischer oder Harnphosphorus
Der Harnphosphorus, sonst auch Brandts, Kunkels oder englischer Phosphorus genannt, ward von einem hamburgischen Kaufmann Brandt, der Gold im Harne suchte, im Jahre 1669 (nach Leibniz) durch Zufall entdeckt. …
Balduinischer Phosphor
… bis kurz vor 1675 ein Amtmann zu Großenhayn in Sachsen, Christoph Adolph Balduin zufälligerweise entdeckte, daß das Rückbleibsel der Destillation einer Kreideauflösung in Scheidewasser ebenfalls Licht einsauge. … Er leuchtet nicht so stark, als der bononische Stein, verliert auch an der Luft das Vermögen zu leuchten gar bals, und läßt sich daher am bestan in hermetisch verschloßenen Glasröhren aufbewahren. …
Lapis Bononiensis
Um das Jahr 1630 entdeckte Vinzent Cascariolo, ein Schuhmacher in Bologna, in der Nachbarschaft dieser Stadt am Fuße des Berges Paterno einen Stein, der im Dunkeln durch seinen Glanz sichtbar ward, wenn er eine Zeitlang im Lichte gelegen hatte. … Die besten stücke durften dem Lichte nur 1-2 Secunden ausgesetzt werden, um 4 Minuten lang zu leuchten, manche leuchteten 30 Minuten. … Dieser bononische Stein blieb fast ein halbes Jahrhundert hindurch der einzige bekannte Lichtsauger. …
Die chymishce Untersuchung der erdigen durch Cacination bereiteten Lichtsauger brachte endlich Marggraf zur Vollkommenheit. Er fand daß der bononische Stein ein Schwerspat sei, und entdeckte bald, daß sich aus allen Schwerspaten Liechtsauger bereiten ließen, wie denn auch Leibniz scon bemerkt hat, daß gepulverter und erhitzter Schwerspat (fluor leutet. … (Gehler, Bd. III, S. 475 ff)
Pondus (Gewicht)
Die Größe des Drucks, den ein Körper durch seine Schwere äußert; die Größe seines Bestrebens zu fallen. Das Gewicht eines Körpers besteht aus der Summer der Bestrebungen, womit alle seine Teile zum Fall getrieben werden. Da nun alle Teile des Körpers Materie sind, und alle bekannte Materie schwer ist, so sind wir berechtigt, anzunehmen, daß das Gewicht eines Körpers desto größer sei, je mehr er Teile hat, oder daß es sich wie die Menge der ihm zugehörigen Materie, wie seine Masse, verhalte. … (Gehler, Bd. II, S. 491 ff)
Potentia (bewegende Kraft)
… Man versteht endlich unter bewegenden Kräften, Potenzen bisweilen auch die Maschinen selbst. … (Gehler, Bd. II, S. 811)
Principia corporum (Grundstoffe der Körper)
Die Bestandteile, in welche die Körper durch chymische Zersetzung zerlegt werden. Sie sind entweder erste Grundstoffe, Urstoffe (Principia prima), welche nicht weiter zerlegt werden können, oder gemischte, zusammengesetzte Grundstoffe (Principia principiata sive mixta), welche einer ferneren Zerlegung fähig sind. … (Gehler, Bd. II, S. 542 ff)
Principium acidum (Sauerstoff)
… Nach [Antoine Laurent de] Lavoisier (1743-1794) ist jede Verbindung irgend eines brennbaren Körpers mit dem Oxygen eine Säurung; der Sauerstoff ist es, was die Säure macht, und die Natur der Grundlagen bestimmt nur ihre Verschiedenheit. Herr [Christoph] Girtanner (1760-1800) nennt den Sauerstoff selbst Principium acidum, und schreibt ihm die Eigenschaft zu, mit anderen Körpern verbunden, denselben einen säuerlichen Geschmack mitzuteilen. Man könnte diesen Äusserungen nach überall Acidität und saueren Geschmack erwarten, wo sich Oxygen mit irgend einer Substanz, zumal mit einer brennbaren, wie im Wasser, verbindet. … (Gehler, Bd. V, S. 809)
Pyropus (Phosphor: Element)
[Der Brandtsche] Phosphorus wurde auch Phosphoruns igneus oder Pyropus genannt. (Nach Leibniz in Historia Inventionis Phosphori.) … (Macquer, Bd. III, S. 743)
Praecipitatio (Niederschlag)
Diesen Namen führt die Trennung oder Abscheidung eines Körpers von einem andern, mit welchem er durch Auflösung verbunden war, vermittelst eines hinzugefügten dritten. … (Gehler, Bd. III, S. 360 ff)
Pressio (Druck)
Wenn ein ruhender Körper A von einer Kraft getrieben wird, sich zu bewegen, und dadurch einen anderen Körper B, den er berührt, fortzuteiben oder aus seiner Stelle zu verdrängen strebt, so sagt man, der Körper A drücke gegen B. …
Fortpflanzung des Drucks.
Der Druck pflanzt sich von einem Theile des Hindernisses zum anderen fort. … (Gehler, Bd. I, S. 604 ff)
Punctum aquae ebullientis (Siedepunkt des Wassers)
Bei den jetzt gebräuchlichen Thermometern ist der obere feste Punkt die Wärme des siedenden Wassers. Der Punkt, bis an welchen die flüssige Materie im Thermometer bei dieser Wärme reicht, heßt sein Siedepunkt (punctum aquae ebullientis). Es kommen aber hiebei Umstände vor, welche diese Wärme, die man in allen Fällen für gleich groß annimmt, sehr veränedern können. (Gehler, Bd. IV, S. 336)
Punctum congelationis (Eispunkt, Gefrierpunkt, Auftaupunkt)
Zum unteren festen Punkt nahm er [René-Antoine Ferchault de Réaumur] denjenigen an, bei welchem der Liquor steht, wenn die Kugel der zum Gefrieren des Wassers hinreichenden Kälte ausgesetz ist. Dieses ist jetzt der allgemein bekannte naürliche Eispunkt, Gefrierpunkt, Auftaupunkt (punctum congelationis s. regelationis). (Gehler, Bd. IV, S. 316)
Purgans (Purganz)
ist ein Heilmittel, so die bösen Feuchtigkeiten des Leibes durch den Stuhlgang abführt. … (Zedler, Bd. XXIX, Sp. 1648 f)
Purgatio vel Catharsis (Säuberung des innerlichen Leibes)
eine Säuberung oder Reinigung des innerlichen Leibes, wird verstanden, wenn man entweder von freyen Stücken, oder nach eingenommener Arzney oft zu Stuhl gehet, und den Leib von bösen Sachen reiniget. … (Zedler, Bd. XXIX, Sp. 1672 f)
Pyrophoros (hombergischer Selbstzünder)
Diesen Namen führt eine chymische Bereitung, in Gestalt eines schwarzgrauen Pulvers, welche sich an der freyen, zumal feuchten, Luft von selbst entzündet und mit einem Schwefelgeruch abbrennt. (um 1710 von Wilhelm Homberg (1652 - 1715) entdeckt.) … (Gehler, Bd. III, S. 575 ff)
Qualitas (Beschaffenheit)
gebildet im 17. Jh. (zuerst bei Kaspar von Stieler (1632-1707) in "Der deutschen Sprache Stammbaum, 1691", die Gesamtheit der Eigenschaften eines Wesens oder Gegenstandes. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Quantitas motus (Größe der Bewegung)
Die Größe der Bewegung hängt offenbar von der Menge der bewegten Masse und der Geschwindigkeit der Bewegung an. … Dies heißt allgemein ausgedrückt: Größen der Bewegung verhalten sich, wie die Produkte der bewegten Massen in die Geschwindigkeiten. … (Gehler, Bd. I, S. 328 f)
Privatio (Privation)
Privation: die Beraubung, Entziehung von etwas; in der klassischen Logik die Negation, bei der das, was das Prädikat aussagt, in dem Inhalt des Subjekts nicht enthalten ist, ihm entzogen ist, z. B. diese Uhr geht heute nicht. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Qualitates sive Proprietates corporum (Eigenschaften, Beschaffenheiten der Körper)
Alles, was an einem Körper in die Sinne fällt, und dadurch einen Begriff erweckt, kann eine Qualität oder Eigenschaft des Körpers genannt werden. In diesem Sinne des Wortes sind Härte, Leuchten, Bitterkeit u. s. w. Qualitäten der Körper, weil sie durch Gefühl, Gesicht, Geschmack in uns Empfindungen erregen und Begriffe erwecken. … (Gehler, Bd. III, S. 590 ff)
Quidditas (Washeit, Quiddität)
bei den Scholastikern das Wesen eines Dinges, die Forma substantialis. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Rarefactio (Verdünnung)
Man versteht unter diesem Namen die Verbreitung eines Körpers durch einen größern Raum, als er vorher einnahm. Durch die Wärme werden alle bekannten Körper ausgedehnt oder verdünnt. Die elastischen Flüssigkeiten, d. i. Luftarten und Dämpfe, welche vom Gewichte des Luftkreises zusammengedrückt, oder von den Wänden der Gefäße zusammengehalten werden, verdünnen sich selbst durch ihre Federkraft, sobald ihnen nur ein größerer Raum verstattet oder der Druck weggenommen wird. Hierauf beruht die Einrichtung der Luftpumpe.
In einer anderen Bedeutung heißt Verdünnung (diluere) eine dickflüssige Substanz mit einer dünnflüssigeren, oder eine wirksamere mit einer unwirksameren dergestalt vermischen, dass jene dadurch dünnflüssiger oder in ihrer Wirksamkeit geändert wird. So verdünnt man die konzentriertn Säuren, Weingeist u. s. w. mit Wasser. (Gehler, Bd. IV, S. 450 ff)
… Einige Schriftsteller haben die Namen Ausdehnung und Verdünnung unterscheiden, und den ersten für die Wirkung der Elastizität, den zweiten für die Wirkung der Wärme brauchen wollen; da aber jede Ausdehnung mit Verdünnung begleitet, und überdies das, was die Wärme tut, im Grunde nichts anderes, als eine Verstärkung der spezifischen Elastizität ist, so sehe ich keinen Grund, einen solchen Unterschied einzuführen. (Gehler, Bd. I, S. 204)
Reactio (Gegenwirkung)
Wenn ein Körper in den anderen wirkt, so leidet er dadurch selbst eine Veränderung. Er verliert nämlich so viel von seiner Kraft, Bewegung, u. s. w., als auf die Wirkung in den anderen verwendt wird. Man hat sich sonst vorgestellt, als ob der leidende Körper zurückwirkte, und dem tätigen dies entzöge. Dieses hat man mit dem Namen der Gegenwirkung bezeichnet, welche also nichts weiter ist als die Veränderung, die ein Körper dadurch, daß er in einen anderen wirkt, erleidet. …
Schon die Scholastiker lehrten, Wirkung sei nie ohne Gegenwirkung; Newton aber bestimmte genauer, die Wirkung sei allemal eine gleiche Gegenwirkung entgegengesetzt, und führte diesen Satz als ein Axiom in die Naturlehre ein. … (Gehler, Bd. II, S. 442 f)
Recipe (ärztl. Rezept)
wird vor allen Rezepten abgekürzt, also gefunden, und bedeutet also eine Specification derer zu eriner Artzeney benöthigten Ingredientien, da nicht allein die Species, sondern auch die Quantität und das Gewicht dem Apothecker vorgeschrieben werden. … (Zedler, Bd. XXX, Sp. 1531 f)
Reciprocatio (penduli) (Zurückschwingen)
Eine kleine Bewegung, die sich nach der Behauptung einiger Naturforscher an einem langen, sonst völlig ruhenden, Pendel aus der Ursache zeigen soll, weil die Stelle des Schwerpunktes der Erde, mithin auch die Richtung der Schwere, veränderlich ist. … (Gehler, Bd. III, S. 639 f)
Rectificatio (Reinigung durch Destillation, Rektifikation)
So nennet man die sorgfältige Reinigung gewisser flüßigen Materien, vermittelst der Destillation und Sublimation. … (Gehler, Bd. III, S. 640 f)
Reflexio (Zurückwerfung)
So heßt überhaupt die Veränderung der Richtung, welche bewegte Körper vermöge der Elastizität leiden, wenn sie an Hindernisse stoßen, und dadurch abgehalten werden, ihre Bewegung in der vorigen Richtung fortzusetzen. (Gehler, Bd. IV, S. 895 ff)
Refractio (Brechung)
Brechung heißt überhaupt die Ablenkung eines bewegten Körpers von seiner vorigen Richtung, wenn er schief aus einem Mittel in ein anderes von verschiedener Dichtigkeit übergeht, wie z. B. eine Kugel von ihrem vorigen Wege abweicht, wenn sie schief aus Luft in Wasser übergeht.
Die Erfahrung lehrt, daß feste Körper, beim Übergange in ein dichteres Mittel, in welchem sie mehr Widerstand leiden, von dem Perpendikel ab, beim Übergange hingegen in ein dünneres weniger widerstehendes Mittel auf den Perpendikel zu gelenkt werden. … (Gehler, Bd. I, S. 410 ff)
Regnum minerale (Mineralreich)
… Die unorganischen Körper in und auf der Erde heissen Mineralien oder Fossilien; die organisirten ohne Empfindung Pflanzen oder Vegetabilien, die organisirten mit Empfindung Thiere, und es beruht hierauf die Eintheilung der natürlichen Körper nach den drei Naturreichen, dem Mineralreiche (Regnum minerale), Pflanzenreiche (Regnum vegetabile) und Thierreiche (Regnum animale). Diese drei Naturreiche machen nun den Gegenstand der Wissenschaft aus, die man gewöhnlich Naturgeschichte nennt. … (Gehler, Bd. III, S. 313)
Repulsio (Abstoßen)
Man bezeichnet mit diesem Namen das Phänomen, da Körper oder Teile derselben sich von einander entfernen, oder wenn sie aufgehalten werden, sich zu entfernen streben, und der Annäherung widerstehen, ohne daß man eine äußere Ursache davon gewahr wird. Es ist also das Zurückstoßen das Entgegengesetzte des Anziehens, s. Attractio. … (Gehler, Bd. IV, S. 892 ff)
Resinae (Harze)
Die Harze sind in Wasser unauflösliche verbrennliche Substanzen, welche in der Kälte brüchig wie Glas, sind, bey gelinder Wärme weich werden, und bey größerer Hitze so zähe fließen, daß sie sich in Fäden ziehen lassen. Sie werden aus den Bäumen und Pflanzen, aus welchen sie ausschwitzen, gesammelet, zum Theil auch, wie das Pech, durch Feuer mit Gewalt herausgetrieben oder durch Auflösung im Weingeiste abgeschieden. … (Gehler, Bd. II, S. 563)
Retorta (Retorte)
Die Retorte ist ein Gefäß, welches man zu sehr vielen Destillirungen, und am öftersten zu solchen braucht, welche die Siedehitze des Wassers übertreffenden Grad des Feuers erfordern. Dieses Gefäß ist nichts anders als eine Art Flasche mit einem lanhen und so gekrümmten Halse, daß selbiger mit dem Bauche ohngefähr einen Winkel von sechzig Grad macht; und asu diesem Grunde hat selbiges ohne Zweifel den Namen Retorte erhalten. (Abbildung)
Tubulierte Retorten, oder Tubularretorten sind diejenigen, welche in ihrem gewölbten Theile eine Öffnung haben, die man mit einem Stöpsel, der aus einer schicklichen Materie bereitet worden ist, genau verstopfen kann. Diese Retorten braucht man zu solchen Destillirungen, wo man nach bereits angelegter Vorlage noch irgendeine Materie in die Retorte bringen muß, z. B. zu der Destillirung der rauchenden Salzsäure, und bei der Bereitung der Arten von Klyssus. … (Macquer, Bd. IV, S. 248 ff.)
Clyssus: So nennt man die Dünste, welche bey der Verpuffung des Salpeters mit einem jeden entzündlichen Körper aufsteigen. … (Macquer, Bd. I, S. 799 ff.)
Rob Sambucinum (Hollundersaft)
Nehmet Saft von reifen Holunderbeeren, so viel gnug ist, und kochet ihn bey mäßigem Feuer zur gehörigen Robdicke, doch daß er nicht anbrenne. Er hat eine zertheilende und schweißtreibende Kraft, und ist ein Giftmittel; wird Theriaca domestica, Haustheriack, genennet, und ist jedermann wohl bekannt. Vornehmlich dienet er zur Gelb- und Wassersucht indem er das scharfe Wasser so wohl, als die gallichten Unreinigkeiten durch den Schweiß austreibet. … (Zedler, Bd. XXXII, Sp. 6)
Saccharum (Zucker)
Der Zucker ist ein krystallisurungsfähiges wesentliches Slaz von einem süßen und angenehmen Geschmacke, welches in sehr vielen Arten von Pflanzen mehr oder weniger häufig, in den meisten aber entweder in einer zu geringen Menge enthalten, oder mit zu viel fremden Stoffen vermischt ist, als daß man es mit Vortheil aus denselben ziehen könnte. … (Macquer, Bd. V, S. 780 ff.)
Sal Absynthii (Wermuthsalz)
Dieses wird nach dem Brandenburgischen Dispensator also verfertigt: …
Es widerstehe der Fäulniß, zerschneide die rohen Feuchtigkeiten, eröffne, treibe durch den Urin und Schweiß, ziehe gelinde zusammen, und man glaube, daß es sonderlich den Magen und die Leber stärke. … (Zedler, Bd. 55, Sp. 401 ff.)
Sal ammoniacum (Salmiak)
Den Namen der Salmiake oder Ammoniaksalze führen überhaupt alle durch Sättigung der Säuren mit dem flüchtigen Alkali entstandenen Neutralsalze. Vorzüglich aber wird unter dem Namen des gemeinen Salmiaks dasjenige verstanden, welches aus der Vereinigung dieses Alkali mit der Salzsäure entspringt. … (Gehler, Bd. III, S. 753 ff)
Sal commune (Kochsalz)
Die Salzsäure erzeugt mit allen den gedachten Substanzen Salze, die überhaupt genommen den Namen der Kochsalze oder schlichtweg Salze führen kࣆnnten, wenn man sie durch den von ihren Grundtheilen hergenommenen Beynamen, so wie folgt, unterscheidet.
Mit dem mineralischen Alkali gienbt diese Säure das gemeine Salz oder Kochsalz (Sal commune, culinare), welches, wenn es aus dem Meerwasser gezogen worden ist, Meersalz oder Seesalz (Sal marinum), wenn es aber gegraben worden ist, Steinsalz (Sal petrae) genannt wird. … (Macquer, Bd. IV, S. 430 ff.)
Sal martis (Eisensulfat)
Nehmet eine reine eiserne Pfanne, güsset Branntewein und ebenso viel Vitriolöl hinein, setzet es eine Zeit lang an die Sonne, denn lasset es im Schatten ruhen, so wird alle Feuchtigkeit mit dem Eisen einen Körper auswachen, und zu einem Salze werden, welches man austrocknen, hernach von der Pfanne absondert, und in einer wohl verstopften Phiole zum Gebrauche aufhebet. Es ist ein vortreffliches Mittel zu allen Krankheiten, die von Verstopfung entstanden. … (Zedler, Bd. XXXIII, Sp. 1330 f)
Sal mirabile Glauberi (Glaubersalz)
… Mit der Vitriolsäure giebt es [Laugensalz] das Glaubersalz, oder glauberisches Wundersalz Sal mirabile Glauberi, dessen Krystallen ebenfalls an der Luft zerfallen, mit der Salpetersäure den würlichten Salpeter. … (Gehler, Bd. II, S. 862f, Bd. III, S. 771 f.)
Sal Tartari (Weinsteinsalz)
… Am reinsten erhält man [das Laugensalz] durch Calcination des Weinsteins (der sich in den fässern, worauf Wein gährt, mit der Zeit ansetzt) im offenen Feuer in der Gestalt eine weßen Salzes, das man durch Auslaugen, Filtrieren und Abrauchen noch mehr reinigen kan. Dieses Weinsteinsalz, dessen Name auch überhaupt jedem reinen vegetabilischen Alkali beygelegt wird. … [schwerlösliche Mischung aus Kalium- und Calciumtartrat] (Gehler, Bd. II, S. 860)
Sal urinae (vegetabilisches Salz)
… Mit den Laugensalzen und Erden bildet sie [die Phosphorsäure] eigne Neutral- und Mittelsalze, mit dem flüchtigen Alkali insbesondere den Phosphorsalmiak, der sich auch von Natur im Harne findet, und einen Bestandtheil des Harnsalzes (Sal urinae) ausmacht. Mit dem Ohlogiston auf dem trocknen wege verbunden, giebt sie den Kunkelschen Phosphorus. … (Gehler, Bd. III, S. 486)
Sal vegetabile (vegetabilisches Salz)
Dieses Salz, welches auch auflöslicher oder tartarisirter Weinstein Tartarus solubilis) heißt, ist eine gesättigte Verbindung des Weinsteins oder seiner Säure mit dem feuerbeständigen vegetabilischen Alkali. [Natriumtartrat] … (Macquer, Bd. IV, S. 546 f.)
Sapo (Seife)
Diesen Namen gab man ehedem blos den Verbindunge der Laugensalze mit den Ölen, welche sich sämmtlich in Wasser und Weingeist auflösen; … diese Benennung [ist] von vielen Chymisten auf alle ölichsalzige Zusammensetzungen ausgedehnt worden. Diese Seifen sind von einer schlüpfrigen Consistenz, geben mit Wasser milchweisse, mit dem Weingeist helle Auflösungen, welche beim Umschütteln schäumen. … (Gehler, Bd. IV, S. 36 ff)
Scintilla (Funken)
Ein kleiner brennender oder glühender Körper, der durch irgend eine Kraft von einer größeren Masse losgerissen wird. … (Gehler, Bd. II, S. 334 ff)
Scorbutus (Scharbock, Skorbut)
… so viel heissen möchte, als ein schmerzhaftes Fieber, ein schmerzhafter Fluß, ein schmerzhafter Schade, etc. … weil er das Zahnfleisch angreifet, und die Arme mit Flecken und Blattern besetzt; … (Zedler, Bd. XXXIV, Sp. 881 ff)
Secondat de Montesquieu (Montesquieu)
Secondat de Montesquieu ( Philosoph. Trans. num. 472) fand die Hitze des kochenden Wassers auf dem Pic-du-Midi um 18 fahrenheitische Grade geringer, als in der Stadt Bagners, und die Hitze des siedenen Weingeists betrug auf eben diesem Berge nur 160 fahrenheitische Grade, da sie in Bourdeaux deren 173 betragen hatte. … (Gehler, Bd. IV, S. 49 ff); siehe auch die Beschreibung der Messung.
Siccitas (Trockenheit)
ist der Zustand des trocknen Körpers. Man sieht leicht, daß eben derselbe Körper durch zufällige Umstände bald trocken, bald feucht werden kann, ohne wesentliche Änderung seiner Substanz. … Trockenheit ist blos Abwesenheit von Feuchten oder Flüßigkeit, und beruht keineswegs auf einem eignen trocken Princip, dergeleichen die ältern Chymisten in der elementarischen Erde suchten. … (Gehler, Bd. IV, S. 396)
Silices (Kiesel)
Diejenigen Steine, deren einzigen oder Hauptbetandteil die Kieselerde ausmacht. Sie brausen nicht mit dem darauf getröpfelten Scheidewasser, geben mit dem Stahle Funken, schneiden in Glas, und widerstehen dem Feuer sehr stark. … (Gehler, Bd. II, S. 755)
Solutio (Auflösung)
Diesen Namen führt die Verbindung der Grundstoffe zweener Körper von verschiedener Natur, aus welcher die Trennung der vorigen Verbindung ihrer Theile, und eine neue Verbindung derselben, mithin ein neuer anders, als beide vorige, zusammengesetzter Körper entsteht. … (Gehler, Bd. I, S. 178 ff)
Sorites (Sorites-Paradoxon)
die von Cicero acervus genannte Aporie, die auf Zeno von Elea zurückgeht, der behauptete: Brächte ein fallender Scheffel Getreide ein Geräusch hervor, so müßte auch jedes einzelne Korn und jeder kleinste Teil eines Kornes noch ein Geräusch hervorbringen; ist aber das letztere nicht der Fall, so kann auch der ganze Scheffel, dessen Wirkung nur die Summe der Wirkungen seiner Teile ist, kein Geräusch hervorbringen. … Wöterbuch der philosophischen Begriffe.
Spatium (Raum)
Wir bezeichnen mit dem Wort Raum die Vorstellung der Ausdehnung, oder des Neben- und Umeinanderliegens der Körper und ihrer Teile. Wenn wir uns den Körper und ihrer Teile selbst gedenken, so müssen wir uns notwendiger Weise nebeneinander liegende Teile desselben vorstellen, so daß die inneren von den äußeren auf allen Seiten umschlossen werden. Nur hierdurch erhalten wir den Begriff der körperlichen Ausdehnung, der bei der Vorstellung des Körpers selbst noch mit dem Begriffe von Undurchdringlichkeit, oder wenn von einem materiellen Stoffe verbunden ist. Ebenso, wenn wir uns zwei verschiedene Körper zu gleich gedenken, müssen wir beide ausser einander setzen, weil uns unsere Sinne belehren, daß Eindrücke von verschiedenen Körpern nie aus einerlei Orte herkommen. Hierdurch erhalten wir den Begriff von Verschiedenheit der Orte oder von Abstand und Entfernung der Körper von uns, und von einander selbst. Sondert man diese Begriffe ganz rein ab, und trennt sie von der Vorstellung des Körpers oder des undurchdringlichen Stoffes selbst, so bleibt der Begriff der Ausdehnung allein oder des Raumes zurück, der den Gegenstand der geometrischen Betrachtung und Messung ausmacht, und dessen Grenzen auf die Begriffe Flächen, Linien und Punkte leitet.
So drückt der Name Raum blos eine Vorstellungsart oder Denkform aus, welche eine notwendige Bedingung unserer Ideen von gleichzeitige oder coexistierenden körperlichen Dingen ist. … Man kann also den Raum nicht mit den Epikuräern und einigen Neueren als ein für sich bestehendes Ding ansehen, dessen Dasein vor der Körperwelt habe vorausgehen müssen. … (Gehler, Bd. III, S. 636 ff)
Species (Art)
… Die Absicht dieser Wissenschaften ist nicht auf Erklärungen aus Ursachen, sondern blos auf historische Kenntniß der besonderen Körper gerichtet. Einen Körper kennt man, wenn man ihn durch seine wesentlichen Kennzeichen von allen anderen unterscheiden kann, und seine Entstehung, Eigenschaften, Dauer und Verbindungen mit anderen Körpern weiß …
In dieser Absicht werden alle die einzelnen Körper, oder Individuen, welche alle unterscheidenden Kennzeichen, die die Wissenschaft angeben kann, mit einander gemein haben, zu einer Art (species) gerechnet. Die in gewissen Haupteigenschaften übereinstimmenden Arten machen ein Geschlecht oder eine Gattung (genus), und mehrere ähnliche Gattungen eine Klasse aus. … (Gehler, Bd. III, S. 315 f)
Spiritus (Spiritus, Geist)
Dieser Name wird den FLüssigkeiten beygelegt, die man durchs Destilliren aus den Körpern erhält, wenn sie aus flüchtigen die Nerven reizenden Theilen bestehen und sin in jedem Verhältnis mit Wasser vermischen. Man hat drey Hauptarten von Spiritus; brennbare, saure, alkalische. … (Gehler, Bd. II, S. 451)
Spiritus Cornu Cervi (Hirschhorngeist)
Man nehme dichte und fein schwere Hirschhörner, schneide sie in Stücke, und thue sie in eine eingefaßte Retorte; Dann setze man diese in offenes Feuer, und verstärcke dieses nach und nach; hernach destilliere man in eine weite und grosse Vorlage und zwar so lange, bis sich keine Neberl mehr sehen lassen. Das Salz, so sich an den Hals der Terorte ansetzt, und das Naß, welches sich in dem Recipienten zugleich mit dem flüchtigen Salz angesammlet hat, vermischt man mit etwas Branntewein; ehe man aber dieses Thut, so muß man auch die Vorlage mit Branntewein ausspielen; dann sondert sen Geist von dem Öle vermöge eines angefeuchten Filterpapiers ab. [Ammoniumcarbonat] … (Zedler, Bd. XXXIX, Sp. 157 f)
Spiritus mercurii (Quecksilbergeist)
Diesen beschreibt [Agricola] in seinen Anmerkungen, voeher aber berichtet er von ihm, daß er so flüchtig sey, daß er auch aus dem Glase, welches nicht gar dichte verwahret, ja nur an der Luft ohne einige Sonnen- oder Feuerhitze, davon flüge, dem Golde aber sey er so angenehm, daß sie sich geschwinde mit einander vereinigten, und beysammen zu bleiben begehrten. … (Zedler, Bd. XXXIX, Sp. 200)
Spiritus nitri (Salpetersäure, Scheidewasser)
… Anstatt des Vitriolöls bedient man sich zu Ausscheidung der Säure aus dem Salpeter auch anderer Substanzen, welche Vitriolsäure enthalten, besonders des gebrannten Viriols oder gebrannten Alauns. Auch die Thonerden treiben in der Hitze die Salpetersäure aus. … (Gehler, Bd. III, S. 760)
Spiritus salis (Salzgeist, Salzsäure)
Der Salzgeist oder Kochsalzsäure kann nur vermöge eines solchen Zwischenmittels erhalten werden, welches die Entbindung derselben von dem ihr im Kochsalze zum Grundtheile bedienenden natürlichen feuerbeständigen Alkali bewirken kann. Die Vitriolsäure ist zur Destillation des Salzgeistes das schicklichste und nützlichste Zwischenmittel. …
Der gemeine Salzgeist wird aus einem Gemenge von einem Theile Kochsalz und acht bich zehn theilen eines völlig ebenso wie beim Salpetergeist getrockneten Thones destillirt. … (Macquer, Bd. IV, S. 642 ff)
Spiritus salis Ammoniaci (Salmiakgeist, Ammoniakgas)
Eine mephitische entzündbare, mit Wasser michbare Gasart, die man aus dem flüchtigen Laugensalze erhält, indem man entweder das ätzende flüchtige Alkali selbst, oder den Salmiak mit hinzugethanem Kalk oder Mennige erhitzt — ein flüchtiges Laugensalz in Luftgestalt. … (Gehler, Bd. II, S. 390 f)
Spiritus Sulphuris (Schweflige Säure)
Läࢯt man Schwefel unter einer Glocke verbrennen, deren innrere Wänd mit Wasser benetzt sind, so vereinigen sich die suaren Dämpfe mit dem Wasser, und es fließt in die untergesetzte Schüssel der sogenannte Schwefelgeist herab, welcher nichts anders, als eone phlogistirte Vitriolsäure ist, die sich mi9t der Zeit in gewöhnlichen Vitriolgeist verwandlet. … (Gehler, Bd. III, S. 877)
Spiritus Tartari (Weinsteingeist)
Nehmet Weinstein, von welcher Sorte, das beliebig, und so viel, als ihr wollet, reiniget ihn durch Auflösung, Durchseigung und Gerinnung, füllet den dritten Theil einer steinernen Retorte damit an, und destilliret mit offenem stufenweise vermehrtem Feuer, alle Geister, zugleich mit dem stinckenden Öle, in eine ziemlich weite, wohl angelegte und verlitirte Retorte; hernach scheidet den Geist von dem Öle durch gedoppeltes angefeuchtetes Löschpapier. … (Zedler, Bd. LIV, Sp. 963 ff)
Spiritus theriacalis camphoratus (campherierter Theriak-Geist)
Besteht aus
  • Spiritus Vini rectificati
  • Theriacae Andromachi
  • Myrrhae rubrae
  • Croci austr.
Nachdem es mit einander acht Tage digeriret, so destilliret den Geist im Frauenbade herüber, und leget dabey in den Schnabel des Helms zwey Quentgen Campher. Dieses Medicament treibet den Schweiß, und thut in der Pest, Gelbsucht, dem viertägigen Fieber, und dergleichen Krankheiten vortreffliche Dienste. … (Zedler, Bd. XLIII, Sp. 1220 ff)
Spiritus urinosus (Ammoniak)
… Das flüchtige Laugensalz, flüchtige Harnsalz (Alcali volatile sive uinosum) ist eine Substanz, welche man durch die Zersetzung und Fäulniß der thierischen und einiger vegetabilischen Substanzen gewinnt. Sie hat alle allgemeinen Eigenschaften der Laugensalze, ihr Geruch ist ungemein durchdringend und stechend, ihr Geschmack sehr brennend und urinös, und ihre Flüchtigkeit sehr groß. … Wasser, worin flüchtiges Alkali aufgelöst ist, heist flüchtig-alkalischer Spiritus (Spiritus volatilis urinosus). … (Gehler, Bd. II, S. 863 f)
Spiritus veneris (Kupfergeist)
Thut so viel Kupffercrystallen, die mit destillirten Eßig gemacht worden, in eine gläserne Retorte, daß der dritte Theil davon leer bleibe. Setzet die Retorte in Sand, und leget ihr eine weite Vorlage an, und wenn alle Fugen wohl verschmieret, so machet anfangs nur ein gelindes Feuer darunter, damit nur das unschmackhaffte Wasser herüber gehe. … Man bedient sich dieses Mittels in der fallenden Sucht, in Schlagfüssen, in Lähmungen der Glieder, und in andern Krankheiten des Gehirns. … (Zedler, Bd. XXXIX, Sp. 249)
Spiritus vini (Weingeist)
Diesen Namen führt derjenige flüchtige, stark schmeckende und riechende, farblose, entzündliche Liquor, den man durch Destillation aus dem Wine oder aus andern Substanzen erhält, welche durch die Weingährung gegangen sind. Dieser Liquor enthält den berauschenden Theil des Weines, vermischt sich in jedem Verhältnis mit dem Wasser, und hat also alle Eigenschaften eines Geistes. … (Gehler, Bd. IV, S. 675 f)
Spiritus vitrioli (Schwefelsäure)
Wenn man den Eisenvirtiol in einer irdenen Retorte calciniert, so erhält man zuerst daraus ein bloßes Wasser. Hält man aber den Vitriol bis zum Rothwerden in der Hitze, so wird die übergehende Feuchtigkeit zuletzt ziemlich sauer, und giebt den insgemein sogenannten Vitriolgeist (Spiritus vitrioli). … (Gehler, Bd. IV, S. 487)
Squama aeris (Kupferhammerschlag)
Kupffer-Schlag wird dasjenige genennet, so vom Kupffer abfällt, wenn es mit Hämmern geschlagen wird. (Zedler, Bd. I, Sp. 679)
Statica (Statik)
Die Lehre vom Gleichgewichte, insbesondere der festen Körper, da das Gleichgewicht der flüssigen tropfbaren in der Hydrostatik, der flüssigen elastischen in der Aerometrie oder Aerostatik abgehandelt wird. … (Gehler, Bd. IV, S. 183 ff)
Stannum (Zinn)
Ein im Feuer nicht beständiges, ziemlich dehnbares Metall, von einer strak glänzenden weissen Farbe, die aber doch dunkler, als die des Silbers ist. … Es ist sehr leichtflüssig, und schmelzt schon bei 420 Grad nach Fahrenheit lange vor dem Glühen. …
Aus der Glodauflösung in Königswasser wird sowohl durch regulinishes Zinn, als auch durch eine verdünnte ebefalls in Königswasser gemachte Zinnsolution der Mineralpurpur oder das Goldpräzipitat des Cassius niedergeschlagen, welches eine Gemisch von Goldkalk und Zinnkalk ist. … (Gehler, Bd. IV, S. 871 ff)
Sublimatio (Sublimation)
Das Sublimiren ist eine soche Operation, bey welcher man feste und flüchtige Substanzen sammlet und zurückhält. Das Sublimiren ist nichts anders als eine trocknene Destillierung. … (Macquer, Bd. V, S. 262 ff)
Subiectum (Subjekt)
das darunterliegende. Ontologisch der Träger von Zuständen und Wirkungen (Substrat, Substanz), aber im allgemeinen nur für belebte und beseelte Träger oder solche, denen Belebtheit und Besseltheit zugedacht wird. … (Wörterbuch der philosophischen Begriffe.)
Sublunaria (nach Aristoteles alles irdische, was vom Mond beeinflusst wird)
werden alle unter dem Stande des Mondes befindliche Elemente und irdische Körper genennet, nicht so wohl des Standes, als des Einflusses und Regiments wegen, so er in dieselbe zu haben pfleget, immassen wir den bey Wandlung, Ab. und Zunehmung desselben auch dieselben ab und zuzunehmen, schwach und stark zu werden, observiren; … (Zedler, Bd. XL, Sp. 2562)
Substantia (Substanz)
das Bestand Habende, das Selbstständige, Fürsichstehende im Unterschied von dem Unselstständigen, nur an anderem Bestehende, den Eigenschaften, das Beharrende im Unterschied zum Wechselnden, zu den Zuständen. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Succinum (Bernstein)
Ein flüssiges Erdharz ist das Bergöl (Petroleum, welches aus den Spalten gewisser Felsen fließet, und dessen feinere und hellere Gattungen den Namen der Naphta führen. Feste sind der Bernstein (Electrum, Succinum, der Copal, das Ambra, der Gagat, Asphalt und die Steinkohle. Alle diese Materien machen nebst dem Schwefel die brennbaren Materiale oder Inflammabilien des Mineralreichs aus. … (Gehler, Bd. II, S. 12 ff)
Der Bernstein ist ein festes Erdharz, welches in verschiedenen Gegenden des Erdbodens gefunden wird. … Er ist unter den Erdharzen das schönste, reinste und härteste. Seine gewöhnlichste Farbe gleicht einem sehr glänzenden und höchst durchsichtigen Topasgelben; … (Macquer, II S. 296 f)
Sulphur (Schwefel)
Diesen Namen führt ein entzündlicher mineralischer Körper von einer blaßgelben Farbe, und einem eigenen unangenehmen Geruche, der ziemlich geschmacklos und im Wasser unauflöslich ist, bei gelinder Wärme schmelzt, und mit einer blauen Flamme ohne Rauch und Ruß, und ohne hinterbleibenden Rückständ verbrennt, dabey aber einen saueren erstickenden Dunst verbreitet. Die vollkommene Verbrennung des Schwefels ohne festen Rückstand hatte die älteren Chymiker verleitet, alles Verbrennliche Schwefel zu nennen. Daher zählten sie den Schwefel zu den Grundstoffen der Körper, und redeten von Schwefeln der Metalle, der Pflanzen, der thierischen Körper u. s. w. … (Gehler, Bd. III, S. 875 ff)
Syrupus Violarum (Veilchensirup)
Hierzu sind zweyerle Arten, die eine ist, indem man ein Pfund Violen in einem steinernen Mörser zermalmet, eben als wenn man eine Conserv machen wolle, und selbige in eine feste elinwand, so die Presse aushalten kann, schüttet. Hieraus drücket man allen Violen-Saft, welcher wohl ein Viertelpfund wägen wird, so ferne die Violen frisch gewesen. Indessen, daß sie gestossen und gedrücket werden, siedet man ein Pfund schönen Zucker so dicke, als eine Conserv. Wenn nun dieser gnung gesotten hat, so thut man ihn vom Feuer, und lässet ihn so lange stehen, bis er nicht mehr brudelt. Hernach giesset man den Violen-Saft allgemach in den Zucker, und rühret ihn mit einem hölzernen Löffel fleißig um. … (Zedler, Bd. XLVIII, Sp. 1670)
Tartarus (Weinstein)
… Dennoch dauert selbst in dem eingespundenen Weine noch eine unmerkliche Gährung fort, wodurch die Stärke desselben mit dem Alter immer mehr erhöhet, und eine salzige Materie, der Weinstein, an die Wände der Fässer abgesetzt wird. … (Gehler, Bd. IV, S. 673)
Tartarus vitriolatus (Kaliumsulfat)
nehmet vier Unzen des gemeinen, aber wohl gereinigten Olei Tartari per deliquium, tropfet den besten Vitriol-Spiritus darein, und zwar so lange, als beides miteinander aufwallet, da denn der Tartarus vitriolatus nach und nach zu Boden fallen wird, den man nachher sammlet und austrocknet, die ober schwimmende Feuchtigkeit aber, die säuerlich schmäcken soll, abgiesset, und bis zu einem Häutgen abrauchen lässet, worauf allmählich Crystallen anschiessen werden, die, wenn das Naß erkaltet, davon abzusondern. … Dieses Magisterium wird ein allgemeines Digestiv genennet, und dienet zu allen Verstopfungen, als in Stein-Beschwerden, dem Nieren-Weh u. d. g. … (Zedler, Bd. 19, Sp. 354)
Tenacitas (Zähigkeit)
Die Eigenschaft gewisser Körper, da man ihren Theilen allerley Lagen gegen einander geben kan, ohne daß sie dasurch ihren Zusammenhang verlieren, welche im Allgemeinen Dehnbarkeit heißt, führt bey weichen Körpern, die sich der Natur der flüssigen nähern, den besonderen Namen Zähigkeit. … (Gehler, Bd. IV, S. 835 f)
Terra (Erdkugel, Erde)
Dies ist der Name des Planeten, den wir bewohnen, dessen Kenntnis also einen wichtigen Teil der Naturlehre ausmacht. Die Lehre hiervon heißt Geographie oder Erdbeschreibung, und wir in die mathematische, physische und politische abgeteilt. … (Gehler, Bd. II, S. 13)
Terra (eines der vier Elemente des Aristoteles)
Die Erde ist eine von den vier einfachen Substanzen, die man Elemente oder Uranfänge nennt, weil unter denen, die zur Verbindung der zusammengesetzten Körper kommen, wirklich die einfachsten sind. … Denn nachdem die Kunst alle ihre Bemühungen erschöpft hat, die Zersetzung, so weit als sie gehen kann, zu treiben, so bleibt allezeit eine feuerbeständige und feste Materie übrig, in der sich weitere keine Veränderungen bewirken läßt, und diese Materie nennt man überhaupt Erde. … (Macquer, Bd. I, S. 683 ff.)
Theriaca (Theriak, Theriack)
Theriak ist ein heilsames Mittel in Form einer Latwerge ("Leckmittel", eingedickte Saft-Honig Zubereitung als Grundlage einer Arzneizubereitung), von auserlesenen Specereyen zusammengesezt. … (Zedler, Bd. XLIII, Sp. 1218 f)
Thermometrum (Thermometer)
Das Werkzeug zu Bestimmung der freien oder fühlbaren Wärme der Luft und anderer Körper. Da diese Wärme alle bekannten Körper ausdehnt, so hat man daher Anlaß genommen, ihre verschiedenen Stufen durch die Größe solcher Ausdehnung zu betsimmen, und unter einander zu vergleichen. Gewöhnlich braucht masn dazu flüssige Körper, z. B. Quecksilber, Weingeist, Öl, Luft, etc., die in eine Glaskugel mit einer engen Röhre so eingeschlossen werden, daß ihre Oberfläche in der Röhre steigt, wenn sie sich ausdehnen, und fällt, wenn sie sich zusammenziehen. …
Das große verdienst, die ersten genau übereinstimmenden Thermometer gemacht zu haben, gehört unstreitig dem hiedurch so berühmt gewordenen Künstler aus Danzig, Daniel Gabriel Fahrenheit, der die Verfertigung von Wettergläsern als Gewerbe trieb, und sich in der Folge in Holland niederließ. …
Um eben die Zeit, da die fahrenheitischen Thermometer bekannter wurden, gab Herr von Reaumur (1731) eine neue Einrichtunge des Weingeistthermometers an. … (Gehler, Bd. IV, S. 308 ff)
Tinctura (Tinctur)
Man giebt diesen Namen in der Apothekerkunts allen den geistigen Feuchtigkeiten, welche durch die Digerirung mit verschiedenen Substanzen einige Farbe angenommen haben. Dergleichen Feuchtigkeiten sind, eigentlich zu reden, nicht anderes als weingeistige Aufgüsse. … Es gibet eine große Anzahl chymischer Bereitungen, welche den Namen der Tincturen führen. … (Macquer, Bd. V, S. 305 ff)
Topica (Topik)
Die Lehre von den Örten, den Gemeinplätzen, den einzelnen Punkten; bei den griech. Rhetorikern die Anweisung, wie man zur Behandlung eines Themas geeignete Punkte auffindet. … Wöterbuch der philosophischen Begriffe.
Tubus opticus (Fernrohr)
Ein Werkzeug, wodurch sich entlegene Gegenstände dem Auge deutlich und vergrößert darstellen. Es besthet aus einer Zusammensetzung von Gläserb, wovon das gegen die Sache gekehrte das Vorderglas oder Objectivglas genannt wird, die aber, welche sich am Auge befinden, den Namen Augengläser oder Oculare führen. Anstatt einiger Gläser werden bisweilen Metallspiegel gebraucht; in diesem Falle heißt das Instrument ein Spiegelteleskop. … (Gehler, Bd. II, S. 175 ff)
Tutia (Tutie, Zinkoxid)
Tutie ist ein schon lange gebräuchliches, doch noch sehr unbekanntes mineralisches Wesen, so wie Schuppen aussieht, die … hart und grau sind. … (Zedler, Bd. XLV, Sp. 2081 ff)
Ubicativus (Wosein, Ubikation)
das Wo-sein, das Sein eines Gegenstandes an einem betimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Undulatio (wellenförmige Bewegung)
(Gehler, Bd. IV, S. 684 ff) siehe Motus undulatorius
Unitas (Einheit)
als Zahlwort das anschaulich gegebene Rinzelne, als synthetische Einheit eine zusammengesetzte, in sich geschlossene Mannigfaltigkeit, die als gegliedertes Ganzes erlebt wird. … Wörterbuch der philosophischen Begriffe.
Motus undulatorius (wellenförmige Bewegung)
Wenn in der stillstehenden horizontalen Wasserfläche durch Stoß oder Druck eine Vertiefung entsteht, so erhebt sich das Wasser rings um dieselbe, fließt von dieser Höhe durch seine Schwere wieder herab, und macht durch die im Falle erlangte Geschwindigkeit eine neue Vertiefung. … Man nennt jede Erhöhung, auf beiden Seiten bis an die tiefsten Punkte gerechnet, eine Welle, … und die ganze Bewegung eine wellenförmige. (Gehler, Bd. IV, S. 684 ff)
Vacuum, Spatium vacuum (Leere, leerer Raum)
Man drückt durch das Wort Raum den Begriff der körperlichen Ausdehnung aus, der noch immer zurückbleibt, wnn man den Körper selbst in Gedanken aus seiner Stelle hinwegnimmt. Unsere Sinne zeigen uns so etwas nie anders, als an Körpern; wir sehen und fühlen nie Ausdehnung für sich allein ohne andere dem Körper zukommende Eigenschaften. Es ist aber die Frage, ob es nicht in der Natur Räume ohne Körper geben könne, und wirklich gebe. Solche Räume würde man alsdann leere Räume, Leeren nennen müssen. Sovile man aus metaphysischen Gründen dem Dasein solcher Leeren antgegensetzen kann, so läßt sich dasselbe dorch durch starke physische Gründe verteidigen.
Man muß aber hierbei notwendig die absolute Leere (vacuum absolutum) von der zerstreuten (vacuum disseminatum) unterscheiden. …
Unter zerstreuter Leere hingegen versteht man Zwischenräume zwischen den einzelnen Teilen der Körper, welche nichts materielles mehr in sich fassen. …
Descartes läugnet schlechterdings alle Leere in der Körperwelt. Newton hingegen zieht aus derselben Folgerungen, welche dem carthesianischen vollen Raume geradezu widersprechen. (Gehler, Bd. II, S. 866 ff)
Vapores (Dünste)
Diesen Namen führen die durch Ausdünstung der Körper in den Luftkreis aufgestiegenen Wasserteile, welche bisweilen völlig aufgelöst als unsichtbare Dünste in der Luft enthalten sind, oft aber auch nicht völlig aufgelöst, oder aus derselben wiederum niedergeschlagen werden, sichtbare Dünste, d. I. Nebel oder Wolken bilden, und endlich in Gestalt des Regens, Schnees, Hagels u. s. w. wieder auf die Erde zurückfallen.
… Es ist aber bekannt, daß außer dem Wasser noch viele andere Teile der Körper in die Luft übergehen. Daher haben die Naturforscher schon längst Dünste (Vapores) und Ausflüsse (Exhalationes) von einander unterschieden. … Die Wärme, welche bei der Ausdünstung so stark mitwirkt, verwandelt unstreitig auch außer Wasser noch andere Teile der Körper entweder in Dämpfe, die durch die Kälte wieder verdichtet werden, oder in Gasarten, welche sich mit der Masse der atmosphärischen Luft verbinden. (Gehler, Bd. I, S. 619 ff, 634)
Ventus (Wind)
Die Bewegung der Luft im Luftkreise. Wird an irgend einer Stelle des Luftkreises das Gleichgewicht zwischen ihr und den benachbarten in Absicht auf Druck, Dichte, Elasticität etc. gehoben, so dringt der stärkere Theil dahin, wo er geringern Widerstand findet, und es entsteht dadurch die Bewegung, welche wir Winde, und in heftigern Graden Windbrauten, Stürme, Orkane nennen. … (Gehler, Bd. IV, S. 756 ff)
Veritas primaria (transzendentale Wahrheit)
Die Wahrheit wird von denen Philosophen auf eine dreyfache Art betrachtet, und in die metaphysicalische, logicalische und ethische oder moralische eingetheilet.
Die Metaphysikalische oder Trancendentalische=Wahrheit.
Solche wird im Lateinischen auch genennet Veritas rei entitativo, radicales, fundamentalis, transcendentalis und stehet unter den Eigenschfaten der Entium, oder der Dinge, die man affectiones unitas, simplices zu nennen pflegt. … Nach Wolffens Meynung soll die Wahrheit die Ordnung in den Veränderungen der Dinge seyn. … (Zedler, Bd. LII, Sp. 896 ff.)
Vibratio (Schwingung, Oszillation)
Motus vibratorius (schwingende Bewegung)
Man legt diese Namen einer jeden Bewegung bei, welche einen Körper hin und her treibt, oder zwischen zwei Grenzen hin und wieder zurück führt. (Gehler, Bd. IV, S. 944 ff)
Vinum (Wein)
Im allgemeinen Sinne führen diesen Namen alle schleimig-zuckerartige Stoffe des Pflanzenreichs, welche durch den ersten Grad der Gährung geistig geworden sind, z. B. Bier, Meth, Cider. In engerer Bedeutung aber heißt unter diesen Liquoren nur derjenige Wein, welcher aus dem Traubensafte oder Moste erhalten wird. … (Gehler, Bd. IV, S. 672 ff)
Vis (Kraft)
Ein allgemeiner Name alles dessen, was Bewegung hervorzubringen, zu ändern oder zu hindern strebt.
Vis expansiva (Ausdehnende Kraft)
So heißt die Elastizität oder federkraft flüssiger Körper, welche in einem engen Raum zusammengedrückt, sich wieder auszubreiten, und das Hindernis, das sie einschränckt, zu bewegen streben. (Gehler, Bd. II, S. 799 ff)
Vis motrix (Bewegende Kraft)
So nennt man die ganze in eine gewisse Masse wirkende Kraft, welche sich durch das Produkt der beschleunigenden Kraft f in die Masse oder Anzahl der Theile, also durch Mf ausdrücken läßt, und dem Drucke P gleich ist, den sie ausübt, wenn keine Bewegung erfolgen kann. Bei schweren Körpern ist das Gewicht die bewegende, die Schwere die beschleunigende Kraft. (Gehler, Bd. II, S. 802 ff)
Vis corporibus insita (innere anziehende Kraft, Gravitation)
Kepler nahm eine in den Körpern eine innere anziehende Kraft an. (Gehler, Bd. I, S. 168 ff)
Vis attractivam (anziehende Kraft, Gravitation)
Vis inertiae (Trägheitskraft)
Da ein Ding, um in seinem vorigen Zustande zu bleiben, keiner besonderen Kraft bedarf, so ist es ganz unschicklich, in der Trägheit selbst eine Kraft zu suchen, und sich des Namens Kraft der Trägheit zu bedienen. So häufig auch dieser Name gebraucht worden ist. Man ist auf diese vermeintliche Kraft der Trägheit dadurch gekommen, weil diejenige Kraft, die eine Änderung des Zustands bewirkt, durch diese Änderung gleichsam verschwindet, oder verloren zu gehen scheint; daher man sich vorgestellt hat, es liege im trägen Körper eine entgegengesetzte Kraft, die siese aufzehre (s. Gegenwirkung). (Gehler, Bd. IV, S. 391 ff)
Vitriolum (Vitriol)
Dies ist, im weitläufigsten Sinne genommen, eine allgemeine Benennung derjenigen Mittelsalze, welche aus Verbindung der Vitriolsäur mit einer metallischen Basis bestehen. … Insbesondere gehört dieser Name dreyne Anrten der vitriolsärehaltigen metallischen Salze, nemlich Eisen- Kupfer- und Zinkvitriol.
Der Kupfervitriol (Vitriolum Veneris) ist ein Salz im blauen rhomboidalischen abgestumpften Krystallen, von einem zusammenziehend säuerlichen, ätzenden und widrigen Geschmacke. … (Gehler, Bd. IV, S. 484 ff)
Vitriolum hermaphroditicum (gemischte Vitriol)
… Diese Vitriole aber bestehen mehrentheils aus Kupfer und Eisen, und sind theils mehr eisenhaftkupfericht, teils mehr kupferrichteisenhaft, die wenigsten aber pur eisenhaft, dahero sie auch von einigen Zwittervitriole, Vitriola hermaphroditica, genennet werden. … (Zedler, Bd. 49, Sp. 129.)
Vitrum (Glas)
Ein durch Schmelzung entstandener, glänzender, harter, spröder, auf dem Bruche schneidender, durchsichtiger Körper, der sich bei hinlänglicher Hitze wieder in Fluß bringen läßt. … (Gehler, Bd. II, S. 495 ff)
Volatile (flüchtig)
Ein Körper heißt flüchtig, wenn er sich durch die Wirkung des Feuers in Dämpfe oder Gasarten verwandlen und davon treiben läßt. Die Flüchtigkeit entspringt der Ausdehnbarkeit oder Auflöslichkeit der Körper durch das Feuer, und ihr Grad ist nach der Beschaffenheit der Substanzen sehr verschieden. … (Gehler, Bd. II, S. 317)
Volumen (Volumen, körperlicher Inhalt, Umfang)
So nennen die Physiker die Größe des körperlichen Raumes, den ein Körper zu erfüllen oder einzunehmen scheint. Die Vorstellung dieses Raumes mit seinen Grenzen bleibt noch in der Einbildungskraft zurück, wenn man sich gleich die Materie selbst aus demselben herausgenommen denkt. Sie führt alsdann den Namen des geometrischen Raumes, oder die geometrischen Ausdehnung, deren Grenzen auf die Begriffe von Flächen, Linien, Punkten leiten. Die Geometrie, die diesen Raum als vollkommen ausgefüllt durch seine Teile, oder als eine stetige Größe betrachtet, lehrt Mittel, diese Größe zu bestimmen und in bekannten Kubikmaßen auszudrücken. Der auf solche Art durch geometrische Abmessung bestimmte Raum eines Körpers heisst alsdann sein Volumen. … (Gehler, Bd. IV, S. 494 ff)

  • Quellen:
  • Johann Samuel Traugott Gehler: Physikalisches Wörterbuch oder der Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Erste Auflage. Leipzig 1787 - 1795.
    • Erster Theil von A bis Epo. 1787.
    • Zweyter Theil von Erd bis Lin. 1789.
    • Dritter Theil von Liq bis Sed. 1790.
    • Vierter Theil von See bis Z. 1791.
    • Fünfter Theil, Supplement von A - Z. 1795.
    • Sechster Theil, Vierfaches Register über das ganze Werk. 1796.
  • Peter Joseph Macquer: Chymisches Wörterbuch oder Allgemeine Begriffe der Chymie nach alphabetischer Ordnung. Erste Auflage, Leipzig 1781 - 1783.
  • Johann Heinrich Zedler: Grosses Universal-Lexicon Aller Wissenschaften und Künste …, Halle und Leipig 1731 - 1754.
  • Wörterbuch der philosophischen Begriffe, (Herausg. Kirchner, Michaëlis, Hofmeister), Felix Meiner Hamburg. 2013.

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